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Segeberg Zukunftsangst im Pflegeheim Eichenhof in Bad Segeberg
Lokales Segeberg Zukunftsangst im Pflegeheim Eichenhof in Bad Segeberg
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14:16 03.01.2013
Nirgendwo sonst macht man sich so viele Gedanken um Demenzkranke.“ Gudrun Degelow, Pflegedienstleiterin
Bad Segeberg

„Wir müssen sehen, wie wir den Kopf aus der Schlinge ziehen“, sagt Sigrid Harder, Vorsitzende der Wählergemeinschaft BBS, angesichts des jährlichen Pflegeheim-Defizits von 700 000 Euro, „das muss gesenkt werden“. Einstimmig habe man (wie berichtet) daher bei der Stadt den Verkauf des „Eichenhofs“ beschlossen, so Harder.

Und das wird nicht einfach, denn die früheren Bausünden wiegen schwer. Das reinste Chaos muss bei Planung und Bauausführung geherrscht haben. Gegen den Rat der Pflegeabteilung verlegte man Parkett statt Linoleum in die Zimmer. Bei Menschen mit Demenz und Inkontinenz sind das eklatante „Schilda“-Fehlleistungen, die sich jetzt bitter rächen. Nach wenigen Jahren muss Parkett erneuert werden. Statt die Baukosten im Blick zu behalten, baute man das großzügige Gebäude rund um eine alte Eiche herum. So konnte das Haus „nicht kompakt“ geplant werden. Schlecht für die Abläufe im Pflegedienst-Alltag mit mehr Personal, mehr Kosten. Eine Küche vom Feinsten mit Riesen-Lüftungsanlage wurde üppigst konzipiert. Die Luxus-Großküche kann Essen nicht nur für die 69 Heimbewohner liefern, sondern gleich das Siebenfache an Portionen und einen ganzen Stadtteil beköstigen. Totes Kapital. Insgesamt sei das Heim viel zu klein konzipiert, sind sich Experten einig. Immerhin: Direkt am Heim gibt es Brachflächen, die derzeit noch für Hühner- und Viehhaltung genutzt werden. Auch der ungenutzte heimeigene neue Schweinestall dürfte für einen privaten Betreiber verzichtbar sein. Da ist viel Platz für Pflegeheimanbauten.

Dass die Stadt ihr Pflegeheim verkauft, war für Mitarbeiter und Heimbewohner kurz vor Heiligabend eine schlimme Nachricht in den LN. Obwohl es nicht ganz überraschend kam. Die Stadt will ihren hoch defizitären „Eichenhof“ mit 69 Pflegeplätzen und fast 50 Mitarbeitern an einen privaten Investor loswerden — dazu läuft jetzt die Ausschreibung. Im elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union ist die Einrichtung mit dem gerontopsychiatrischen Schwerpunkt schon aufgelistet. Der Erwerber habe sich zu verpflichten, das Heim in seiner jetzigen Ausrichtung mindestens bis zum 30. Juni 2015 „zu betreiben und das vorhandene Personal zu übernehmen, sofern dieses der Übernahme nicht widerspricht“, heißt es in den Kaufbedingungen.

Christina Kock, stellvertretende Personalratsvorsitzende im Eichenhof, sieht das auch aus der anderen, der Mitarbeiter-Perspektive. Die Unsicherheit sei hier schon lange sehr groß. „Wir sehnen jetzt eine Entscheidung herbei. Es ist wichtig, dass wir bald wissen, wie es mit uns weitergeht.“ Alles habe man seitens der Mitarbeiter getan, um Kosten zu sparen. „Wir halten die Stellung und arbeiten für unsere Bewohner.“ Die Mitarbeiter könne man nicht für die zwischen 2007 und 2009 explodierten Baukosten verantwortlich machen. Auch nicht, dass im Vorfeld falsche Entscheidungen getroffen worden sind, betont Christiane Kock. In den Verhandlungen mit der Stadt sei der Personalrat „für alles offen gewesen“, wehrt sie Vorwürfe zurück, man habe sich gegenüber anderen Lösungen versperrt. „Wir können ja froh sein, wenn wir unseren Arbeitsplatz noch behalten“, erklärte Christina Kock. „Hier arbeiten 95 Prozent Frauen. Und Frauen denken nicht täglich an ihre Verträge, sondern kümmern sich um die ihnen anvertrauten Bewohner.“ Aber einige alte Menschen, die Zeitung lesen, seien schon in Sorge.

Vor allem die Angehörigen sind alarmiert, weiß Pflegedienstleiterin Gudrun Degelow. Nirgendwo sonst in Einrichtungen Schleswig-Holsteins mache man sich „so viele Gedanken um Demenzkranke“ wie im Eichenhof, betont sie.

Wolfgang Glombik

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