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Segeberg Zukunftsdialog: Schüler als Politikberater
Lokales Segeberg Zukunftsdialog: Schüler als Politikberater
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21:31 15.07.2016
Durch das Mikroskop schaut sich Ministerpräsident Torsten Albig von den Schülern künstlich gezüchtete Kristalle aus Alaun an – ein Projekt der AG System Erde an der Hallmann-Schule Trappenkamp. Quelle: Fotos: Materne

„Wissen Sie, wie lange es dauert, dass so eine PET-Flasche abgebaut ist?“, fragt Nele Scherbarth den Ministerpräsidenten. „Das geht wahrscheinlich in die Hunderte Jahre“, antwortet Torsten Albig (SPD) der Schülerin. „Sogar 450 Jahre“, löst die 18-Jährige auf. Auf einer Tour durch Schleswig-Holsteins Schulen besuchte Albig gestern die Richard-Hallmann-Schule in Trappenkamp. Es ging um das Thema nachhaltige Zukunftsgestaltung.

Müll sammeln am See, Upcycling von Altkleidern: Projekte der Trappenkamper Hallmann-Schule beeindruckten den Ministerpräsidenten.

„Die Schule bereitet euch gut vor, aber am Ende muss man auch Konsequenzen im Konsumverhalten ziehen.“Ministerpräsident Torsten Albig (SPD)

Auf seinem Rundgang durch die Schule ließ sich Albig die vielfältigen Projekte zum Thema Nachhaltigkeit erklären. So hatte die 11a im Geografieunterricht am Internationalen Küsten-Aufräum-Tag (International coastal clean-up day) teilgenommen und Müll am Großen Segeberger See gesammelt. „Geschätzt hatten wir vorher eine Müllmenge von fünf, sechs Kilo“, berichtet Simon Reimer. Stattdessen seien es fast 25 Kilogramm gewesen. In drei Stunden. Auf 300 Metern. Zahlen, die der Ministerpräsident kaum glauben konnte. „Und habt ihr daraufhin euer Verhalten geändert?“, will er wissen. Nele nickt. „Man hat sich vorher nie über die Massen Gedanken gemacht.“

Im WPK Technik bauen die Schüler Solarautos, im Kurs „Upcycling“ nähen sie aus alten Kleidern unter anderem Taschen, sogar ein Hochzeitskleid. In der AG System Erde gibt’s Infos über wertvolle Rohstoffe in Althandys, werden Kristalle gezüchtet aus Zucker, Salz und Alaun. Seit einigen Jahren fahren Trappenkamper Schüler zur Geo-Olympiade. Dieses Jahr nach Japan, erfährt der Ministerpräsident.

Sichtlich beeindruckt ist er vom deutsch-indischen Klassenzimmer, ein Austauschprojekt mit wissenschaftlichem Anspruch. Untersuchten und verglichen die Schüler beider Länder im ersten Jahr die Wasserwirtschaft, ist es im nächsten Schuljahr die Landwirtschaft. Angesichts der auslaufenden Förderung des Projekts bietet Albig an, Kontakte zum indischen Botschafter in Berlin herzustellen.

Diese seien sehr engagiert in Bildungsprojekten. „Viele Projekte hatte ich vorher noch nicht gesehen“, lobte er hinterher in der großen Diskussionsrunde mit über 100 Schülern.

Nachhaltigkeit, das sei für ihn eine Haltung und ein Verhalten, das es künftigen Generationen ermögliche, genau so zu leben wie jetzt. „Das ist leicht gesagt, aber schwerer gemacht“, räumt er ein.

Die Schüler hatten zuvor Themen vorbereitet. Einer fragte nach der Nachhaltigkeit leerstehender, aber hell beleuchteter Flüchtlingsunterkünfte. Ein anderer wollte wissen, warum nichts gegen den Nitrateintrag durch die Landwirtschaft geschehe. Eine Schülerin beanstandete die unterschiedliche Entlohnung von Lehrern verschiedener Schultypen – Albig hatte um die Einblicke der Jugend gebeten, um „Politikberatung“. Lösungen zu diesen komplexen Themen konnte Albig nicht geben, er erklärte Zusammenhänge, Hintergründe, finanzielle Grenzen. Historisch gewachsene Besoldungsstrukturen etwa ließen sich nur in kleinen Schritten ändern. Die derzeit freien Flüchtlingsplätze werde man zurückfahren, aber nicht komplett aufgeben können. Und die Bauern würden wohl nicht unterschreiben, dass die Politik „nichts“ mache. Wer aber von der Landwirtschaft Umweltschutz verlange, machte Albig deutlich, müsse auch sein eigenes Konsumverhalten ändern. Nicht nur bei Lebensmitteln auch bei Klamotten.

„Wer sich ein T-Shirt für 3,99 Euro kaufe, braucht nicht in ein deutsch-indisches Klassenzimmer zu gehen“, so Albig. Aber dazu leiste die Schule bemerkenswerte Aufklärungsarbeit.

Nadine Materne

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