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Zum Abschied viel Lob für Grote – schwierige Nachfolgersuche

Norderstedt Zum Abschied viel Lob für Grote – schwierige Nachfolgersuche

CDU und SPD kündigen eigene Bürgermeisterkandidaten an für Norderstedt.

Norderstedt. Die einen hatten schon mal kleinere Differenzen mit ihm, anderen hat auch nicht alles gefallen, was sie kommunalpolitisch in 19 Jahren mit ihm erleben mussten. Aber keiner sieht Hans-Jürgen Grote (62), Schleswig-Holsteins neuen Innenminister, wirklich gern als Oberbürgermeister von Norderstedt gehen. „Dieser Mann strotzt vor Energie und hat eine Menge für Norderstedt bewirkt“, sagt seine CDU-Parteigängerin, die Landtagsabgeordnete Katja Rathje-Hoffmann. Aber wer oder was kommt nach Hans-Joachim Grote?

 

LN-Bild

19 Jahre war er (Ober-)Bürgermeister in Norderstedt.

Beginnen wir mit der CDU . „Natürlich werden wir einen eigenen Kandidaten oder eine eigene Kandidatin aufbieten“, sagt Rathje-Hoffmann, die zugleich Norderstedts CDU-Chefin ist. Am scheidenden „Ober“

schätzt sie, dass Grote nicht nur selbst ein starker Verwaltungschef gewesen sei – er habe es auch verstanden, ein gutes Team um sich herum zu bilden: „Was hier an Unternehmen hergeholt worden ist, nicht allein am Nord-Port, das ist schon ganz enorm“, lobt die Landtagsabgeordnete.

Ihr Gegenüber, die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Katrin Fedrowitz, hingegen hofft, dass sich ihre Partei die Bürgermeisterehre zurückholt. Norderstedt wurde 1970 von den vier SPD-Bürgermeistern der vier Ortsteile gegründet, und seitdem, bis 1998, dem Amtsbeginn Grotes, gab es ununterbrochen SPD-Bürgermeister, drei an der Zahl. „Es wird Zeit dafür, dass wir uns den Chefsessel im Rathaus zurückholen“, sagt die Fraktionschefin, die jedoch ebenfalls Grote ein gutes Zeugnis ausstellt: „Er hat als Verwaltungschef die politischen Entscheidungen in der Kommunalpolitik erfolgreich umgesetzt und auch eigene Akzente in der Weiterentwicklung unserer Stadt gesetzt.“

Etwas kritischer sieht es zwischen den Zeilen FDP-Fraktionschef Klaus-Peter Schroeder: „Die FDP wünscht sich eine Nachfolgerin, die Erfahrung, Führungserfahrung, und nicht nur Visionen hat.

Norderstedt braucht jetzt jemanden, der den Schwerpunkt auf Bestandserhalt legt. Insbesondere unsere Schulen brauchen mehr Aufmerksamkeit und mehr Geld. Begonnene Projekte wie das Bildungswerke-Haus müssen in Ruhe und mit Bedacht weiterbetrieben werden.“ Sollte sich der FDP in den bereits begonnenen Gesprächen eine solche Persönlichkeit nicht aufdrängen, werde man keinen eigenen Kandidaten aufbieten. Er selbst, so Schroeder auf Befragen der LN, stehe mit seinen 60 Jahren nicht mehr zur Verfügung. Noch 2010 hatte Schroeder sich um den Bürgermeisterposten in Henstedt-Ulzburg beworben.

Miro Berbig, Fraktionschef der Linken in der Norderstedter Stadtvertretung, erklärt, dass OB Grote zu den Politikern gehören, die gestaltet und nicht nur verwaltet hätten. Er schränkt zugleich ein:

„Dass seine gestalterischen Schwerpunkte häufig andere waren als die, die wir uns gewünscht haben, damit mussten wir leben und haben dies immer wieder kritisiert.“ Als Beispiel nennt Berbig die Landesgartenschau 2011: Städtebaulich ein Erfolg, aber 40 Millionen Euro Kosten und drei Jahre Vorbereitungszeit würden sich heute noch beim Sanierungsstau in den Schulen niederschlagen.

Die Linke werde angesichts des Landtags-Wahlergebnisses keinen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken: „Viel wichtiger wäre es, eine Kandidatin zu finden, die jenseits der CDU eine breite Mehrheit hinter sich bringen kann.“

Erfahrener Politiker

Hans-Joachim Grote (CDU/62) ist ein erfahrener Kommunalpolitiker. Der gebürtige Paderborner ist erst im April 2016 zum vierten Mal zum Verwaltungschef der fünftgrößten Stadt im Land gewählt worden, seit 2005, als Norderstedt zur „Großen kreisangehörigen Stadt“ wurde, darf er sich Oberbürgermeister nennen. Grote ist zudem Vorsitzender des Städteverbandes, trat aber landespolitisch bisher noch nicht so sehr in Erscheinung. Im Ehrenamt ist der verheiratete Vater von zwei Kindern Präsident des Deutschen Bibliotheksverbandes.

Lothar Hermann Kullack

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