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Segeberg Zwei Männer - eine Leidenschaft
Lokales Segeberg Zwei Männer - eine Leidenschaft
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21:39 14.02.2014
Paul Morzynski mit seinem Sohn André vor dem Arko-Hauptsitz in Wahlstedt. Beide verbindet die Leidenschaft für Schokolade und Kaffee. Der Junior wird das Segeberger Unternehmen führen. Quelle: Fotos: Heike Hiltrop (2)
Wahlstedt

Schokolade und Kaffee sind seine Passion, kein Wunder also, dass Paul Morzynski zugriff, als er 1992 die Chance hatte, mit Halloren (Halle/Saale) die Schokoladenfabrik der ehemaligen DDR von der Treuhand zu kaufen und als Mehrheitsaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender erfolgreich am Markt zu positionieren.

Im vergangenen Jahr reihte er das Hotelensemble Heiligendamm in die Reihe seiner traditionsreichen Unternehmen ein, nun also, wie bereits berichtet, die Wahlstedter Arko (Arbeitsgemeinschaft für den Vertrieb von Konsumgütern). Damit käme dann auch die Kaffeeleidenschaft zum Zug.

Als Hannoveraner sei ihm Arko schon seit frühester Jugend vertraut, so Paul Morzynski im LN-Gespräch bei seinem Wahlstedt-Besuch. „Arko ist ein Traditionsunternehmen, das einen Namen hat. Nur leider ist es in den vergangenen Jahren offenbar nicht gelungen, den guten Ruf auch in Kundenzahlen auszudrücken.“

Dr. Olaf Sieker (Geschäftsführung) ergänzt, Arko sei in die Jahre gekommen, doch der Name, das hätten Marktforschungen ergeben, sei positiv besetzt. „Der positive Markenname wird aber zuwenig in Umsatz umgesetzt“, sagt Sieker. Mit dem neuen Eigentümer habe man nun auch die finanzielle Kraft, dass sich die Marke im harten Wettbewerb behaupten kann. Stammkunden müssten gehalten, neue hinzugewonnen werden.

Arko könne in einem hochpreisigen Segment mit kompetenter Beratung punkten. „Wir wollen aber nicht in den Premiumbereich hinein.“ Er ergänzt: „Wir müssen investieren, in die Rösterei, aber vor allem in unsere Filialen und den Aufbau eines modernen Images. Die Stiftung kann das nicht.“ (Die Anteile der Arko-Gründer-Familie Rothfos wurden in die gemeinnützige Arko-Stiftung eingebracht, Anm. der Red.)

Arko soll vorsichtig modernisiert, das Ladenkonzept überarbeitet werden. „Es gibt ein klares Investitionsprogramm“, so Paul Morzynski. Pro Jahr würden zwischen 2,5 und 2,8 Millionen Euro primär in die Läden gesteckt. 70 bis 80 Arko-Geschäfte umfassen die Planungen bis 2017, auch einige Franchise-Filialen. „Das sind rund zehn Millionen Euro in den nächsten Jahren.“

Da die Läden für die empfindliche Ware alle klimatisiert sein müssten, seien die Kosten für die Geschäfte, gerade bei den kleinen, besonders hoch, so Dr. Sieker. „Wir gehen von etwa 200 Euro pro Quadratmeter aus.“

Doch trotz aller Pläne: „Es gibt ein eindeutiges Signal zur Standortsicherung in Wahlstedt“, betonen Paul und André Morzynski. Der Sohn ist nun in der Hannoveraner Familienholding „Waldersee Treuhand- und Vermögensgesellschaft“ neben seinem Bruder Marc primär für Arko verantwortlich und wird künftig häufiger in Wahlstedt sein.

Inzwischen habe vor etwa acht bis zehn Tagen auch die Aufsicht der gemeinnützigen Arko-Stiftung dem Verkauf zugestimmt, so Paul Morzynski. Die Genehmigung stand, als die Lübecker Nachrichten Ende Januar über den Verkauf berichteten, noch aus.

Die Gespräche von Vater und Sohn mit der Belegschaft zogen sich bis in den frühen Donnerstagabend hinein. Paul Morzynski, durch eine heftige Erkältung etwas angeschlagen, ließ es sich nicht nehmen, selbst mit den Mitarbeitern zu sprechen. Die Begegnungen seien „sehr harmonisch“gewesen. Auch die Arbeit mit behinderten Menschen, beispielsweise in der Packerei, begrüßt der 63-Jährige. Sie werde auf jeden Fall fortgeführt, etwas ähnliches gebe es auch bei Halloren.

Abschließend betont Morzynski: „Arko bleibt Arko. Es wäre ein Frevel, Arko zu verändern.“ Der Betriebsrat war für die LN gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Das ist Arko
Die „Arbeitsgemeinschaft für den Vertrieb von Konsumgütern“ (Arko) wurde 1948 von Cuno Rothfos in Wahlstedt gegründet. 1971 gab es bereits 150 Filialen von Flensburg bis Göttingen. Heute reichen die Franchisenehmer sogar bis nach Prag. Arko hat insgesamt etwa 700 Mitarbeiter, davon 100 in Wahlstedt. Der Jahresumsatz liegt bei 60 bis 70 Millionen Euro. Über die Kaufsumme wurde zwischen den Parteinen Stillschweigen vereinbart.

Martina Janke-Hansen und Heike Hiltrop

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