Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Erste Risse in der Verteidigung
Lokales Segeberg Erste Risse in der Verteidigung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:02 06.11.2018
Der Angeklagte Volker L. wird von Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt Quelle: dpa
Kiel/Schackendorf

Auf dem Weg zur Wahrheit geht es, wenn überhaupt, nur in Trippelschritten voran. Der zweite Prozesstag um den Mord an der 34-jährigen Krankenschwester aus Schackendorf brachte am Dienstag nur wenige Antworten. Stattdessen tauchten neue Fragen und Merkwürdigkeiten auf. Dabei hat das von Verteidiger Jonas Hennig zum Prozessauftakt gezeichnete Bild allerdings erste Kratzer bekommen. Ganz so schlüssig, wie es der Rechtsanwalt zunächst dem Schwurgericht Glauben machen wollte, dürfte die Unschuld des angeklagten Ehemanns Volker L. nicht zu beweisen sein.

Hennig hatte zum Beispiel argumentiert, dass der 48-Jährige die Tat gar nicht begangenen haben könnte, weil der von Krankheit gezeichnete Mann seiner sportlich aktiven, trainierten und zudem deutlich jüngeren Ehefrau körperlich unterlegen gewesen sei. Gerichtsmedizinerin Stefanie Benz stellte in ihrer Aussage jedoch klar, dass es keineswegs erheblicher Körperkraft bedurft hätte, um das Verbrechen an Nadine L. zu begehen. „Mit dem Pfahl, der als Tatwerkzeug genutzt wurde, wäre auch eine Person ohne besondere körperliche Konstitution dazu in der Lage gewesen“, stellte die Forensikerin auf Nachfrage der Beisitzenden Richterin klar.

Ob körperlich schwach oder nicht – die Brutalität, mit welcher der Täter auf sein Opfer eingedroschen haben muss, ist gleichwohl erschütternd. In grausigen Einzelheiten beschrieb Medizinerin Benz vor der Kammer die schweren Verletzungen des Leichnams. Durch die Schläge mit dem sogenannten Recyclingpfahl, einem Zaunpfahl aus recyceltem Altplastik, waren Kopf und Gesicht der jungen Mutter regelrecht zertrümmert worden. Die exakte Zahl der Schläge gegen den Kopf habe sich wegen der schwere der Verletzungen zwar nicht mehr bestimmen lassen. Es müssten aber „mindestens sieben“ gewesen sein. Verletzungen an den Handgelenken ließen darauf schließen, dass Nadine L. sich zunächst zu verteidigen versucht hatte. Am Hals der jungen Frau fanden die Rechtsmediziner zudem noch einen 14 Zentimeter langen Schnitt. Der war der Ermordeten aber laut Gutachten erst beigebracht worden, als sie bereits am Boden und infolge ihrer Kopfwunden im Sterben lag. Wer immer Nadine L. angegriffen hat, wollte offenbar sichergehen, es zu Ende zu bringen. Für sich allein wäre der Schnitt aber nicht tödlich gewesen.

Obwohl der Unterleib der Toten entkleidet worden war, konnte die Forensik ein Sexualverbrechen ausschließen. Es habe keinerlei Spuren eines Sexualkontakts gegeben.

Die am Körper von Volker L. nach seiner Festnahme festgestellten Spuren, lassen zwar keine eindeutige Aussage zu – sie entlasten ihn aber auch nicht. Unter dem rechten Auge hatte er ein Hämatom unbekannter Herkunft, zudem Kratzspuren im Gesicht, die nach Überzeugung der Forensikerin von Fingernägeln rühren konnten. An seiner Schulter hätten sich zudem feine Kratzer gezeigt, die an der Leiche gefundenen Spuren ähnelten. Sie stammten möglicherweise von einem Dornenbusch, neben dem der Leichnam gelegen hatte.

Wie am Dienstag ebenfalls zutage kam, praktizierte das Paar regelmäßig Sado-Maso-Sex, wobei Volker L. den devoten Part spielte. So hatte er es der vernehmenden Kriminalbeamtin geschildert. Im Laufe der kommenden Prozesstage dürfte das noch eine Rolle spielen. „Es wird über Sex noch zu reden sein“, kündigte Verteidiger Hennig an.

Eine weitere Merkwürdigkeit: Das Suchverhalten von Volker L. in der Nacht der Tat. Nach seinen Angaben – und so gaben es auch ausgewertete GPS-Daten wieder – war er auf der Suche nach seiner Frau mit dem Auto stundenlang in der Gegend herumgefahren, hatte unter anderem ihre Arbeitsstelle in Rickling angesteuert, war auch in Wahlstedt und Bad Segeberg gewesen. Ausgespart worden war bei der Suche allerdings ausgerechnet der Ort an dem gemeinsamen Spazierweg, wo die Leiche tatsächlich lag. Dorthin war der Angeklagte erst am Morgen zusammen mit einem Nachbarn gefahren, den er um Hilfe bei der Suche gebeten hatte. In der Nacht sei es dort „zu dunkel gewesen“, so die Begründung, die L. der Kriminalbeamtin geliefert hatte.

Viele Fragen wirft auch ein im Haus des Paares gefundener Mietvertrag auf. Beide hatten offenbar mit einer Räumungsklage für ihre Schackendorfer Wohnung rechnen müssen, der Vertrag dokumentierte aber bereits ein neues Mietverhältnis zum 1. Januar 2018. Nur: Das betreffende Haus stand gar nicht zur Vermietung, sondern gehört einem Rentner, der am Dienstag ebenfalls als Zeuge geladen war. Wer sollte getäuscht werden? Und warum?

Klar ist bereits, dass der Zeitrahmen von acht Prozesstagen kaum zu halten sein dürfte. Von den acht für Dienstag geladen Zeugen konnten nur drei vernommen werden, die anderen wurden wieder nach Hause geschickt. Fortgesetzt wird am 15. November.

Oliver Vogt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Es wird gebaut: 36 Grundstücksflächen sollen bis zum Frühjahr 2019 erschlossen sein. Dann können Interessenten mit dem Traum vom Eigenheim loslegen.

07.11.2018

Ausbau des noch schnelleren Internets: Die Kreisstadt bekommt Fördermittel des Bundes für ihren Weg in die Zukunft

06.11.2018

Bad Segebergs Stadtverwaltung präsentierte der Öffentlichkeit Pläne zu dem neuen Feuerwehrhaus an der B 206. Die größere Bauvariante wird von Wehrführer und Bürgermeister favorisiert – auch wenn sie teurer ist.

06.11.2018