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Segeberg Zwillinge lieben E-Rennsport: „Sie ist mein Navi“
Lokales Segeberg Zwillinge lieben E-Rennsport: „Sie ist mein Navi“
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22:15 15.11.2017
Bei den Rennen werden die Zeiten der Elektro-Fahrzeuge beim Start und am Ziel mit Lichtschranken gemessen. In China starteten die Buck-Zwillinge mit einem „ZOTYE 100 S“. Quelle: Foto: Hfr
Bad Segeberg

„Sie ist mein Navi“, sagt Vivienne Buck lachend über ihre Schwester Patricia. Als es bei der chinesischen E-Rallye im Oktober losging, bekamen sie ein Bordbuch in die Hand und eine Stoppuhr. Und waren dann auf sich gestellt. Denn die Strecke des Wettkampfes „China E-Mobile Rally Championship Hunan“ führte nicht etwa durch abgesperrtes Terrain, sondern durch den chinesischen Verkehr. Dabei ging es nicht um Geschwindigkeit, sondern um genaues Zeitfahren – durch Stadt und Land, über Feldwege und Autobahnen. Im Motorsport wird das Gleichmäßigkeitsfahren genannt. „Im Bordbuch sind große Bilder von markanten Symbolen auf der Strecke abgebildet, wie Tunnel oder große Schilder“, sagt Vivienne. „So erkennt man, wo es lang geht.“ Ihre Schwester ist in der Regel Beifahrerin und sagt den Weg an. Ein technisches Navi gab es nicht. Aber genau das macht den Reiz bei dem Sport aus, erklären die jungen Frauen. Und so ging es mit dem chinesischen E-Mobil „ZOTYE 100 S“ über vier Tage und 505,5 Kilometer jeden Tag in eine andere Stadt. Manchmal über Straßen mit acht Fahrspuren, manchmal gleichzeitig mit vielen Motorrädern, manchmal durch kleine Dörfer, in denen gemächlich Kühe auf den Straßen liefen. Am Ende reichte es für Rang 22 von 55 Teams aus Europa und China. Bei der Tageswertung am dritten Tag gelang sogar ein sechster Platz: 130 Kilometer sollten in drei Stunden gefahren werden; beide rollten 0,27 Sekunden zu früh über die Ziellinie. Vivienne hatte da seit etwa einem Jahr den Führerschein, ihre Schwester ein halbes Jahr.

 

Patricia (l.) und Vivienne Buck wollen selbst E-Autos fahren, sobald sie bezahlbar werden. Quelle: Foto: Irene Burow

Die Zwillinge haben mehr als den Verkehr kennengelernt. „Es leben Zigmillionen Menschen in dem Land. Die Städte sind schick. Aber blickt man hinter die Hochhäuser, sieht man China“, sagt Patricia.

Ein Land, in dem Gänsefüße und gegrillte Heuschrecken gegessen werden, in dem es große Temperaturunterschiede gibt und in dem Google, Facebook und Whatsapp nicht frei zugänglich sind. „Wir haben sehr viel gelernt und den Smog erlebt“ – das sei auch ein Punkt dieser Reise gewesen: „Es ist wichtig, dass E-Mobilität normaler wird.“ Doch auch die blonden Frauen waren in China ein Hingucker: Kein Team der Rallye wurde so oft interviewt und fotografiert wie sie, sagt ihr Vater Ingo Buck, der die Nordeuropäische E-Mobil-Rallye organisiert.

Die Schwestern, angehende Krankenschwester und Tourismuskauffrau, haben 2016 mit dem Rallye-Sport angefangen. Den Startplatz für China hatten sie sich als bestes Frauenteam bei der Nordeuropäischen E-Mobil-Rallye gesichert, die von Flensburg durch Dänemark führte. Die nächste Teilnahme an so einem Wettkampf wird im Juni 2018 sein, wenn die Nordeuropäische E-Mobil Rallye in Lübeck startet.

Die E-Rallyes

Bei der Nordeuropäischen E-Mobil-Rallye geht es nicht um Höchstgeschwindigkeit. Fahrerisches Können, der sparsame Umgang mit Energie und die Zusammenarbeit von Fahrer und Beifahrer sollen auf unterhaltsame und sportliche Weise miteinander verbunden werden.

Die 9. Nordeuropäische E-Mobil-Rallye findet vom 15. bis 17. Juni 2018 statt. Sie wird voraussichtlich in Lübeck oder an der Küste starten und vermutlich durch Ostholstein bis Kiel verlaufen.

Es werden wieder Startplätze für die Teilnahme an der chinesischen Rallye vergeben.

Infos: www.emobil-rallye.com

 Irene Burow

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