Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Rantzau-Schüler lernen elektronisch
Lokales Segeberg Rantzau-Schüler lernen elektronisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:28 30.11.2018
Schülerin Chelsea (16) findet es praktisch, Hausaufgaben direkt auf der Plattform abzuspeichern. Quelle: Irene Burow
Rohlstorf

Krakelschrift, vergessene Hausaufgaben und Zettelwirtschaft gehören bald der Vergangenheit an: In den Schulen wird immer mehr elektronisch gearbeitet. Die Annette von Rantzau Gemeinschaftsschule in Rohlstorf hat Hardware und Software erheblich aufgestockt. Aufgaben, Arbeitsblätter und Hausarbeiten stehen hier ab sofort online bereit. „Die Schule hat Zehntausende Euro in verschiedenste Dinge investiert“, sagt Schulleiterin Barbara Werner. Unter anderem in PC-Wagen mit Laptops und Tablets für alle 80 Schüler. Jeder Klassenraum hat einen großen Bildschirm hinter der Tafel, mit einem üblichen Computer-Startbildschirm. Zehntausende Euro waren schon vorher in die Hand genommen worden, um das Internatsgelände mit Glasfaseranschluss zu versorgen. Seit über einem Jahr gibt es schnelles Internet.

Vorstand des Fördervereins

Der Förderverein der Annette von Rantzau Gemeinschaftsschule hat mit dem Segeberger Kreispräsidenten Claus Peter Dieck und dem Ausbildungsleiter der Firma Möbel Kraft, Matthias Osbahr, neue Gesichter im Vorstand. Das ist auf der Mitgliederversammlung beschlossen worden. „Der Förderverein hat erneut einen wichtigen Beitrag geleistet, damit mit moderner Technik gearbeitet werden kann“, blickte der Vorsitzende Bernd Jorkisch zurück. Er wurde im Amt bestätigt. 2017 und 2018 wurden rund 30000 Euro in praxisorientierte Projekte investiert. Digitalisierung, Kultur und Fremdsprache waren besondere Unterstützungsbereiche. Er kündigte zudem an, dass die Schule 2019 einen großen Aktionstag „Karriere Dual“ durchführen wird.

Dokumente dauerhaft verfügbar

Jetzt geht die Schule noch weiter: Mithilfe einer 5000-Euro Spende des Lions Clubs Segeberg an den Förderverein der Schule ist kürzlich eine Lernplattform geschaffen worden, auf die alle Lehrer und Schüler zugreifen können. Auf „ItsLearning“, ein Programm einer norwegischen Firma, können Dokumente gespeichert, Diskussionen angelegt oder Wochenaufgaben erläutert werden. Hausaufgaben, die Schüler ohnehin am Rechner erledigen, werden von zu Hause aus direkt online abgegeben. Kein Schüler kann mehr sagen, er hätte seinen USB-Stick vergessen...

„Das heißt nicht, dass Lehrer plötzlich nicht mehr gebraucht werden“, sagt Annette von Rantzau, Gründerin der Schule. „Ganz im Gegenteil: Sie haben mehr Möglichkeiten auf die Schüler einzugehen.“ Das reine Wissen stehe zwar im Netz, ersetze aber keine Pädagogik. „Lehrer können noch besser auf die Schüler eingehen. Einige sind schnell, andere lernen langsamer, brauchen länger.“ Mithilfe von Foren können Schüler zudem an Projekten weiterarbeiten und diskutieren – ohne in der Schule zu sein.

Plattform auch per Handy erreichbar

„Es kostet wahnsinnig viel Zeit zu schauen, ob alle Schüler ihr Material haben“, sagt Barbara Werner. Das fällt jetzt weg. Überflüssige Kopien gehören der Vergangenheit an, Texte sind nachhaltig verfügbar. „Der Weg zur papierlosen Schule scheint greifbar“, so die Schulleiterin. „Wir werden das nach und nach ausweiten.“ Die Schüler bekommen mehr Verantwortung: Der Lernstoff ist immer und überall verfügbar. „Den Druck bei Hausaufgaben haben wir aber sowieso. Wenn ich krank bin, muss ich Inhalte nachholen. So ist es einfacher, ich verliere nicht den Anschluss“, sagt Schülerin Chelsea (16). Außerdem wird ihre Schultasche leichter, wenn sie ins heimische Niedersachsen fährt. „Ich komme sogar vom Handy aus an das Programm.“

Schulgründerin Annette von Rantzau mit Lions-Präsident Peter Meier. Quelle: Irene Burow

„Ich habe kürzlich beim Sport die Generaldebatte im Bundestag verfolgt“, sagt Lions-Präsident Peter Meier. „Es ist ganz egal welche Partei, alle reden von Digitalisierung.“ Die Jugend schon früh heranzuführen, sei unerlässlich für das Berufsleben. Die Möglichkeiten durch das Internet seien jedoch enorm. „Wir müssen aufpassen, dass das in richtigen Bahnen passiert.“ Die Rantzau-Schule leiste in dem Bereich Pionierarbeit, sagt Lions-Mitglied Jens Kretschmer. „Größere Schulen haben es naturgemäß etwas schwerer.“

Die Spende

Die spendierten 5000 Euro stammen von Einnahmen einer Tombola zur Blaulichtmeile in Bad Segeberg im Herbst 2017. Das Geld wurde bereits zu Weihnachten vor einem Jahr überreicht. Jetzt wurde in der Schule präsentiert, was damit angeschafft worden ist. Um weitere Projekte unterstützen zu können bereitet sich der Lions Club gerade auf die Waldweihnacht im Erlebniswald Trappenkamp vor: Vom 7. bis 9. Dezember verkaufen die Mitglieder dort Glühwein und Punsch für den guten Zweck. Alle hoffen auf Andrang - damit wieder Geld für gute Zwecke in der Region in die Kasse kommt.

Situation anderer Schulen

Das bedeutet nicht, dass eLearning außen vor ist: Es gibt Computerräume, mobile Geräte, Lernsoftware und Kompetenztrainings. Die Dahlmannschule hat ein Digitales Klassenzimmer, die Poul-Due-Jensen-Schule in Wahlstedt arbeitet schon lange mit Laptops; Schüler schreiben sogar eigene Programme. Die Grund- und Gemeinschaftsschule Leezen hat Laptops für ganze Klassen, iPads und Touchscreen-Monitore in den Räumen, das Berufsbildungszentrum Bad Segeberg (BBZ) hat zwei Laptop-Klassen. Selbst in den Grundschulen gibt es oft schon einen Rechner pro Klassenraum; die Trappenkamper Grundschule wurde für „Lernen mit digitalen Medien“ ausgezeichnet. Das Gros der Schulen ist vorrangig noch der Anschaffung von moderner Hardware beschäftigt, das Land sorgt derzeit für flächendeckende, schnelle Internetversorgung an Schulen.

Im Sozialausschuss von Bad Segeberg ist Medienentwicklung kürzlich Thema gewesen. Die Dahlmannschule möchte beispielsweise alle Klassenräume mit multitouchfähigen Großflächenbildschirmen ausstatten. Die Investitionskosten für alle Räume wurden auf rund 294000 Euro geschätzt. Für alle Schulen in Trägerschaft der Stadt läge die Summe bei rund einer Million Euro. Für die Verwaltung kommen solche multimedialen Unterrichtsszenarien bisher nicht infrage: Wie der öffentlichen Vorlage zu entnehmen ist, sei „aus Sicht der Verwaltung eine flächendeckende Ausstattung der Schulen derzeit nicht begründet. Es liegen keine Erkenntnisse über gesteigerte Unterrichtserfolge durch den Einsatz von interaktiven Tafeln oder Großflächenbildschirmen vor“. Lehrer bräuchten Unterstützung, auch Bedenken zur Schädigung der Augen wurden geäußert. Das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) befürworte diese Auffassung. Schließlich wurde dafür plädiert, die Dahlmannschule testweise mit so einem Bildschirm auszustatten. Ob gewollt oder verteufelt: Das Land will Medienbildung nachhaltig verankern. Und wenn Schüler die Macht hätten, würde alles sicher noch schneller gehen. Die Jugend im Kreistag hatte sich zumindest in einem Planspiel dafür entschieden, dass Digitaler Lebensraum zum Unterrichtsfach wird.

Irene Burow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auch die neuesten Pläne für den Weiterbau der Autobahn 20 von Wittenborn bis zur A 7 sind rechtswidrig, sagt das Bundesverwaltungsgericht. Kiel muss nachbessern. Vor 2023 wird hier kein Bagger rollen.

27.11.2018

Gönnebeker Bauausschuss reinigte 50 Orts- und Hinweisschilder. Danach feierten die fleißigen Putzmänner den Junggesellenabschied von Jan Steinkamp zusammen mit dem Mofa-Club.

27.11.2018

Von wegen Lichterglanz: In Wahlstedts Innenstadt bleibt es finster. Der Gewerbeverein organisiert keine Weihnachtsbeleuchtung für Nichtmitglieder. Auch die Stadt ist raus, was Ladenbesitzer empört.

27.11.2018