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Segeberg Erste Tiny-House-Siedlung entsteht in Wittenborn
Lokales Segeberg Erste Tiny-House-Siedlung entsteht in Wittenborn
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19:26 10.10.2018
Willkommen im rollenden Eigenheim: Produktionsleiter Alexander Biß schraubt und tüftelt am Innenraum, um Platz und Qualität weiter zu optimieren. Quelle: Irene Burow
Neumünster/Wittenborn

Zweimal umdrehen, damit ist die Hausbesichtigung abgeschlossen: In Tiny-Häusern lebt es sich wie im Eigenheim – nur extrem reduziert. Und beim Umzug bleibt alles, wie es ist. Denn auf Rädern kann das Mini-Haus mitgenommen werden. Der Trend aus den USA erreicht Schleswig-Holstein. In Wittenborn wird in Kürze das erste „Tiny Haus“ auf dem Zeltplatz Seecamping Weisser Brunnen aufgestellt.

Einige Flächen wurden nutzbar gemacht

„Ein Pärchen hat es bestellt. Wenn alles klappt, wird es am 20. Oktober übergeben“, sagt Peter L. Pedersen, Geschäftsführer der Rolling Tiny House GmbH in Neumünster. Weitere sollen folgen: Die ersten fünf Stellflächen sind im westlichen Teil des Zeltplatzes hergerichtet. Laut Pedersen wird es damit die erste Tiny-Haus-Siedlung in Schleswig-Holstein.

Ganz neue Hausklasse

Drei Jahre lang wurde getüftelt, gemessen und immer mehr optimiert – inklusive Statik, Baubeschreibung, Abnahme durch TÜV und Dekra. Im vergangenen November wurde der Markt getestet. „Wir wurden überrannt“, so der Firmenchef. Seit April liefert das Unternehmen die ersten Häuser „vom Band“. „Es ist ein bisschen mehr, als ein Wohnwagen“, betont Pedersen. „Eine ganz neue Hausklasse.“ Und es sei zum Wohnen da, sagt er ausdrücklich.

„Wer herumtingeln will, soll sich einen Wohnwagen kaufen. Man sollte damit nicht jeden Tag woanders hinfahren, das wäre Wahnsinn.“ Denn so ein Umzug ist nicht ganz ohne, gar gefährlich. Produktionsleiter Alexander Biß hat die ersten fünf Häuser über die Autobahnen gefahren, aufgestellt wurden sie im norddeutschen Raum. „Wenn man um die Kurve fährt, schert es drei Meter aus“, beschreibt der ehemalige Lkw-Fahrer. 20 Häuser wurden seit April bestellt. Das Verbreitungsgebiet wandert langsam bis in den Süden.

Leben auf 17 Quadratmetern

Im Tiny-Haus ist alles unter einem Dach. Einem sehr kleinen Dach. Auf ganze 17 Quadratmeter beschränkt sich der Wohntraum des Herstellers aus Neumünster, genutzt werden können 28 Quadratmeter. Denn unter der Decke gibt es eine zweite Ebene – eine Schlafecke mit Nachttisch und Bettkasten, die andere Seite kann auch als großer Stauraum genutzt werden. Zudem gibt es eine Einbauküche mit Platz für Ofen und Waschmaschine, ein Duschbad, Wohnzimmer mit Sofa, Esstisch und Schreibtisch.

Wohnen auf 17 Quadratmetern

Menschen wollen Besitz verkleinern

Das Interesse ist enorm. Mietpreise und Wohnungsnot sind Gründe. Aber nicht nur. „Vor allem Ältere sagen sich: Ich habe immer mehr angeschafft – aber was soll das alles?“, sagt der Unternehmer. Riesige Grundstücke und Zimmer, die man kaum betritt, diese Erkenntnis hätten viele. „Auf kleiner Fläche zu leben heißt ja nicht, dass auch der Lebensstandard geringer wird. Aber ob das für jeden etwas ist, ist eine andere Frage.“

Jede Nische als Stauraum

Denn es bedeutet Leben auf engstem Raum. Jede Nische wird ausgenutzt, sogar die Fußleisten lassen sich als breite Schubladen herausziehen. „Wir haben bis zu 5000 Liter Stauraum“, erklärt Pedersen das Platzwunder. Anders als beim Wohnwagen sind winterfeste Trink- und Abwasseranschlüsse Pflicht, ebenso wie ein Starkstromanschluss. Also „mal wild irgendwo aufstellen, das funktioniert nicht. Das schadet auch dem positiven Image“.

Als Erstwohnsitz nicht erlaubt

Überhaupt ist das mit dem Aufstellen so eine Sache. Denn Campingplätze gelten als Sondergebiete für Freizeitgestaltung, Erstwohnsitze sind dort nicht erlaubt. Die Spanne zwischen Dauercampen und Wohnen sei jedoch eine große Grauzone, meint Pedersen. Bisher werde das geduldet, ist seine Erfahrung. Und er meint auch: „Alle Campingplätze haben bereits Anfragen bekommen.“ Sie wüssten nur noch nicht, wie damit umzugehen sei.

Tiny-Haus in Zahlen

Neun Meter lang ist das Tiny-Haus inklusive Deichsel. Es ist vier Meter hoch, 2,55 Meter breit und 3,2 Tonnen schwer. Derzeit sind die Häuser auf 80 Stundenkilometer zugelassen, zukünftig sollen es nur noch 62 sein – aus Sicherheitsgründen. 100 bis 200 Euro Pacht sind bisher im Schnitt zu bezahlen, je nach Stellflache und Lage. 45815 Euro kostet so ein Haus. Die Bestandteile kommen aus der ganzen Welt: Klimaanlage aus Italien, Möbel aus den Baltikum oder Heizung aus den USA. Es gibt eine Fußbodenheizung, 13 Fenster aus Verbundsicherheitsglas. Die Wände sind 10 Zentimeter dick.

„Wo die Häuser bekannt sind, genießen sie einen guten Ruf. Sie sind aber noch kein Allgemeinwissen.“ Flächen anderswo zu pachten sei schwierig, denn der Besitzer braucht eine Genehmigung. Deshalb empfiehlt er Interessenten, ein größeres Grundstück zu kaufen und den Rest zu verpachten. Sein Unternehmen hilft bei dem Papierkram: Inzwischen gibt es Erfahrungswerte für Versicherung, Bauantrag, Finanzierung.

Entwicklung bundesweit ganz am Anfang

Die rollenden Eigenheime haben bisher die gleiche Grundausstattung. Ähnlich wie beim Auto sind Materialien, Farben und Ausstattung für Kunden variabel. „Die Entwicklung der Tiny-Häuser ist in Deutschland noch ganz am Anfang“, sagt der Geschäftsführer. Es gebe einige Handwerksbetriebe, die sich darin versuchen und Hobbybastler. Selbst Hand anzulegen, sei mit Vorsicht zu genießen. „Es gibt rechtlich nichts Komplizierteres, als ein Tiny-Haus“, sagt er. „Ich behaupte 98 Prozent fahren ohne ausreichend Versicherungsschutz.“ Sollte auf der Straße je etwas passieren „haften Bastler mit Haus und Hof“. Er und seine Mitarbeiter optimieren derweil immer weiter. Hat das Haus irgendeinen Nachteil? Pedersen: „Es ist halt klein.“

Hier beschreiben die „Aussteiger“ Sylvia Dreyer sowie Carina Deter und Haye Bonn, wie sie es gemacht haben.

Irene Burow

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