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Lokales So schützt der Stadtverkehr seine Fahrgäste
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10:47 06.11.2018
Burkhard Wiese drückt zu Testzwecken den SOS-Knopf am Lübecker Zob. Fahrgäste, die Hilfe benötigen, können dadurch direkt mit der Leitstelle Kontakt aufnehmen. Quelle: John Garve
Lübeck

Das Telefon klingelt in der Leitstelle des Lübecker Stadtverkehrs. Es ist nicht irgendein Telefon, sondern die direkte Leitung zur Notsäule am Zob. Über die orange-blaue Säule, die sich in der Mitte der Haltestelleninsel befindet, werden besorgte Fahrgäste direkt mit den Mitarbeitern der Zentrale im Ratekauer Weg verbunden. Dort hat Jens Pagel gerade Dienst. Er hebt den Hörer ab: „Stadtverkehr Lübeck. Ich höre und ich sehe Sie. Wie kann ich Ihnen helfen.“ Auf dem Flachbildschirm an der Wand ist die Aufnahme einer Überwachungskamera zu sehen. Ein Mann in blauer Uniform steht an der Notfallsäule. „Ich bin am Zob und werde angegriffen“, sagt er. Die Stimme ist verzerrt. Ruhig antwortet Pagel: „Bleiben Sie dort, wo Sie sind. Wir schicken die Polizei vorbei.“

Für diesen Zweck steht ein weiteres Telefon in Reichweite der Mitarbeiter. „Abheben. Zwei Knöpfe drücken – und schon sprechen wir mit der Polizei“, sagt Wolfgang Kotzan. Auch er hat gerade Schicht in der Leitstelle. Jede Situation bewertet er aufs Neue: Wie ernst ist der Zwischenfall? Ist die Polizei zu alarmieren? Bei körperlicher Gewalt, einem Unfall oder wenn Personalien festgestellt werden müssen, lautet die Antwort: Polizei einschalten.

Fahrgäste fühlen sich sicher am Zob

Zwischenfälle gibt es am Zob immer wieder: „Im Vergleich zu anderen Städten ist es hier aber eher ruhig“, sagt Gerlinde Zielke, Sprecherin des Stadtverkehrs. Peter Schomann (68) teilt diese Ansicht: „In Hamburg, München oder Berlin ist die Atmosphäre wesentlich angespannter.“ Unangenehm werde es nur abends, fügt er beiläufig hinzu. Wolfgang Peoteng (52) ergänzt: „Ein wichtiger Punkt ist, dass stets Mitarbeiter oder Busfahrer vor Ort sind, die einem zur Not helfen können.“

Neben Jens Pagel und Wolfgang Kotzan arbeiten insgesamt acht Personen in drei Schichten in der Leitstelle. Ihre Aufgaben: Bei Unfällen, defekten Bussen, Umleitungen und Verspätungen garantieren sie den reibungslosen Ablauf der Busfahrten. Über Funk sind sie rund um die Uhr mit den Busfahrern in Kontakt.

Burkhard Wiese drückt den SOS-Knopf am Lübecker ZOB. Quelle: 54° / John Garve

Kommt es zu einem Vorfall, hat der Fahrer mehrere Möglichkeiten, mit der Leitstelle Kontakt aufzunehmen. Zum einen kann er durch einen Alarmknopf der Zentrale umgehend Bescheid geben. Die Kollegen können über Lautsprecher mitverfolgen, was im Innenraum passiert, und den Fahrer unterstützen und gegebenenfalls die Polizei verständigen. In den Bussen gibt es zudem Überwachungskameras. Auf einer Festplatte werden die Aufnahmen gespeichert. „Im Falle eines Vorfalls können diese abgerufen werden. Das geschieht jedoch nach den Datenschutzbestimmungen nur in Absprache mit der Polizei“, sagt Verkehrsmeister Kotzan. Ähnlich wie der Alarmknopf funktioniert auch der Unfallknopf. Wird dieser vom Busfahrer aktiviert, können Kotzan und seine Kollegen über die Lautsprecher im Bus direkt mit den Fahrgästen sprechen.

Überblick dank zahlreicher Überwachungskameras

Die Situation am Zob ist anders. Es ist ein Brennpunkt, an dem hunderte Menschen tagtäglich aufeinander treffen. „Ist klar, dass es an solchen Orten schon mal zu Problemen kommt“, sagt Pagel. Über 20 Kameras sind am Zob und an der Fernbushaltestelle angebracht. Alle Aufnahmen laufen in der Leitstelle ein. Auf drei großen Flachbildschirmen an der Wand und auf jeweils drei Monitoren vor den Leitstellenmitarbeitern wird das Geschehen in Echtzeit übertragen. Fühlt sich jemand belästigt, bedrängt oder unwohl, kann er zu jeder Zeit auch die Notsäule aktivieren – und über eine Freisprechanlage mit der Zentrale in Kontakt treten. Eine Kamera ist durchgängig auf die Säule gerichtet. „Das ermöglicht uns, die Situation des Betroffenen einzuschätzen“, sagt Pagel.

Gleiches macht er bei dem Mann in blauer Uniform, der die Notsäule auf der Haltestelleninsel aktivierte. Er ist kein verängstigter Fahrgast, sondern Burkhard Wiese, Verkehrsmeister des Stadtverkehrs. Und der Notfall – eine Simulation. Schließlich müssen Sicherheitsprofis regelmäßig den Ernstfall proben. Fazit: Alles hat gut geklappt, und Burkhard Wiese wurde ordnungsgemäß in die Leitstelle geschaltet.

Mehr Sicherheit wagen

In diesem Jahr wurde zu Testzwecken ein Sicherheitsdienst am Zob eingerichtet. Der warme Sommer lockte zahlreiche Jugendgruppen an den öffentlichen Platz. Ihr Herumlungern erzeugte ein gewisses Unwohlsein bei den Fahrgästen, weshalb die Polizei anregte, einen Sicherheitsdienst einzusetzen.

Von April bis Ende Oktober waren die Sicherheitskräfte im Einsatz. Das Fazit der Polizei: Die Situation habe sich deutlich beruhigt. Der Test habe seine Wirkung gezeigt.

Von Fabian Boerger

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