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Stormarn 10 000 Euro von den Eltern veruntreut?
Lokales Stormarn 10 000 Euro von den Eltern veruntreut?
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08:43 12.11.2013
Eine 54-Jährige muss sich vor dem Reinbeker Amtsgericht wegen "gewerbsmäßiger Untreue" verantworten.
Reinbek

Weil sie über Jahre auf Kosten des Betreuungsvereins an der Reinbeker Grundschule Klosterbergen für sich selbst eingekauft haben soll, steht eine 54-Jährige derzeit vor Gericht. Gewerbsmäßige Untreue wirft ihr die Staatsanwaltschaft vor.

Zwischen 2009 und 2011 habe sie in Lebensmittelmärkten vom Geld des Vereins eingekauft und dabei Summen von 20 bis 80 Euro ausgegeben. Ein Schaden von etwa 10 000 Euro sei entstanden. Wohl selten bei einem deutschen Gericht sagte eine Staatsanwältin so häufig den Nachsatz „. . . und behielt diese Lebensmittel für den eigenen Bedarf“. Sie sagt ihn genau 136 Mal, denn so viele Vorwürfe enthielt die Anklageschrift.

Akribisch hat die Schulleiterin und Betreungsvereinsvorsitzende die einzelnen Einkäufe aufgelistet. Auf ihre Vorwürfe stützt sich die Anklage. Ins Rollen kam der Fall durch „einen liegengelassenen Datenstick“, wie die Schulleiterin im Zeugenstrand gestern aussagte — „und durch die Neugier der anderen Mitarbeiter im Verein“.

Dabei und nach einem Abgleich der Rechnungen entdeckten die Kassenwartin des Vereins, Helferinnen und Schulrektorin, dass vieles überhaupt nicht in der Schulküche angekommen war. Und dass die Einkaufsmengen typisch für einen Einfamilienhaushalt waren und niemals für eine Gruppe von heute bis zu 50 Kindern ausgereicht hätten.

Mal wiesen die Einkäufe Käse, Brot und Gemüse aus, was aber in der betreffenden Woche nie auf dem Speiseplan stand. Dann soll die Angeklagte sich Wellness- Drinks, Toast und Aufschnitt besorgt haben.

Dann sogar Druckerpatronen, die nicht zu dem vereinseigenen Drucker passten. Drei Staubsauger waren dabei, obwohl die Reinigung gar nicht Sache des Vereins war. Ebenso habe die Angeklagte kabellose Christbaumkerzen gekauft, „die wir nie hatten“, Tee, der in der Klosterbergenschule nicht getrunken wurde, „weil alle Betreuer nur Kaffee trinken“. Bücher, „die es bei uns nicht gibt.“ Salbe, „obwohl die Kinder bei uns nicht eingecremt werden“. Und unser Mineralwasser war kein Bismarckwasser, wie auf den Quittungen vermerkt, sondern immer Wasser von Aldi.“

In jedem Satz, den die Zeugin spricht, klingt ihre tiefe Enttäuschung über diese Frau durch, die sie seit 2004 kennt, die durch ihr Engagement sogar eine Anstellung bekam — und eine Kreditkarte für die Einkäufe. Das war ein besonderer Vertrauensbeweis. Die Angeklagte verfügte so weitgehend unkontrolliert über das Geld der Eltern, teilte den anderen Helferinnen das Bargeld für deren Einkäufe zu.

Doch während die, um den Kindern gesundes Essen zu bieten, auf dem Wochenmarkt waren, ging die Angeklagte in die Supermärkte, tat aber so, als sei sie auch dort gewesen.

Einmal bringt allerdings die Verteidigerin gestern die Schulvereinsvorsitzende in Bedrängnis. Als es um die Erklärung für den Einkauf von Gurken ging, die in der Schulküche nicht angekommen seien.

„In jener Woche“, argumentierte die Anwältin, „gab es sehr wohl Gurkensalat.“

Tagelang, wohl 40 Stunden, wie die Zeugin sagte, hätten sie die Listen geprüft und hätten immer mehr Ungereimtheiten entdeckt. In den letzten Monaten hätten manchmal bis zu 450 Euro gefehlt. Die Stimmung der Prüfer sei sehr gedrückt gewesen. Aber sie hätten sehr genau gearbeitet, um die Vorwürfe auch halten zu können. Als Vereinsvorsitzende stand die Rektorin unter einem ganz besonderen Druck. Sie entließ ihre untreue Mitarbeiterin. Vor dem Arbeitsgericht habe man sich dann auf einen Vergleich geeinigt. Doch ob die Angeklagte am Ende auch strafrechtlich belangt wird, bleibt abzuwarten. Ein Urteil ist frühestens Ende November zu warten, wenn weitere Helfer aus dem Förderverein zu den Vorgängen gehört worden sind.

Der Prozess wird am Donnerstag, 28. November, fortgesetzt.

Uwe Krog

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