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18:10 01.07.2017
Eine antike Schatzkammer auf dem Dachboden der Oldesloer Löwen-Apotheke: die riesige Materialkammer früherer Zeiten. FOTOS/REPRO: SUSANNA FOFANA
Bad Oldesloe

Ein goldener Löwe bewacht die Eingangstür zu Oldesloes ältestem Apothekerhaus. Das denkmalgeschützte Gebäude in der Hindenburgstraße 9 und seine Bewohner sind seit Generationen eng mit der Geschichte der Stormarner Stadt verbunden. Die Löwen-Apotheke wird bereits in fünfter Generation von Mitgliedern der Familie Sonder geführt. „So etwas gibt es selten“, sagt Frank Sonder, der sie ab 1974 leitete und voriges Jahr an seine Tochter Annette Steglich übergab.

Ein goldener Löwe bewacht die Eingangstür zu Oldesloes ältestem Apothekerhaus. Das denkmalgeschützte Gebäude in der Hindenburgstraße 9 und seine Bewohner sind seit ...

Der Vater von Frank Sonder, Wolfgang Sonder (1893-1955), war nicht nur als Apotheker, sondern vor allem als Heimatforscher bekannt. Er baute das Oldesloer Heimatmuseum aus seiner Privatsammlung auf.

Die von ihm entdeckten Fundstücke aus der Mittelsteinzeit brachten zudem der „Oldesloer Stufe“ 1925 ihren Namen ein. „Jeden Sonntag sind wir losgefahren“, erinnert sich Frank Sonder an seine Kindheit. Ein Taxi des Nachbar-Betriebes Kröger brachte Vater und Sohn zu Feldern und Äckern in der Umgebung. Frank Sonder: „Wir haben überall Steine gesammelt.“ Die wurden dann zu Hause in der Küche gewaschen und auf Vaters Schreibtisch sortiert. Unter anderem sammelte Wolfgang Sonder an den Ufern von Trave und Beste, sowie im Brennermoor.

Dabei war sein Vater als Jugendlicher „nicht so wahnsinnig interessiert an Pharmazie.“ Doch er hatte ansonsten nur fünf Schwestern – so blieb ihm keine andere Berufswahl. „Damals gab es keine Apothekerinnen“, weiß Frank Sonder. Da das Herz von Wolfgang Sonder so stark für die Geschichte schlug, hat er neben seinem Pharmazie-Studium in Berlin jedoch stets auch Vorlesungen in Vorgeschichte besucht. 1934 übernahm Wolfgang Sonder, nach dem auch eine Oldesloer Straße, beziehungsweise Weg, benannt ist, die Oldesloer Apotheke. Zudem war Wolfgang Sonder viele Jahre Mitglied der Stadtvertretung, Stadtrat und 1948 stellvertretender Bürgermeister.

Patente aus Bad Oldesloe

Vor ihm leitete Frank Sonders Großvater Dr. Christoph Sonder (1862-1941) seit 1890 44 Jahre lang die Oldesloer Apotheke. „Er hat über Süßwasseralgen promoviert“, erzählt Frank Sonder. Seine Brackwasseralgen-Tabletten aus der Apotheke sollten bei Schmerzen helfen. Frank Sonder: „Alle alten Leute kennen das. Mein Großvater hatte ein Patent auf die Mischung.“ Und er hatte große Pläne:

international sollten die Tabletten made in Bad Oldesloe unter dem Namen „Oldosan“ vertrieben werden. 1975 wurde die Produktion jedoch komplett eingestellt. Eine weitere patentierte Idee des Großvaters waren die sogenannten „Oldesloer Eisen-Eier“. Der Apotheker hatte eine Futtermischung für Hühner entwickelt, um den Eisengehalt der Eier zu erhöhen.

Als Dr. Christoph Sonder heiratete, so erzählt es Frank Sonder, amüsierten sich die Gäste der reichen Braut Esther aus Hamburg über den Ort der Feier auf den Einladungskarten. Die Apotheker-Hochzeit fand nämlich im „Badehaus“ statt. In dem Gebäude neben dem Oldesloer Kurhaus befand sich nämlich damals der Festsaal.

Der Großvater war es auch, der den Goldenen Löwen geschenkt bekam, der der Privilegierten Apotheke später den heutigen Namen bescheren sollte. Der in Oldesloe beliebte Großvater von Frank Sonder soll häufig vor der Apotheken-Tür gestanden und seinen Bart gezwirbelt haben. Frank Sonder berichtet: „Früher gab es keine Nachtdienstregelung. Es war immer jemand da. Wer etwas brauchte, klingelte am Apothekerhaus.“

Frank Sonders Urgroßvater Johann Daniel Sonder (1828-1906) hatte die Oldesloer Apotheke 1874 gekauft und hier das Privileg bekommen. Zuvor hatte er die Privilegierte Reinfelder Apotheke 20 Jahre lang geleitet, die er dann jedoch aufgab. „Weil Oldesloe natürlich viel größer ist“, sagt der Urenkel.

Frank Sonder selbst ist Einzelkind. Er betrieb die Apotheke viele Jahre mit seiner im Jahr 2000 verstorbenen Frau, die ebenfalls Apothekerin war. Er hat drei Kinder und sechs Enkel. Die älteste Enkelin macht gerade ihr Abitur. „Vielleicht wird sie ja auch Apothekerin“, überlegt Frank Sonder laut.

Oldesloes erste Apotheke wurde beim Stadtbrand 1798 zerstört

1718 gab es die erste Apotheke in Oldesloe – mit Privileg von König Frederick IV von Dänemark. Die Oldesloer Apotheke war zu der Zeit die einzige zwischen Hamburg und Lübeck. Bei dem verheerenden Oldesloer Stadtbrand am 22. Mai 1798 wurde auch sie ein Opfer der Flammen. Der damalige Oldesloer Apotheker, Oberinspektor der Saline und Badedirektor Friedrich August Lorentzen (1765 - 1842) hatte die väterliche Apotheke in Oldesloe 1788 übernommen. Er baute die Apotheke 1798 nach dem Stadtbrand wieder auf.

Der Entwurf für das Apothekerhaus stammt von dem berühmten dänischen Architekten Christian Frederik Hansen (1756-1845), der auch die Pläne für das historische Oldesloer Rathaus und den Marktplatz fertigte. Die Apotheke bekam den vielleicht einzigen Keller in der Hindenburgstraße, die früher noch Langestraße hieß. Dort war das Arzneimittellager untergebracht – Tinkturen, Flüssigkeiten, alles, was kühl gelagert werden musste. Oben auf dem Dachboden hatten die trockenen Substanzen ihren Platz: selbst gesammelte Kamille, Pfefferminz, Weißdorn, Salbei.Lorentzen baute das Apotheker-Haus 1798 fünfachsig, 1841 wurde es auf achtachsig erweitert und die riesige Materialkammer eingebaut. Die historische Materialkammer im Dachgeschoss gibt auch heute noch Einblick in Apotheker- und Giftschränke, Regale, Kästen und Arbeitsflächen. Rezeptbücher, alte Apothekergefäße aus Keramik oder Glas mit lateinischen Aufschriften. Eine große Holztafel bildet das Findbuch für die Arzneimittel. Im Stormarner Jahrbuch 2016 hat Frank Sonder die Materialkammer der Oldesloer Löwen-Apotheke vorgestellt. sus

Susanna Fofana

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