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150 JAHRE STORMARN

LN SERIE 150 JAHRE STORMARN

Schon 1938 war das etwa 1450 Hektar große Waldgebiet der Hahnheide unter Naturschutz gestellt worden.

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Knicklandschaft um Elmenhorst: Das Luftbild mit Blick in Richtung Westen ist etwa im Jahr 1995 gemacht worden.

Quelle: Foto: Kreisarchiv Stormarn

Bad Oldesloe. Schon 1938 war das etwa 1450 Hektar große Waldgebiet der Hahnheide unter Naturschutz gestellt worden. Angeblich hat Reichsforstmeister Hermann Göring – er war als führender Nazi-Politiker auch Oberbefehlshaber der Luftwaffe und wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zum Tode verurteilt – dort weiterhin kapitale Hirsche erlegen wollen und deswegen die im Geheimen von den Militärs angedachte Ansiedlung von Rüstungsbetrieben zu verhindern gesucht.

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Schon 1938 war das etwa 1450 Hektar große Waldgebiet der Hahnheide unter Naturschutz gestellt worden.

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Was ein egoistisches Motiv hatte, ging in diesem Fall zum Guten aus. Umgekehrt war es bei den Primeln im Jersbeker Barockpark: Weil die alten Bäume aus statischen Gründen gekappt wurden, ging möglicherweise der Bestand der ebenfalls geschützten Primeln zurück – dort zeitigte die gute Absicht einen unguten Effekt.

Stormarn kann heute 17 Naturschutzgebiete aufweisen. Sie nehmen mit etwa 4700 Hektar etwas mehr als sechs Prozent der Kreisfläche ein. Zu ihnen gehören das Ahrensburger Tunneltal oder das Brennermoor, der Hansdorfer Brook und der Höltigbaum, um nur einige zu nennen.

Mit der Ausweisung von Naturschutzgebieten war es selbstverständlich nicht getan. Über die Gebietskontrolle mussten die beauftragten Naturschutzvereine oder die zuständige Forstbehörde jährlich einen Bericht an die Oberste Naturschutzbehörde senden. Die Entwicklung und Pflege einiger Naturschutzgebiete wie des Nienwohlder Moors und des Wittmoors lagen dagegen beim Kreis und der Unteren Naturschutzbehörde.

Die hatte damit ausreichend zu tun: Allein für eine umfangreiche Renaturierung im Nienwohlder Moor waren Gehölzentfernung, Planierung der Mooroberflächen und Wiedervernässung nötig, was sich über mehrere Jahre hinzog. Als Folge stieg die Zahl der Mitarbeiter von ursprünglich drei (1975) auf über zehn an.

Mit dem bundesgesetzlichen Auftrag an die Naturschutzbehörden, sich auch um „historisch gewachsene Kulturlandschaften“ zu kümmern und sie vor Verunstaltung, Zersiedelung und sonstigen Beeinträchtigungen zu bewahren, wird die alte Überschneidung mit dem Heimatschutz und Denkmalrecht wieder deutlich. Das gleiche gilt für den Schutz der Alleen und einzelner Bäume als Naturdenkmale, die hierzulande auch unter das Denkmalschutzgesetz fallen.

Ein Beispiel: Der barocke Jersbeker Gutspark steht seit 1986 unter Denkmalschutz, die vierreihige Jersbeker Allee seit 1989; beide liegen zugleich auch im Geltungsbereich der Landschaftsschutzverordnung für Jersbek. Auch zahlreiche Bäume auf den historischen Friedhöfen sind mehrfach gesetzlich geschützt – dann braucht man für das Fällen eines solchen Baumes drei Genehmigungen von drei Behörden.

Für den Aufbau eines zusammenhängenden, europäischen ökologischen Netzes „Natura 2000“ wurden von der Europäischen Union die „Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie“ und die Vogelschutzrichtlinie erlassen. In Stormarn gehören Gebiete wie der Hansdorfer Brook und das Travetal in diese Kategorie.

Zurück zur Jersbeker Primel: Nach der Artenschutzverordnung stand bei ihr seit 1936 nur der unterirdische Wurzelstock unter Schutz, die schönen goldgelben Blüten durfte jedermann abpflücken. Statt ihrer hat sich in Jersbek nun der Bestand des Waldsternchens deutlich vermehrt – auch diese Zwiebelpflanze ist geschützt.

Von der Heimatschutz-Bewegung zum Landesnaturschutzgesetz

Naturschutz ist das Zusammenspiel vieler Komponenten. Dass die Natur schützenswert ist, ist ein Gedanke, der wie auch der Denkmalschutz seinen Ursprung in der Heimatschutz-Bewegung um 1900 hat.

Dennoch gab es später kein gemeinsames Gesetz für den „Natur- und Heimatschutz“. Stattdessen wurde 1935 ein spezielles Reichsnaturschutzgesetz erlassen, ein Jahr später die dazugehörige Reichsnaturschutz-Verordnung. Beide galten in Schleswig-Holstein, bis sie 1973 durch das Landschaftspflegegesetz ersetzt wurden. 20 Jahre später wurde dieses Gesetz novelliert und heißt nun Landesnaturschutzgesetz.

Dem Bund steht nach dem Grundgesetz eine Rahmenkompetenz zu, von der er mit dem Bundesnaturschutzgesetz Gebrauch macht, so dass Bürger und Behörden immer beide Gesetze im Blick haben müssen.

Was wird geschützt? Naturschutz ist die Gesamtheit aller Maßnahmen zur Erhaltung, Pflege und Entwicklung von Naturlandschaften und naturnahen Kulturlandschaften, Landschaftsteilen und Naturdenkmalen. Seine Basis ist wissenschaftliche Forschung, sein Ziel sind die nachhaltige Sicherung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts und eine ökologisch vertretbare Nutzung der Naturgüter, insbesondere des Bodens. Hierzu gehören sowohl seltene oder gefährdete Pflanzen und Tiere, die so genannten „Rote-Liste-Arten“, als auch seltene Pflanzengesellschaften, deren Standorte und Umfang in der Biotop-Kartierung erfasst werden.

Einen gesetzlichen Schutz genießen nicht nur Moore, Bruch-, Sumpf- und Auenwälder, sondern auch naturnahe Fluss- und Bachabschnitte, Fels- und Steilküsten, Heiden, Dünen, Trockenrasen und Alleen und schon seit über 200 Jahren die in Schleswig- Holstein zumeist Ende des 18. Jahrhunderts angelegten Knicks.

Durch Modernisierung der Landwirtschaft gab es auch Eingriffe in den Knickbestand. Anstelle von Rodungen wurden – wo sinnvoll – nur kurze Öffnungen genehmigt. Bei einzelnen Flurbereinigungsverfahren wurden einige alte Knicks durch den Einsatz von Maschinen auf die neu festgelegten Feldgrenzen verschoben und blieben so erhalten.

Burkhard von Hennigs

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