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150 JAHRE STORMARN

LN SERIE 150 JAHRE STORMARN

Es gibt noch Zeitzeugen aus der Geburtsstunde des Kreises Stormarn vor 150 Jahren. Zwar können sie nicht sprechen, aber das übernimmt Wolfgang Knaack für sie.

Das Team des Museums: (v. l.) Klaus Bustorf , Marianne Lentz, Horst Jahn, Andreas Lentz, Jürgen Wierth, Regine Haas, Wolfgang Knaack, Heinrich Prüsmann und Joachim Wergin.

Hoisdorf. Es gibt noch Zeitzeugen aus der Geburtsstunde des Kreises Stormarn vor 150 Jahren. Zwar können sie nicht sprechen, aber das übernimmt Wolfgang Knaack für sie. Er ist stellvertretender Museumsleiter im Stormarnschen Dorfmuseum in Hoisdorf, in dem unterschiedliche Exponate lagern, die die Kreiswerdung vor 150 Jahren miterlebt haben: ein Spaziergang durchs Museum auf den Spuren der Kreisgeschichte.

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Es gibt noch Zeitzeugen aus der Geburtsstunde des Kreises Stormarn vor 150 Jahren. Zwar können sie nicht sprechen, aber das übernimmt Wolfgang Knaack für sie.

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Tagesfahrt

Der Heimatbund Stormarn und der Heimatverein Großhansdorf veranstalten am Donnerstag, 7. September, eine Tagesfahrt mit dem Bus zu literarischen Orten in Stormarn. Die Fahrt beginnt um 9.30 Uhr am U-Bahnhof Großhansdorf. Info: www.heimatverein-grosshansdorf.de

1870 bis 1890: So alt wie der Kreis ist ein Ledereimer in der Vitrine für die Freiwillige Feuerwehr. „Es gab ein Gesetz, dass jeder Haushalt einen Ledereimer haben musste“, berichtet Knaack. „Wenn es brannte, mussten die Dorfbewohner damit eine Eimerkette bis zum Dorfteich bilden.“ Ein Feuerwehrhelm stammt aus dem Jahr 1880, und in diesen Jahren wurden die ersten Freiwilligen Feuerwehren auf den Dörfern in Stormarn gegründet. Ein altes Foto von 1900 zeigt den Hoisdorfer Dorfteich, der als Löschteich diente und den es bis heute gibt.

1890 bis 1910: Weiter geht es in die Kaiserzeit, die sich im Stormarner Alltag auch auf dem Geschirr niedergeschlagen hat. „Auf den Kaffeetassen waren die Porträts politischer Persönlichkeiten abgebildet“, erläutert Knaack. „Es gab auch Sinnsprüche.“ Auf einer Kaffeetasse führte man damals „Mit Gott für König und Vaterland“ an die Lippen, und spezielle Geschirrsets zur Silberhochzeit lieferten neben dem Silberstreif am Rand auch die patriotische Gesinnung mit. „Solche Geschirr-Sets waren weit verbreitet, aber nur begüterte Familien konnten sie sich leisten.“

1910 bis 1920: Der Erste Weltkrieg erschütterte Europa und machte auch vor Stormarn nicht Halt. „Wir haben die Uniform eines Gefreiten aus dem Infanterie-Regiment von 1914 im Museum“, erläutert Knaack, „sie stammt aus Schleswig, aber diese Uniform wurde überall getragen.“ Während des Krieges wurde 1913 in Stormarn mit einer Überlandleitung eine Stromversorgung fast des gesamten ländlichen Raums geschaffen. Stormarn erlebte schlechte Zeiten. „Arbeitslosigkeit, verstärkt durch aus Hamburg zugezogene Arbeitslose, nicht ausreichender Wohnraum sowie unzureichende kommunale Finanzen kennzeichneten die 1920er Jahre in Stormarn“, heißt es in Johannes Spalleks „Stormarn, Geschichte“ im Stormarn-Lexikon.

1920 rollten neben Autos auch noch Kutschen durch den Kreis. Im Museum in Hoisdorf steht ein alter Jagdwagen, der von zwei Pferden gezogen wurde und damals noch gute Dienste leistete. „Heute nutzen wir die Kutsche für die Museumspädagogik“, erläutert Knaack. Die Kinder setzen sich in die Kutsche, und zwei von ihnen bekommen einen Pferdehuf, der präpariert wurde, und ahmen damit die Hufgeräusche nach. Heinrich Prüsmann, der ehrenamtlich im Museum hilft, poliert regelmäßig die Messingbeschläge und behandelt das Leder der Zügel, damit es nicht brüchig wird.

1930 bis 1950: 1937 verlor der Kreis durch das Großhamburg-Gesetz eine große Zahl an Einwohnern, dann kam der Zweite Weltkrieg, der Vieles zerstörte. Nach Kriegsende stieg die Einwohnerzahl durch Flüchtlinge und Vertriebene sprunghaft an. 1950 wurde in den Dorfschulen teils noch auf Schiefertafeln geschrieben, und die alten Schulkarten mit anschaulichen Abbildungen kamen auf den Kartenständer. Im Museum Hoisdorf gibt es eine vollständige Schulstube mit Lehrerpult und Unterrichtsmaterial, die gelegentlich auch als Veranstaltungsraum genutzt wird.

1950 bis 1980: In Stormarn begann der Aufschwung. „Begünstigt durch die Nähe zur Industrie- und Handelsmetropole Hamburg entwickelte sich Stormarn seit den 1970er-Jahren zu einem der bedeutendsten gewerblich-industriellen Räume Schleswig-Holsteins“, schreibt Spallek. Damals gab es auf dem Land überall Tante-Emma-Läden, und auch davon steht einer in Hoisdorf im Museum. „Das war der Laden von Mery Denker, die ihr Geschäft Ende der 1970er-Jahre aufgegeben und uns die Einrichtung überlassen hat“, erzählt Knaack. „Kolonialwarenladen“ hieß das damals, denn viele der Waren wie Zucker, Reis, Kakao, Tabak oder Gewürze stammten aus den ehemaligen Kolonien.

1980 bis 2000: Aus diesen Jahren sind Dinge noch nicht museumswürdig. Trotzdem verweist die Arbeitskluft des Zimmermanns, die im Museum steht, auf eine lange Tradition, die bis heute anhält, denn auch in der Gegenwart sind die Burschen wie einst auf Wanderschaft.

2017: Immer modern ist das Stormarnsche Dorfmuseum in Hoisdorf, das neben seiner ständigen Ausstellung auch Sonderschauen anbietet. Bis 30. Juni zeigt das Museum die Sonderausstellung „Dorflehrer, Tagelöhner und Köchinnen“. Das ganze Jahr über kann man im Museum auch heiraten.

Internet: www.museum-hoisdorf.de

Bettina Albrod

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