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Stormarn 150 JAHRE STORMARN
Lokales Stormarn 150 JAHRE STORMARN
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20:24 10.06.2017
Vor dem kleinen Teich mit der Chronik über die Geschichte der Gemeinde: Birgit Gerritzen in ihrem Refugium in Pöhls. Quelle: Foto: M. Thormählen
Rehhorst

Nur in ihrer Geburtsurkunde steht der Name einer Stadt: In Lübeck erblickte Birgit Gerritzen das Licht der Welt, doch dieser amtliche Hinweis ist eigentlich der einzige Bezug zu einem größeren Ort geblieben. „Ich liebe das dörfliche Leben“, sagt die 55-Jährige. Und wer die Idylle in ihrem Garten in Pöhls kennengelernt hat, der kann das auch verstehen.

„Eine Stadt würde für mich nicht in Frage kommen. Das Leben dort habe ich auch nicht ausprobiert. Es hat mir nie gefehlt“, blickt sie zurück. Immerhin nimmt Birgit Gerritzen den Weg zur Arbeit in Kauf. Sie fährt mit dem Auto nach Bad Segeberg zu ihrem Arbeitsplatz in der Kreisverwaltung.

Keine Anonymität und dafür mehr Gemeinschaftsgefühl – das sind die wesentlichen Gründe für diese „ländliche Idylle“. Und: „Es liegt auch in meiner Natur, dass ich mich gerne einbringe“, sagt Birgit Gerritzen. Die Anfänge machte sie im Vogelschießerverein, später kam die Politik hinzu. Sie zog 2003 erstmals für die SPD in die Gemeindevertretung Rehhorst ein. Seit 2008 leitet sie als ehrenamtliche Bürgermeisterin die politische Vertretung: „Allerdings war ich nicht die erste Frau in diesem Amt.“ Das war Frieda David, die von 1948 bis 1953 als Bürgermeisterin in Rehhorst aktiv war.

Seitdem hat sich auch im Dorf vieles verändert. Es gebe keine rein von Männern mehr dominierte Gemeinschaft, so Birgit Gerritzen. Zu Beginn ihrer eigenen Bürgermeisterzeit habe ein altgedienter Gemeindevertreter noch einige Vorurteile gegenüber einer Frau in diesem Amt gehabt: „Er hat aber eingesehen, dass er sich irrte.“

In einem Punkt hat sich das Leben auf dem Land allerdings nicht geändert. „Wir haben dieses Gemeinschaftsgefühl, dass man für den anderen da ist und sich auch gegenseitig hilft. Und diese Hilfe wird immer noch angeboten“, schildert die Bürgermeisterin ihre eigenen Erfahrungen. Da sei es besonders schade, wenn Neubürger ihren Wohnort nur als „Schaldorf“ betrachteten: „Es sollten sich möglichst viele einbringen – ob in Vereinen, in der Feuerwehr oder auch in der Kommunalpolitik.“

Und in vielen Punkten gebe es noch einiges zu tun – denn auch Birgit Gerritzen ist sich bewusst, dass in der Idylle nicht immer alles zum Besten steht. „Wir brauchen endlich mehr Radwege“, lautet eine Forderung. Es fehlten immer noch die wichtigen Verbindungen von Pöhls nach Rehhorst oder auch nach Zarpen. „Doch da stehen wir leider ganz hinten im Programm.“ In der Gemeinde existiere auch kein Angebot für Krippenkinder. Verschwunden seien leider etliche Dorfkneipen als regelmäßige Treffpunkte. Es gebe aber auch Pluspunkte: „Das schnelle Internet ist in der Gemeinde verlegt worden. Das war ganz wichtig für die Verbesserung der Infrastruktur.“

Von Plänen, dass größere kommunale Einheiten durchschlagskräftiger wären und der ländliche Raum nicht nur kleinteilig verwaltet werden solle, hält die Bürgermeisterin nichts: „Ich bin gegen eine Zusammenlegung des Amtes Nordstormarn mit der Stadt Reinfeld.“ Möglich sei, dass einige Abteilungen in den Verwaltungen zusammenarbeiten oder kooperieren. „Dabei darf aber das Ehrenamt nicht verloren gehen.“

Birgit Gerritzen kam 1964 mit ihren Eltern nach Willendorf, wo die Familie einen Hof bewirtschaftete. Vorurteile habe sie dabei nicht kennengelernt. „Ich bin ja mit den anderen Kindern des Dorfes aufgewachsen, und wir sind gemeinsam zur Schule gegangen.“ Und der Blick in die Zukunft? „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, wie es im Alter weitergehen soll“, sagt die 55-Jährige.

Aber sicher sei: Wegzugehen aus dem Dorf, sei für sie nicht vorstellbar.

Und die nächste Generation fühlt sich auch wohl in Nordstormarn, denn ihre erwachsenen Kinder leben in der Nachbarschaft beziehungsweise in einem Dorf nur wenige Kilometer entfernt.

Michael Thormählen

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