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150 JAHRE STORMARN

LN SERIE 150 JAHRE STORMARN

Wutbürger gab es schon vor 150 Jahren: Die wandten sich nach der Industrialisierung, die ab 1870 einen gewaltigen Bauboom mit sich brachte, gegen die Zerstörung historisch wertvoller Gebäude.

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Das jetzige Rathaus in Bargteheide zeigt in seinen Stilelementen noch die typischen Merkmale der Heimatarchitektur.

Bad Oldesloe. Wutbürger gab es schon vor 150 Jahren: Die wandten sich nach der Industrialisierung, die ab 1870 einen gewaltigen Bauboom mit sich brachte, gegen die Zerstörung historisch wertvoller Gebäude. Als Gegenbewegung bildete sich aus Sorge um das Vertraute eine Heimatschutzarchitektur heraus, von der in Stormarn heute noch zahlreiche Gebäude Zeugnis ablegen. An ihnen lässt sich eine Entwicklung ablesen, die in die Anfangszeit des Kreises zurück reicht.

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Wutbürger gab es schon vor 150 Jahren: Die wandten sich nach der Industrialisierung, die ab 1870 einen gewaltigen Bauboom mit sich brachte, gegen die Zerstörung historisch wertvoller Gebäude.

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Gastbeitrag zum Jubiläum

Der Autor Burkhard von Hennigs ist ehemaliger Kreisbaudirektor von Stormarn und Mitglied im Denkmalrat des Landes Schleswig-Holstein.

Zu den Pionieren zählte der Berliner Komponist und Pianist Ernst Rudorff, auf den auch der Begriff Heimatschutz zurückgeht. Sein Aufruf zur Gründung des Bundes für Heimatschutz 1903 klingt bis heute aktuell: „Ja, die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges haben nicht so verheerend gewirkt, so gründlich in Stadt und Land mit dem Erbe der Vergangenheit aufgeräumt, wie die Übergriffe des modernen Lebens mit seiner rücksichtslos einseitigen Verfolgung praktischer Zwecke.“ 1904 wurde der „Bund Heimatschutz“ gegründet; er und verwandte Organisationen engagierten sich insbesondere in den Feldern Architektur und Bebauungspolitik.

In der Architektur wurde der Historismus hierzulande mit seinen als protzig und seelenlos empfundenen Fassaden zunehmend kritisiert. Als Gegenstil entwickelte sich eine eigenständige Heimatschutzarchitektur, die insbesondere zur Wiederaufnahme des Backsteinbaus führte und oft Elemente der Barockarchitektur aufnahm und weiter entwickelte. Dies gilt für den Bau der Herrenhäuser und Wirtschaftsgebäude auf den Gütern ebenso wie für Villen, Bank- und Behördenbauten in den Städten und auch auf den Dörfern. 1907 wurde daraufhin in Preußen – und damit auch für Stormarn – das „Gesetz gegen die Verunstaltung von Orten und landschaftlich hervorragenden Gegenden“ erlassen. Nun konnten durch so genannte „Ortstatute“ sowohl historische Bausubstanz geschützt als auch Veränderungen des Ortsbildes zum Beispiel durch Großbauten und Reklame untersagt werden. Ein Ortstatut gab es 1911 in Bad Oldesloe; Oldesloe sollte, befördert durch Bürgermeister Herbert Müller und sein Konzept einer „Villenstadt“, verhindern, dass sich die Stadt zu einem Industrieort entwickeln könnte – was man als problematisch zur Rolle als Kurort empfand.

Bedeutende Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur setzten sich bald für den „Heimatschutz“ ein, darunter Hamburger und Lübecker Architekten. Bisher wenig beachtet ist zum Beispiel die ehemalige Villa in der Rathausstraße 24 in Bargteheide, die heute als Rathaus dient. Die Fassade ist ein schönes Beispiel für die Ausbreitung des Heimatschutzstils in Stormarn. Die handwerklich sorgfältig ausgeführte Haustür ist eine würdige Visitenkarte dieser einstigen Stadtvilla.

Bedeutende Bauten im Heimatschutzstil in Stormarn sind auch das 1917 nach einem Großbrand weitgehend erneuerte Kuhhaus auf dem Wirtschaftshof von Gut Jersbek. Die damals errichteten Bahnhofsgebäude der „Walddörferbahn“ mit den Empfangsgebäuden in Ahrensburg und Großhansdorf entstanden zwischen 1915 und 1921; ihre Architektur orientiert sich am Heimatschutzstil der Villen in diesen Gemeinden.

Weiter sind die drei geklinkerten Gebäude in Bad Oldesloe in der Deviller/Grabauer Straße zu nennen, die 1926 für den Lebensmittel-Fabrikanten Friedrich Bölck errichtet wurden. An Stelle des bisher für Fassaden genutzten roten Ziegelsteins wurde nun der bei höheren Temperaturen gebrannte Klinker eingesetzt. Der Haupteingang von Nr. 17 ist durch ein reich skulptiertes Portal ausgezeichnet. Es zeigt zwei Putten: der linke trägt auf seinem Kopf einen Korb zum Sammeln von Kaffeebohnen, der rechte einen Kaffeesack. Zu den drei Bölck'schen Bauten gehören auch einige benachbarte Mehrfamilienhäuser in der Grabauer Straße.

Der Kernbau der 1911 in Ahrensburg erbauten Stormarnschule zeigt noch eine Mischform von Jugendstil und Neobarock. Der Neubau der Oberrealschule in Oldesloe (seit 1950 das Theodor-Momsen-Gymnasium) in den Jahren 1907-1909 ist in einer Mischung von Jugendstil und Backstein-Historismus gebaut, dagegen ist der 1913 fertig gestellte Neubau für die damalige Mittelschule, die „Königin-Luise-Schule“

schon deutlich durch eine Architektur im „Heimatschutzstil“ geprägt. Weiteres Beispiel in Stormarn ist das 1912 errichtete Anwesen Kirchenstraße 10 in Trittau. Auch der „Hahnheiderhof“ in Hamfelde kann als Heimatschutzarchitektur gelten, ebenso wie der Neubau der Wohn- und Wirtschaftsgebäude auf dem Hof Eylmann in Großensee. Einige dieser Gebäude zeichnen sich durch besonderen Ziegelschmuck aus, der Zacken und Spitzen und lagenweise verdrehte Ziegellagen zeigt. Hierfür ist der Begriff „Zackenstil“ entwickelt worden, eine kurze, dem Expressionismus zuzurechnende Spielart der Heimatschutzarchitektur in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre. Für diese Architekturepoche besteht in Stormarn noch großer Forschungsbedarf.

Burkhard von Hennigs

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