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Stormarn Tagesmütter : Stadt zahlt die Differenz
Lokales Stormarn Tagesmütter : Stadt zahlt die Differenz
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16:57 02.11.2018
Der „Fuhrpark“ der Tagespflegestelle im Oldesloer Rögen. Quelle: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

Benny* hat alle Bagger um sich herum versammelt. Finn zieht ein Plastikschiff hinter sich her, während Lisa ein Gatter um das dicke Pony baut. Die „Kleinen Forscher“ entfachen geschäftiges Treiben, wohl behütet unter den aufmerksamen Blicken von Melanie Spandehra und Monika Lahrsen. Die beiden gehören zu den 15 Tagesmüttern in Bad Oldesloe. Sie haben sich zu einer Tagespflegestelle im Rögen zusammengeschlossen und betreuen jeweils fünf Jungen und Mädchen. Da es viel zu wenige Kita-Plätze in der Stadt gibt, helfen sie, den Bedarf der Oldesloer Eltern auszugleichen.

Bislang waren Plätze in großen Kitas günstiger

Wie viele andere Tagesmütter haben sie deshalb ein gerechteres Finanzierungsmodell vermisst, das nicht nur die eigenen Belange, sondern auch die der Eltern berücksichtigt. Der Verein Tagesmütter und -väter Stormarn, dem Monika Lahrsen und Melanie Spandehra angehören, machten deshalb im jüngsten Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss deutlich, dass Familien, für deren Kinder es keinen Platz in einer größeren Einrichtung gibt, zurzeit noch benachteiligt werden. Sie zahlten den vollen Satz für die Betreuung bei einer Tagespflegeeinrichtung, während Eltern mit Schützlingen in der Groß-Kita nur zu 37,5 bis 40 Prozent an den Kosten beteiligt würden. In der aus dem Jahr 2002 stammenden Richtlinie, nach deren Maßgabe die Stadt Bad Oldesloe Zuschüsse im Bereich Tagespflege vergebe, sei eine Unterstützung der Familien überhaupt nicht vorgesehen.

Verein plädierte für den Ausgleich der Kosten

Ganz neu ist der Ruf nach einem sogenannten Differenzkostenzuschuss für die betroffenen Familien nicht. Doch hatten Vereinschefin Petra Niquet und ihre Mitstreiterinnen die nach ihrem Dafürhalten längst überfällige Novelle der 16 Jahre alten Regelung zum Anlass genommen, die Belange der Familien erneut in den Fokus zu rücken. Nach Gesprächen mit Bürgermeister Jörg Lembke und Bürgeramtsleiter Thomas Sobczak hatte die Verwaltung eine Novelle erarbeitet, die im Ausschuss nun zur Abstimmung vorlag.

Punktsieg: Ab 2019 wird der Nachteil kompensiert

Im Sinne der Eltern erlangte der Verein gewissermaßen einen Punktsieg, da sie ab Januar 2019 einen Anspruch auf Förderung haben. Sie sollen dann maximal den „höchsten jeweils durchschnittlich gültigen Elternbeitrag der Oldesloer Kindertagesstätten je nach Betreuungsstunde“ gezahlt bekommen. Dem stimmten die Ausschussmitglieder ebenso geschlossen zu wie der Freigabe von 37 000 Euro, die benötigt werden, um den Ausgleich zu finanzieren.

Die Oldesloer Tagesmutter Monika Lahrsen betreibt gemeinsam mit Melanie Spandehra die Tagespflegestelle „Kleine Forscher“ am Rögen. Quelle: Dorothea von Dahlen

Offen blieb jedoch, wie mit den Belangen der Pflegepersonen selbst verfahren werden soll. Denn wie Monika Lahrsen schilderte, hat der Kreis Stormarn seit 1. August den Bruttosatz pro Betreuungsstunde erhöht, an den jede Tagesmutter jetzt rechtlich gebunden ist. Dies geschah offenbar, um Tagesmütter in Bezug auf Rente sowie Kosten für Fortbildung, Spielzeug, Essen und andere Auslagen besserzustellen. Je nach Qualifikation – ob einfache Tagesmutter mit oder ohne Fortbildung oder ausgebildete Erzieherin – liegt die Zahlung jetzt zwischen 4,20 und 4,90 Euro. Was eigentlich gut gemeint sei, kollidiere aber mit dem Zuschussmodell, das die Stadt Bad Oldesloe zugrunde lege, erklärte Monika Lahrsen den Ausschussmitgliedern. Zusammengenommen führten sie sogar zur Verzerrung und Verschlechterung der Lage.

Absurd: Weniger Förderung für qualifiziertes Personal

Wie die Tagesmutter berichtet, hatte die Stadt die Tagespflege bis dato mit einer Summe von 165 Euro pro Monat unterstützt. Nach der vom Kreis festgelegten Gebührenerhöhung wolle die Stadt nun aber keine Betreuer mehr unterstützen, die als qualifizierte Kraft auf einen Stundensatz von 4,90 Euro hochgestuft wurden. „Das ist doch aber absurd. Man wird so bestraft, wenn man eine besondere Qualifikation hat und sich nach wie vor weiterbildet“, kritisierte sie während der Ausschusssitzung. Sie gab auch zu bedenken, dass nun nicht nur einfache Tagesmütter ohne weitere Fachkenntnisse bevorzugt behandelt würden, sondern auch solche, die nur wenige Kinder betreuen und somit auch von Hause schon geringere Auslagen hätten.

Konfrontiert mit dieser sehr komplexen Ausgangslage zogen es die Ausschussmitglieder vor, diesen Punkt der neuen Richtlinie noch einmal ausgiebig auf einer späteren Sitzung zu diskutieren. So wird voraussichtlich am 28. November erneut im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss über die Förderung der Tagespflegepersonen gesprochen.

*Namen der Kinder geändert

Dorothea von Dahlen

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