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Stormarn 30 Jahre Gleichstellung: Frauen aber weiter selten im Chefsessel
Lokales Stormarn 30 Jahre Gleichstellung: Frauen aber weiter selten im Chefsessel
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20:19 18.10.2017

Am 1. Oktober 1987 wurde die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Bad Oldesloe erstmals besetzt – seinerzeit auf freiwilliger Basis. Monika Fiebinger aus Bayern übernahm damals den Posten. Bis 1993 war sie im Amt. „Das war die erste Stelle dieser Art in Stormarn“, berichtet die heutige Gleichstellungsbeauftragte Marion Gurlit. Die Gründung des Vereins Frauen helfen Frauen in Stormarn war ein Jahr später ein Meilenstein der Gleichstellungsarbeit in der Kreisstadt. Die Beratungsstelle hilft Frauen in Fällen von häuslicher oder sexueller Gewalt.

Seit dem 1. Februar 1994 ist Marion Gurlit im Auftrag der Stadt für Gleichstellung aktiv. Einen ganzen Packen Tätigkeitsberichte holte die 59-Jährige anlässlich des 30. Jubiläums hervor. „Es gibt verschiedene Themen, die mich über all die Jahre beschäftigt haben. Frauen und Beruf zum Beispiel“, so die Diplom-Politologin. Sie habe sich für betreute Grundschulzeiten eingesetzt – eine Art Vorläufer der Ganztagsschule. Zudem organisiert sie Qualifizierungskurse für Tagesmütter und -väter, Berufsfindungsgruppen und Kurse für Berufsrückkehrerinnen und für Migrantinnen, die sich weiterbilden und arbeiten möchten.

Zum Thema Gewalt hat Gurlit auch viel unternommen. Bevor 1996 das erste Frauenhaus in Ahrensburg eröffnete, gab es in Bad Oldesloe eine Frauennotwohnung. „Wie oft habe ich Frauen dorthin gebracht.

Alljährlich gibt es auch die Aktion mit der Bäckerinnung ,Gewalt kommt nicht in die Tüte‘, daneben bieten wir einen Treffpunkt für Alleinerziehende an – mit Kinderbetreuung.“

Wirklich gleichgestellt seien Frauen in Oldesloe und auch sonst in der Gesellschaft dennoch nicht – auch wenn sich in rechtlicher Hinsicht viel geändert habe. „Frauen sind nicht ihrem Anteil in der Bevölkerung entsprechend repräsentiert – weder in der Politik noch in Führungsetagen. Und das, obwohl es noch nie so viele gut ausgebildete Frauen gab.“ In der Oldesloer Stadtvertretung seien von 27 Sitzen nur acht mit Frauen besetzt.

Auch im Job blieben Frauen weiter benachteiligt. „Sie verdienen weniger und sind kaum in höheren Führungspositionen vertreten“, so Gurlit. Das sei auch bei der Stadtverwaltung so. Bei den Sachgebietsleitern und somit dem mittleren Management liege der Frauenanteil bei mehr als 50 Prozent. Aber im oberen Management der Fachbereichsleitung sei von fünf Posten nur einer mit einer Frau besetzt. Das ist Mandy Treetzen, die für Finanzen zuständig ist. „Deutsche Karrieren werden nach 18 Uhr entschieden, und 60 Stunden-Wochen gelten leider immer noch als Gütesiegel.“ In Skandinavien und den Niederlanden sei das anders. Gurlit: „Ich arbeite gerne. Aber es muss auch eine Balance zwischen Leben und Arbeit geben.“ Deshalb sei es Zeit für neue Werte. „Denn wir brauchen in allen Bereichen der Gesellschaft mehr Frauen.“

Von Britta Matzen

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