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Stormarn 40 Steinburger unterschreiben gegen Windkraft
Lokales Stormarn 40 Steinburger unterschreiben gegen Windkraft
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23:50 26.05.2016

Der Andrang war groß im Eichedeer Sportlerheim, obgleich die Veranstaltung ganz spontan einberufen worden war. Die aktuellen Planungen der Landesregierung zur Windkraft erschienen aber 50 Männern und Frauen aus der Gemeinde Steinburg und Umgebung so wichtig, dass sie ihren Feierabend opferten.

Der Protest richtet sich gegen den Bau und eine Umzingelung durch weitere Anlagen – Bauern befürworten mögliche Investitionen.

„Wir gehören keiner Verwaltung an, haben uns aber mit möglichen Auswirkungen eines Ausbaus der Windenergie in der Gemeinde beschäftigt“, sagte Dirk Michalowski, der gemeinsam mit Sebastian Jendrik eingeladen hatte. Es könne im schlimmsten Fall passieren, dass die Gemeinde eines Tages rundum von Windanlagen umzingelt werde, so dass die Bewohner durch die Geräusche der Rotoren nachts in ihrer Ruhe und tagsüber von ihrem Schattenwurf gestört würden. Wie sich Letzteres auf Steinburg auswirken könnte, erläuterte Jendrik, der mit Hilfe eines Computerprogramms zu bestimmten Stichtagen errechnet hatte, dass weite Teile der Gemeinde drohen, bei drehenden Rotoren überschattet zu werden.

„Man sucht unwillkürlich nach dem Flugzeug, das vorbeifliegt“, erzählte Jens Möller von seinen Erfahrungen mit den Geräuschen einer Windkraftanlage, die 800 Meter entfernt von seinem Haus in Siebenbäumen aufgestellt wurde. Ihm sei zuvor garantiert worden, dass die Lärmemission nicht höher werde als 36,7 dB. Er selbst habe aber 43 dB gemessen, wobei zu beachten sei, dass die Schallstärke exponentiell ansteige und sich somit alle drei Zähler verdoppele. „Die Gemeinde Siebenbäumen hat sich damals überrumpeln lassen und durch Gewerbesteuereinnahmen ködern lassen“, beklagte Möller, dass in Siebenbäumen und dem benachbarten Kastorf inzwischen sieben Windräder stehen.

Um zu vermeiden, dass auch in Steinburg eine „derart beängstigende Entwicklung“ eintrete, gelte es jetzt, schnell zu reagieren, sagte Michalowski. Er bezog sich auf einen Runderlass des Ministerpräsidenten vom Juni vergangenen Jahres, wonach bei der Fortschreibung der Regionalpläne künftig Gebiete ausgewiesen werden sollen, in denen Windkraftanlagen unbedingten Vorrang genießen. Bis zum 30. Mai gebe es noch die Möglichkeit, Einfluss darauf zu nehmen.

Während der zweite stellvertretende Bürgermeister, Heiko Busche, einwandte, dass die Planungen der Landesregierung noch nicht soweit gediehen seien und selbst die Gemeinde noch nicht zu einer Stellungnahme aufgefordert worden sei, erklärte Michalowski, es gehe darum, der Entwicklung schon im frühestmöglichen Stadium zu begegnen. Eichede und Mollhagen würden derzeit noch als Suchräume behandelt, die Landesplanungsbehörde nehme aber schon Hinweise entgegen, welche Gebiete von vornherein ungeeignet seien, um sich dann auf tatsächlich geeignete Vorranggebiete festlegen zu können.

Dem Protest gegen eine mögliche Vorrangfläche nahe Steinburg schlossen sich 40 der Anwesenden an. Sie trugen sich in eine Unterschriftenliste ein und erklärten, sie wollten noch weitere Steinburger mit ins Boot holen.

Doch nicht alle Besucher der Veranstaltung teilten die ablehnende Haltung gegenüber der Windenergie. „Wo sollen die denn den Strom herholen, wenn die großen Kraftwerke geschlossen werden?“, äußerte August Dahmke im Gespräch mit den Lübecker Nachrichten. Er und andere Landwirte aus dem Ort seien klar für die Windenergie. Vieles, das an diesem Abend geäußert worden sei, entbehre der Grundlage.

Die Flächen, auf denen tatsächlich neue Windräder in der Gemeinde entstehen könnten, lägen 1,2 Kilometer entfernt. Auch die Behauptung, dass die Gewerbesteuer nicht an den Standort fließe, sondern an den Sitz der Betreiberfirma, stimme nicht. „Steinburg würde im ersten Jahr sogar 70 Prozent der Gewerbesteuer erhalten“, sagte Dahmke.

Michalowski bedauerte, dass sich die anwesenden Landwirte während der Veranstaltung nicht zu Wort gemeldet hätten. Es wäre eine Chance gewesen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Wie geht es weiter?

Die Planungen zur Windenergie sind laut Heiko Busche bereits im Umweltausschuss der Gemeinde Steinburg Thema gewesen. Die Gemeindevertreter tagen dazu erneut am Mittwoch, 15. Juni.

Die Unterschriftenlisten der Steinburger sollen zusammen mit einem Anschreiben bis zum 30. Mai an die zuständige Landesplanung für Windenergie verschickt werden. Ende Juni soll es eine offizielle Anhörung geben. Anschließend sollen sich Bürger auch online dazu äußern können.

 Dorothea von Dahlen

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