Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn 61-Jährige verschuldete Tod von Motorradfahrer
Lokales Stormarn 61-Jährige verschuldete Tod von Motorradfahrer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:43 17.05.2017
Bei dem tödlichen Unfall in Ammersbek war der Motorrad-Fahrer durch einen Wagen, der ihm die Vorfahrt nahm, zu einem Bremsmanöver gezwungen worden, durch das er die Kontrolle über sein Motorrad verlor und stürzte. Quelle: Foto: Ln-Archiv

Angeklagt war eine 61-jährige Frau aus Südstormarn, die nach übereinstimmender Einschätzung von Richter, Verteidiger und Staatsanwalt durch das Verletzen der Vorfahrt in Ammersbek den Tod eines Motorradfahrers verschuldet hat.

Am 27. April 2016 war die Angeklagte mit ihrem Fahrzeug auf dem Weg zur Arbeit, der sie durch Ammersbek führte. An der Einmündung der Dorfstraße an der Mühle auf die viel befahrene Lübecker Straße setzte die Frau am Stop-Schild zum Abbiegevorgang nach Links an, obwohl dort ein vorfahrtberechtigter Motorradfahrer kam. „Ich habe nach links und nach rechts geguckt und den Motorradfahrer nicht gesehen“, erklärte die Angeklagte. „Beim Losfahren habe ich dann plötzlich links den Motorradfahrer kommen gesehen und sofort angehalten.“ Ihr Auto habe da vielleicht einen halben Meter in die Fahrbahn geragt.

Doch der Vorgang löste eine fatale Reaktion aus. Wie ein Sachverständiger während des Prozesses ausführte, habe die plötzliche Gefahr den Motorradfahrer dazu verleitet, stark abzubremsen. Bei einem Motorrad führe das unweigerlich dazu, dass man die Kontrolle über die Maschine verliere, „wenn man kein Rennfahrer ist.“ So geschah es auch in Ammersbek. Das Motorrad geriet ins Schlingern und stürzte auf die Seite, der Motorradfahrer wurde dabei von der Maschine geschleudert. Während das Motorrad auf der Fahrbahn weiterrutschte und hinter der Einmündung liegen blieb, rutschte der Fahrer über die Fahrbahn und prallte mit Kopf und Schulterbereich gegen den Kotflügel des Autos der Angeklagten. Wegen schwerer Kopfverletzungen trotz Helms und einem Genickbruch verstarb der Mitte Dreißigjährige noch am Unfallort bei der Versorgung im Rettungswagen. Zuvor hatten eine junge Frau und eine Ärztin, die zufällig vorbei kam, noch erste Hilfe geleistet.

„Ich bin ausgestiegen, um zu helfen“, erklärte die Angeklagte, die von den Vorgängen schockiert war. „Seit dem Unfall laufen die Vorgänge wie ein Film immer wieder in meinem Kopf ab, der sich nicht stoppen lässt. Ich denke jeden Tag daran.“ Die Zeugenaussagen untermauerten die Schuld der Angeklagten. „Ich war auf dem Linksabbieger Richtung Ahrensburg“, sagte eine Frau aus, die aus Bargteheide kam und ebenfalls vorfahrtsberechtigt war. „Die Angeklagte wirkte nervös und machte mehrmals Anstalten, links abzubiegen. Als ich den Motorradfahrer gesehen habe, fuhr sie an, und ich habe geschrieen: „Jetzt doch nicht!“ Zwar habe die Angeklagte den Wagen gleich wieder gestoppt, aber der Unfall war damit provoziert.

Zwar versuchte die Verteidigung herauszuarbeiten, dass der Motorradfahrer eine Mitschuld trug – vier Tage später wäre eine Tüv-Untersuchung der Maschine fällig gewesen, und der Sachverständige geht davon aus, dass das Opfer mit 84 Stundenkilometern bei erlaubten 70 Stundenkilometern etwas zu schnell fuhr – aber am Ergebnis hätte auch ein geringeres Tempo nichts geändert.

„Der Abbiegewille der Angeklagten war größer als das Bemühen, eine Gefährdung auszuschließen“, begründete der Richter sein Urteil, „das ist ein deutliches Sorgfaltspflichtversäumnis.“ Zumal der Wagen der Zeugin, die nach Ahrensburg abbiegen wollte, ebenfalls vorfahrtberechtigt gewesen wäre. Auch habe die Angeklagte erst im Prozess glaubhaft gemacht, dass ihr das Geschehen Leid tue. Das sei dann aber sehr glaubhaft geschehen. Der Richter nutzte das Urteil dazu zu bedenken zu geben, dass jeder zu Fahrlässigkeit neige und sich der Verantwortung bewusst sein müsse. Seit Anfang Mai ist die Einmündung in Ammersbek durch eine Ampelanlage gesichert.

Bettina Albrod

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige