Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn AUS DEM AMTSGERICHT
Lokales Stormarn AUS DEM AMTSGERICHT
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 17.01.2017
Ahrensburg

Der Mann, der sich am Dienstag wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Ahrensburg verantworten musste, konnte die Anklage nicht fassen. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, beim Zurücksetzen aus einer Auffahrt im Dezember 2015 vorsätzlich eine Frau angefahren zu haben. „Wenn ich bewusst gegen jemanden gefahren wäre, das wäre ja pathologisch“, erklärte der 85-Jährige entsetzt. „Ich erstatte Anzeige wegen Verleumdung gegen die Staatsanwältin.“ Im Übrigen sei er sich sicher, dass es nie einen Unfall gegeben habe.

An jenem Dezembertag soll der alte Herr mit seinem Wagen einen unbefestigten Weg befahren haben, der sein Grundstück von dem eines Nachbarn trennt, mit dem er seit 30 Jahren im Streit liegt. Der verkaufte auf seinem Hof Weihnachtsbäume, was zu einem größeren Verkehrsaufkommen führte. „Der Angeklagte hatte seinen Polo quer gestellt, so dass die Autos nicht durchkamen, und lief laut schimpfend herum“, sagte eine Zeugin aus, die an jenem Tag dort ihren Weihnachtsbaum gekauft hatte. „Dann stieg er wieder ein, fuhr auf eine Auffahrt und setzte zurück. Dabei hat er eine Frau erfasst, die gut sichtbar hinter ihm stand. Sie kippte über den Kofferraum“, so die Zeugin weiter.

„Ich kann nicht sagen, ob der Angeklagte mich gesehen hat“, erklärte die Geschädigte, „ich stand mit dem Rücken zum Fahrzeug. Als es mich berührt hat, habe ich auf die Scheibe geschlagen, da blieb er stehen.“ Passiert sei dabei nichts Schlimmes, sie habe nur zwei Tage lang Schmerzen am Arm und am Po gehabt und sei geschockt gewesen. Bei einem Arzt sei sie nicht gewesen. Fünf Tage später habe sie Anzeige erstattet.

Ein abgekartetes Spiel, war der Angeklagte überzeugt. „Die Geschädigte ist die Lebensgefährtin des Mannes, mit dem unsere Familie seit Jahren im Streit liegt“, so der Mann. Er habe nichts von einer Personenberührung gemerkt, auf besagter Auffahrt sei er gar nicht gewesen. Seine Frau bestätigte als Zeugin, dass ihr Mann nicht auf der Auffahrt gewendet habe, sondern erst unten im Wendehammer:

„Ich habe ihn die ganze Zeit im Blick gehabt.“

Der Verteidiger ließ die erste Zeugin einen Polo zeichnen, um zu zeigen, dass der gar keinen Kofferraum hat. Auch der Widerspruch in den Aussagen – die Geschädigte gab an, mit dem Rücken zum Auto gestanden zu haben, so dass sie gar nicht dahin hätte einknicken können – war dem Verteidiger aufgefallen. „Warum hat sie ihre Verletzungen nicht dokumentiert und eine Anzeige erst fünf Tage später gemacht?“, fragte er.

Die Staatsanwältin war dennoch von der Wahrheit der Zeugenaussagen überzeugt. Zwar nahm sie den Vorwurf der beabsichtigten Körperverletzung zurück, sah den Angeklagten aber als fahrlässigen Unfallverursacher und forderte eine Geldstrafe von 2000 Euro. Über die ging der Richter in seinem Urteil noch hinaus: 2500 Euro Strafe und sämtliche Prozesskosten seien vom Angeklagten zu zahlen, so das Urteil.

„Vermutlich haben Sie die Frau unbemerkt angefahren“, sagte der Richter zur Begründung, „die Zeugen sind glaubhaft, ich sehe keine Absprachetendenzen.“ Dagegen habe die Aussage der Ehefrau des Angeklagten ein Verhalten erkennen lassen, dass keine Tatsachenwiedergabe zeige. Der Richter hatte den Angeklagten und seine Frau während des Prozesses mehrmals laut und ungeduldig wegen ihrer ausufernden Aussagen zurecht gewiesen. Der Angeklagte erklärte, dass er sein Leben lang ein unbescholtener Mann gewesen sei.ba

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit und die Weltöffentlichkeit zum ersten Mal über die entsetzlichen Gräuel der Nazi-Diktatur informiert.

17.01.2017

Bauherren und Geldanleger haben der Volksbank Stormarn eine erfolgreiche Bilanz beschert.

17.01.2017

Beschwerden kamen 2016 auch aus Ahrensburg, Bargteheide und Jersbek.

17.01.2017