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20:14 29.06.2017

Versuchte räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz – so lautete die Anklage gegen zwei junge Männer am Donnerstag vor dem Ahrensburger Schöffengericht. Was dramatisch begann, wurde im Prozessverlauf immer weniger. Das fing schon bei den Angeklagten an: Von den zwei Männern war nur einer erschienen.

„Ich komme heute nicht“, habe der Mitangeklagte ihm heute Morgen geschrieben, so der anwesende Angeklagte. Auch der Versuch des Richters, den abgängigen Angeklagten polizeilich vorführen zu lassen, scheiterte.

Also koppelte der Richter das Verfahren des einen ab und setzte den Prozess fort. Die Vorwürfe wogen schwer: Die Angeklagten sollen im November 2016 am Bahnhof Bad Oldesloe einen dritten Mann um Zigaretten gebeten haben. Als der keine herausgeben wollte, hätte der eine Täter zwei Schlagringe gezückt und einen davon seinem Kumpel gegeben. Der eine habe das Opfer in den Schwitzkasten genommen und ihm gegen den Kopf geschlagen, der andere habe den Moment genutzt, um dem Opfer gegen das Knie zu treten. Beide Täter hätten unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen gestanden.

„Es ging nicht um Zigaretten“, korrigierte der Angeklagte, „es ging um Beleidigung.“ Er habe an dem Tag mit seiner Freundin Streit gehabt. Deshalb habe er sich mit seinem Bekannten getroffen.

Zusammen hätten sie drei Liter Bier, Whisky-Cola und Marihuana konsumiert. „Später sind wir zum Bahnhof gegangen und haben dort einen Mann mit seiner Freundin um eine Zigarette gebeten“, so der 24-Jährige. Die habe er auch bekommen. „Als mein Kumpel auch eine haben wollte, hat der andere Nein gesagt.“ Daraufhin seien sie gegangen, aber dann habe der Geschädigte sie beleidigt.

„Daraufhin hat mein Kumpel zwei Schlagringe gezückt, mir einen gegeben, und wir sind umgedreht.“ Der Mittäter habe das Opfer in den Schwitzkasten genommen und ihm die Faust mit dem Schlagring an den Kopf gehalten. „Ich habe ihn ans Bein getreten“, gestand der Angeklagte. Danach sei der Mann zu Boden gefallen, er selber sei mit dem Taxi nach Hause gefahren und sein Freund weggegangen. Zuhause habe später die Polizei geklingelt. Zwei weitere Polizisten, die zum Tatort gerufen worden waren, sagten aus, dass der Geschädigte zwar eine Schürfwunde am Knie, aber keine Kopfverletzung gehabt habe.

„Mein damaliger Freund war total besoffen“, sagte die Zeugin aus, die mit dem Opfer am Bahnhof war. Sie bestätigte die Aussage des Angeklagten und bestätigte, dass das Opfer keine Kopfverletzung gehabt habe. Der Mann war zur Verhandlung nicht erschienen.

„Im Blut des Angeklagten konnten 1,59 Promille zur Tatzeit sowie Spuren eines regelmäßigen Marihuana-Konsums nachgewiesen werden“, hielt die Sachverständige fest. „Die Mengen reichten nicht aus, um die Denkabläufe zu beeinträchtigen.“ Schließlich beantragte der Verteidiger, das Verfahren einzustellen. „Mein Mandant hat den Schlagring nicht benutzt, damit bleibt es eine einfache Körperverletzung.“ Das sahen Richter und Staatsanwaltschaft anders.

Wegen des gemeinschaftlichen Handelns bleibe es eine gefährliche Körperverletzung, außerdem habe der Angeklagte sich aufrüsten lassen mit einer Waffe, die verboten sei. „Das hat das Machtverhältnis vergrößert", so der Richter. Wegen Schwarzfahrens ist der Mann außerdem schon aktenkundig. Andererseits habe er die Waffe nicht benutzt und offen seine Schuld eingestanden. Schließlich wurde das Verfahren vorläufig gegen die Auflage eingestellt, dass der Angeklagte 150 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten soll.

Bettina Albrod

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