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Stormarn Abgesackte A 20 aufwendig saniert
Lokales Stormarn Abgesackte A 20 aufwendig saniert
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22:41 02.10.2017
Anschlussstelle Mönkhagen: Seit Tagen wird das 140 Meter lange Loch auf der A 20 Richtung Bad Segeberg verfüllt. Am 9. Oktober beginnt der Aufbau der Fahrbahn. Quelle: Fotos: Materne
Mönkhagen

Drei Traktoren waren die vergangen Tage im Akkord damit beschäftigt, den 600 Meter langen Erdwall auf der gesperrten Fahrbahn Richtung Bad Segeberg abzutragen. „Kaum zu glauben, dass das alles aus dem kleinen Loch kommt“, sagt Benny Scharf vom LBV. Das „kleine Loch“ war 140 Meter lang und 2,80 tief. 6000 Kubikmeter Erde mussten hier bewegt werden. Und das nur auf einer Seite. Der erste Bauabschnitt Richtung Lübeck vor einigen Monaten war sogar noch ein paar Meter länger. Der Grund: unerwartet starke Setzungsaktivitäten in gut 13 Metern Tiefe im moorigen Boden. Der Sand unter der Autobahn rutschte nach, Risse bildeten sich in den Außenbereichen der Fahrbahn bei Mönkhagen.

Zwei Jahre lang fuhren Autofahrer auf der A 20 bei Mönkhagen durch eine Baustelle ohne besondere Aktivität. Die Autobahn war abgesackt. Seit April saniert der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) die instabilen Böschungsbereiche. Diesen Monat werden die Arbeiten fertig.

Zur Stabilisierung des Straßendamms auf dem schwierigen Boden wurden deshalb auf beiden Seiten bis zu 20 Meter hohe Spundwände in den Boden der Autobahnböschung getrieben, wie überdimensionierte Nägel. 900 Tonnen Stahl pro Fahrbahnseite. Die Wände sind mit Dutzenden fünf Zentimeter dicken „Stahlseilen“ verbunden. „Eigentlich sind das Stahlstangen“, erklärt Scharf. Auch diese Anker sind inzwischen wieder im Erdreich verschwunden, der locker gewordene Boden unter der A 20 wurde neu verdichtet. Nun beginnt endlich der Neuaufbau der Fahrbahn, im November soll der Verkehr auch Richtung Bad Segeberg wieder zweispurig rollen.

2,8 Millionen Euro kostet die sogenannte „Fangedamm-Konstruktion“. Eine unerwartete Ausgabe, doch von „Pfusch am Bau“ will Andreas Treumann vom LBV nichts wissen. Man habe um die schwierigen Bodenverhältnisse gewusst, als 2005 mit dem Autobahnbau bei Mönkhagen begonnen wurde, so der LBV-Sachgebietsleiter Baudurchführung. „Wenn wir aber gewartet hätten, bis sich der Boden gesetzt hat, würde heute noch keine Autobahn hier verlaufen.“ Die Alternative, das Erdreich unter der A 20 bis auf 20 Metern Tiefe auszuheben wäre deutlich teurer gewesen, ist Treumann überzeugt.

Mehrere Moorlinsen verlaufen unter der A 20 zwischen Lübeck und Bad Segeberg. Doch in der Abwägung zwischen Naturschutzinteressen, Lärmschutz und Wirtschaftlichkeit müssten Kompromisse eingegangen werden. Dann sei der Bau über moorigen Boden noch die wirtschaftlichste Variante. „Wir haben auch mit Setzungsaktivitäten gerechnet“, betont Treumann. Diese sollten eigentlich bei turnusmäßigen Sanierungsarbeiten alle 20 bis 30 Jahre miterledigt werden. Doch der Plan ging nicht auf. Die ersten Schäden im Randbereich der Autobahn traten bereits fünf Jahre nach Freigabe des Teilstücks auf.

Die Fahrbahn wurde verengt und die Erdbewegung zwei Jahre lang messtechnisch beobachtet.

„Wir waren davon ausgegangen, dass sich die Autobahn als Ganzes setzt“, sagt Treumann. Doch während der Boden im Randbereich lockerer und instabiler wurde, bewegte sich der Boden in der Mitte gar nicht. Die nun eingebauten Spundwände sollen verhindern, dass die Erde nochmal ins Rutschen gerät. Die Stahlkonstruktion soll bis in festen Boden unter der restlichen Moorschicht in 13 Metern Tiefe reichen.

Beim Bau der Autobahn habe man bereits einen Großteil der wasserhaltigen Torfschicht saniert. Wie einen Schwamm habe man den Boden ausgedrückt, erklärt Treumann. Dabei habe sich der Boden in der Bauzeit bereits drei Meter gesetzt. Man könne aber nicht so einfach 20 Meter tief graben, sagt Treumann. Abgesehen von den hohen Kosten hätte man auch viel weiter in die Natur links und rechts der Trasse eingreifen müssen. Und irgendwo hätten die Erdmassen zwischengelagert werden müssen. „Man hat ja gesehen, wie viel Sand schon 2,80 Meter sind“, spielt Treumann auf den sechs Meter langen Sandwall an, der auf der Fahrbahn lagerte.

Die Sandberge sind inzwischen verschwunden. Ab 9. Oktober soll mit dem Aufbau der Fahrbahn begonnen werden. Die Asphaltarbeiten sollen am 17. Oktober starten. Bis 1. November soll die Dauerbaustelle dann endgültig verschwunden sein.

Achtung Sperrung

Auf der A 1, Anschlussstelle Bad Oldesloe, werden ab 4. Oktober zeitweise einzelne Fahrstreifen temporär gesperrt. Grund sind Arbeiten an der Unterseite der Brücke über der A 1, teilt der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein mit. Für die Sanierung der Mittelstützen wird im Anschluss der linke Fahrstreifen in beide Fahrtrichtungen für die Dauer von drei Monaten gesperrt.

 Nadine Materne

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