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Stormarn Adé, Klischee: Modernes weibliches Netzwerk
Lokales Stormarn Adé, Klischee: Modernes weibliches Netzwerk
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23:08 17.05.2018
In den 50er Jahren trafen sich die Bargteheider Landfrauen zum Ausflug per Bus. Quelle: Foto: Privat
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Bargteheide

1948 war die Landfrau eine Frau vom Land, heute ist sie eine Frau von Welt: Nach sieben Jahrzehnten präsentiert sich der Landfrauenverein Bargteheide und Umgebung als Netzwerk von Frauen, die auch in der Landwirtschaft tätig sind, vor allem aber die vielfältigen Interessen ihrer Vereinsmitglieder vertreten.

Die Landfrau mit Mistgabel und Schürze ist ein Klischee. Heute sind die Frauen in allen Berufen tätig und treffen sich, um sich fortzubilden und ihre Interessen zu vertreten. Der Bargteheider Verein besteht jetzt 70 Jahre.

„Heute stammen nur noch zehn Prozent der Landfrauen aus der Landwirtschaft“, erklärt die Vorsitzende Kirsten Steinmatz. „Der Großteil der Frauen ist mittlerweile in anderen Bereichen berufstätig.

Inzwischen sind wir eher Frauen aus dem ländlichen Raum, aber der alte Name soll bestehen bleiben.“

Tradition und Fortschritt stehen gleichwertig nebeneinander, auch wenn die Inhalte sich gewandelt haben. „Früher ging es bei den Treffen der Landfrauen um die Vorstellung der neuesten Küchenmaschinen und um viele landwirtschaftliche Themen“, erklärt Kerstin Rübcke. „Im Mittelpunkt standen die vier K: Kühe, Küche, Kälber, Kinder.“ Nach dem Krieg seien viele Frauen vor allem in der Landwirtschaft tätig gewesen und hätten sich getroffen, um mit anderen Frauen Themen zu besprechen, die sie interessierten.

Das tun sie auch nach 70 Jahren noch, aber die Themen sind inzwischen andere. „Wir haben alle zwei Jahre ein Gesundheitsthema, das vom Landesverband zusammen mit der Ärztekammer festgelegt wird“, sagt Kirsten Steinmatz. Darmkrebsvorsorge, Herzerkrankungen, Sturzprävention oder zuletzt die Telemedizin stehen im Mittelpunkt der Veranstaltungen, zu denen fachkundige Referenten eingeladen werden.

Dazu kommen Themen wie Nachhaltigkeit, Bienensterben, plastikfreie Stadt oder Breitband auf dem Land.

Die 282 Mitglieder der Bargteheider Landfrauen sind zwischen 30 und 100 Jahre alt. „Die Älteste wird jetzt 101“, ergänzt Ursula Wagner. Viele Frauen sind wie Ulrike Guericke über ihre Mütter oder Schwiegermütter in den Landfrauenverein gekommen. Andere stießen aus der Landjugend hinzu. Einige sind weiterhin auf dem Hof tätig, aber dann geht es vor allem um Buchhaltung. „Die Landfrau mit Kopftuch und Kittelschürze ist passé“, sagt Ursula Wagner.

„Wir unterstützen außerdem jedes Jahr ein soziales Projekt“, so Ursula Wagner weiter. Ob für Hospiz, Knochenmarkspende oder Kindergärten: Das Geld wird Weihnachten gesammelt und ohne Abzüge gespendet. „Zur Weihnachtsfeier gehört immer ,Oh du fröhliche’“, betont Kirsten Steinmatz, „die Tradition bleibt.“

Die vom guten Kuchen auch: „Das ist ein Klischee, das wir gerne weiter bedienen“, sagen die Landfrauen. „Inzwischen werden wir aber vor allem wegen unseres Organisationsvermögens angefragt.“

Eventmanagerin statt Bäckerin – das entspricht dem neuen Bild der Landfrau. Für neue Mitglieder sind sie immer offen. Einzige Voraussetzung: Man muss eine Frau sein.

 Von Bettina Albrod

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