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Stormarn Ärger zwischen Nachbarn? Horst Gösch schlichtet amtlich
Lokales Stormarn Ärger zwischen Nachbarn? Horst Gösch schlichtet amtlich
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22:09 26.07.2018
Siegel drauf! Horst Gösch arbeitet ehrenamtlich als Schiedsmann.
Reinfeld

Manchmal geht dann gar nichts mehr, die Fronten sind verhärtet. Die Hecke ist zu hoch, der Baum ragt über die Grundstücksgrenze, und es ist keine Lösung in Sicht. Dann kommt Horst Gösch ins Spiel, seit zwei Jahren Schiedsmann für die Stadt Reinfeld.

Wenn zwei Reinfelder sich streiten, landet der Fall manchmal beim Ordnungsamt. Und wenn dieses keine Lösung parat hat, ruft einer der Mitarbeiter bei Horst Gösch an. Der 66-Jährige ist Schiedsmann in der Stadt und versucht, Streitigkeiten zumeist unter Nachbarn zu schlichten.

Solche Konflikte unter Nachbarn sind klassische Fälle, manchmal geht es aber zum Beispiel auch um Beleidigung oder üble Nachrede, manchmal sogar um Körperverletzung. „Oft ist aber wirklich der berühmte Maschendrahtzaun der Streitpunkt, der Auslöser dafür war, dass Nachbarn 30 Jahre lang nicht miteinader reden“, berichtet Horst Gösch. Dann sei er bemüht, den Frieden herzustellen und das Leben wieder angenehm zu machen. „Dazu ist es wichtig, sich in die Schuhe des anderen zu stellen.“

Gösch wiederum muss sich unvoreingenommen in beide Situationen versetzen – und, wenn alles gut läuft, eine neutrale und weise Entscheidung fällen. „Wobei wir keine Entscheidungen im juristischen Sinne fällen. Es kommt zu einem Vergleich, der von den Schiedsleuten nur moderiert wird und den Willen beider Parteien widerspiegeln soll.“ Der Schiedsmann sei nur Vermittler, kein Richter, so Gösch.

Dafür treffen sich die Parteien dann im Rathaus. „Das ist amtlich und hat eine Autorität. Es hilft auch, falls mal einer der Betroffenen etwas lauter werden sollte“, sagt Gösch. Wer gar nicht erst erscheint, gegen den wird ein Ordnungsgeld verhängt. „Deswegen kommen auch immer alle.“ Vor dem Schiedstermin hat er sich bei beiden Parteien persönlich vorgestellt und sich von beiden ihre Sicht der Dinge schildern lassen.

Gösch selbst war viele Jahre als Prokurist bei Minimax in Bad Oldesloe tätig und hat dabei auch eine Menge Erfahrungen in der Personalführung gesammelt. Und nicht zuletzt sei der Umgang mit den eigenen Kindern eine gute Schule. Gösch kann da von so manchen Erlebnissen mit seiner damals kleinen Tochter berichten. „Ich bin keiner deiner Angestellten“, habe sie ihm mal gesagt, als sie sieben Jahre alt war.

Und so reicht für den Job des Schiedsmanns auch der gesunde Menschenverstand aus; eine juristische Vorbildung ist nicht erforderlich. Nichtsdestotrotz gibt es regelmäßig Fortbildungen und Schulungen für Schiedsleute in Sachen Nachbarschaftsrecht, Zivil- und Strafrecht sowie Mediation. Denn selbstverständlich ist alles irgendwo genau geregelt, die Höhe einer Hecke beispielsweise oder Grenzabstände von Anpflanzungen.

Bei seiner Wahl setzte sich Gösch gegen zwei Mitbewerber durch. Und er hat einen Stellvertreter, der vom Namen her nicht besser passen könnte. Er heißt nicht Gösch, sondern Gosch. Dietmar Gosch.

Deutlich günstiger als Gerichtsverhandlung

Wer sich hier genauer informieren möchte, sucht im Internet nach der Broschüre „Schlichten statt Richten“, herausgegeben vom Ministerium für Justiz. Die Broschüre gibt Aufschluss über das, was in einem Schlichtungsverfahren behandelt wird und wie das Verfahren abläuft.

Der Weg zum Schiedsamt steht jedem frei, ein Verfahren kostet rund 50 Euro und ist damit deutlich günstiger als eine Gerichtsverhandlung. Der Vergleich wird am Ende unterschrieben, ist rechtlich verbindlich und 30 Jahre gültig. Scheitert die Verhandlung, bekommt der Antragsteller eine sogenannte Erfolglosigkeitsbescheinigung, mit der er dann Klage einreichen kann.

Schiedsleute arbeiten ehrenamtlich, also ohne Vergütung. „Ich möchte auf diesem Wege der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt der Reinfelder Horst Gösch.

Markus Carstens

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