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Stormarn Ätzender Gestank: Reinfelder Ämter ziehen wieder um
Lokales Stormarn Ätzender Gestank: Reinfelder Ämter ziehen wieder um
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21:09 15.03.2018
„Ich will endlich Klarheit, warum es in einigen Räumen des Neuen Rathauses so stinkt“, sagt Bürgermeister Heiko Gerstmann. Quelle: Britta Matzen
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Reinfeld

„Nehmen Sie mal eine Prise“, sagt eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung und öffnet die Tür des Sozialamtes im Neuen Rathaus. Schwerer, beißender Geruch wabert durch den Raum – ähnlich wie Ammoniak. „Nicht auszuhalten ist das“, so die Mitarbeiterin. Den ganzen Tag hätten sie bei offenem Fenster gearbeitet, um die schlechte Luft zu vertreiben. Genützt habe es nichts – im Gegenteil. Im Laufe der Monate habe der Gestank noch zugenommen.

Sommer 2017: Mitarbeiter klagten über Übelkeit und tränende Augen

Im Frühsommer vergangenen Jahres ist das Phänomen erstmals aufgetreten. Damals tränten Mitarbeitern des Bürgerbüros die Augen, einige klagten gar über Übelkeit. Bürgermeister Heiko Gerstmann blieb nichts anderes übrig, als das Bürgerbüro im Neubau zu schließen und es gegenüber im alten Rathaus wieder einzurichten.

Gestern war erneut Kartonschleppen angesagt. Das Sozialamt bezog Zimmer 4 im Erdgeschoss des alten Rathauses, Mitarbeiter des Standesamtes räumten Akten und Mobiliar in den ersten Stock in Raum 22, dessen Wände zuvor schnell noch mit hellgelber Farbe übertüncht wurden, weil sie nicht mehr ansehnlich aussahen.

Geruch hat sich verstärkt

Heute werden Luft- und Materialuntersuchungen in den Räumlichkeiten vorgenommen, in denen dicke Luft herrscht und die sich alle ausnahmslos im Erdgeschoss des Neubaus befinden. „Wir haben vor einem Jahr schon mal eine Untersuchung der Räume gehabt, dort war alles im Rahmen der zulässigen Werte – Aldehyde und alles, was so in Möbeln und Stoffen sein kann. Aber jetzt hat sich der Geruch verstärkt, der ist recht beißend. Wir hatten einfach das Gefühl, wir sollten darauf reagieren und haben die Mitarbeiter aus den Räumen rausgenommen“, sagt Bauamtsleiter Stephan Kruse. Das zu überprüfen sei einfach deren Fürsorgepflicht. Drei Mitarbeiter seien von dem Umzug betroffen – zwei Kollegen aus dem Sozialamt, einer aus dem Standesamt.

„Jetzt müssen wir sehen, was die Messungen erbringen. Ob wir vielleicht einen Teppich oder irgendwas rausreißen müssen“, so Kruse. Die beteiligten Baufirmen und Gutachter seien heute bei dem Termin dabei. „Dann werden Proben genommen. Wir versuchen zu klären, ob sich Unverträglichkeiten ergeben haben, etwa beim Teppich und dem verwendeten Kleber. Ob es dort vielleicht zu einer Reaktion gekommen ist. Denn es geht schon um das Thema Gewährleistung“, teilt der Bauamtsleiter mit.

Bürgermeister: "Ich will jetzt Klarheit haben"

Bürgermeister Heiko Gerstmann ist auch schon gespannt auf die Ergebnisse der Untersuchungen. „Ob der Kleber falsch verwendet wurde – ich weiß es nicht“, so der Verwaltungschef. Bei der Untersuchung vor einem Jahr seien zwar Lösungsmittel gemessen worden, aber die Grenzen seien seines Wissens nach eingehalten worden. „Damals hieß es: ,Lüftet mal einen Monat ein bisschen länger, dann ist alles gut.‘ Aber das hat sich so ja nicht bewahrheitet. Ich will jedenfalls jetzt Klarheit haben. Die Ursache muss bekämpft werden“, macht Gerstmann deutlich.

Das Neue Rathaus in Reinfeld wurde für 1,4 Millionen Euro errichtet. Baubeginn war im Herbst 2015, bezogen wurde es im Dezember 2016.

Von Britta Matzen

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