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Stormarn Alkoholverbot: Reinfelds Flaniermeile soll sauber bleiben
Lokales Stormarn Alkoholverbot: Reinfelds Flaniermeile soll sauber bleiben
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22:35 01.07.2013
Von Michael Thormählen
Ein zufälliges Treffen: Die Polizeibeamten Jörg Latzke (l.) und Jürgen Böttcher im Gespräch mit Schülern aus Polen. Quelle: Thormählen

Das Idyll war so, wie es sein sollte. Sonnenschein über der schmucken Promenade am Herrenteich, und Reinfelds Flaniermeile präsentierte sich gestern im schönsten Glanz. Da gab es auch für Polizeikommissar Jürgen Böttcher und Hauptmeister Jörg Latzke keine Probleme, mit jungen Leute ins Gespräch zu kommen, bei dem es sich auch um ein Thema drehte: das neue Alkoholverbot.

Die Stadt hatte diese bisher im Norden einzigartige Verfügung erlassen, um den Lärmpegel und die Verschmutzungen in ihrer guten Stube drastisch zu reduzieren. Und das aus wichtigem Grund — immerhin hat Reinfeld erhebliche Summen investiert, um den Bereich aufzuhübschen. „Nach den Beschwerden und schlimmen Vorfällen gab es keine andere Möglichkeit mehr“, erklärte Wolfram Zieske, Leiter des Ordnungsamtes im Rathaus. Bekannt sind zeitlich begrenzte Alkoholverbote, die von kommunalen Ordnungsbehörden verhängt werden, unter anderem an Himmelfahrt, wenn angetrunkene Ausflügler in größeren Gruppen auf den von ihnen favorisierten Plätzen zusammenkommen.

Das ist in Reinfeld anders: Ab sofort darf von April bis Oktober in der Zeit 18 bis 6 Uhr auf der Promenade, der Grünanlage am Herrenteich und Teilen des Wanderwegs bis zur Badeanstalt kein Alkohol konsumiert werden. Eine Verschärfung gibt es sogar für den Bereich der Boulebahn und der hölzernen Sitzdecks am Herrenteich: Hier besteht ein Alkoholverbot von 16 bis 6 Uhr. Als die beiden Polizeibeamten gestern auf eine Gruppe junger Leute trafen, war dies eher zufällig — die Schüler im Alter zwischen 14 und 16 Jahren kommen aus der polnischen Stadt Kaliska und nehmen zurzeit an einem Austauschprogramm in Reinfeld teil.

Leider interessieren sich andere junge Leute nicht nur für die Schönheiten der Natur. „Der Bereich ist für Jugendliche und Heranwachsende zu einem beliebten Treffpunkt geworden, vor allem an Wochenenden. Und da wurden Unmengen an Alkohol konsumiert“, erklärte der Leiter der Polizeistation, Stephan Albrecht. Einen ersten unrühmlichen Höhepunkt habe es zum Tanz in den Mai gegeben: „Da sah das beinahe wie auf einem Trümmerfeld aus.“

Für Wolfram Zieske gab es keine anderen Möglichkeit, als zu dieser höchst ungewöhnlichen Maßnahme zu greifen. „Es hat zahlreiche Beschwerden wegen des Lärms gegeben. Dazu kamen Verunreinigungen sowie Glasscherben, weil Flaschen zerschlagen wurden. Davon betroffen war auch der kleine Spielplatz“, erläuterte der Leiter des Ordnungsamtes.

Nach den Beobachtungen der Polizei hängen die alkoholbedingten Exzesse vor allem von der Witterung ab. „Am vergangenen Wochenende war es nicht so schön. Da blieb es verhältnismäßig ruhig“, sagte Hauptkommissar Albrecht. Wenn die von den Meteorologen für die nächsten Tage vorhergesagte Besserung eintrifft, dann werden auch die Beamten vor Ort sein. Teilweise hätten sich Gruppen mit bis zu 20 jungen Leute am Herrenteich getroffen, die „dann über die Stränge geschlagen haben“. Die Folge: Anwohner hatten die Polizei verständigt, weil sich sich erheblich belästigt fühlten. Stephan Albrecht:

„Wir hatten an einem Wochenende bis zu vier Einsätze.“

Die Beamten selbst, so der Polizeichef weiter, hätten kaum Probleme gehabt, um für Ruhe zu sorgen: „Es gab keine Widerstandshandlungen.“ In den Reihen der jugendlichen Zecher sei es allerdings nicht immer friedlich zugegangen. Hier hätten sich Schlägereien mit schweren Körperverletzungen ereignet. Die Stadt hat das Verbot verhängt, die Polizei wird es durchsetzen — die Aufgaben sind klar verteilt. Alkoholsünder können damit aufgefordert werden, Müll und Abfall sofort selbst zu beseitigen. Außerdem kann ein Platzverweis ausgesprochen werden.

Die Beamten haben einen Ermessensspielraum, wollen aber keine Ausnahmen zulassen. „Auch Radfahrer oder Wanderer dürfen keinen Alkohol trinken“, sagte Jürgen Böttcher. Was bislang fehlt, sind Schilder, die auf der dauerhafte Verbot hinweisen. „Die kommen noch“, versprach Wolfram Zieske.

Michael Thormählen

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