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Stormarn Alle Brunsbeker helfen Familie Fischer
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21:41 02.06.2016
Milchbauer Christian Fischer mit „Nanina“ (7), der schönsten Kuh Norddeutschlands. Das Tier wurde Anfang des Jahres prämiert. Das Großfeuer hat „Nanina“ wie alle anderen Tiere gut überstanden. Quelle: Fotos: Burmester

Nur noch der vordere Teil des Bauernhauses steht, der Rest liegt in Schutt und Asche. Mittendrin wuselt Landwirt Christian Fischer über seinen Hof und behält dabei stets den Überblick. Nach dem verheerenden Großbrand am Montag ist nichts auf dem Fischer-Hof mehr, wie es einmal war.

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Milchbauer Christian Fischer mit „Nanina“ (7), der schönsten Kuh Norddeutschlands. Das Tier wurde Anfang des Jahres prämiert. Das Großfeuer hat „Nanina“ wie alle anderen Tiere gut überstanden.

Die Familie wohnt jetzt in einem Bauernhaus in der Nachbarschaft. Freunde haben ihnen die Wohnung zur Verfügung gestellt. „Als wir am Abend nach dem Brand dort ankamen, war da sogar eine Zahnbürste für jeden von uns, Seife, Handtücher und vieles mehr. Das ging uns schon unter die Haut und ich habe immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagt Fischer.

Doch wie gut die Gemeinschaft im Ort funktioniert und auch über die Gemeindegrenzen hinaus, zeigte sich spätestens bei der Versorgung der Tiere. Fischer muss morgens und abends 78 Kühe melken. Doch bei dem Großfeuer ist auch sein kompletter Melkstand ein Opfer der Flammen geworden und liegt seither unter den Trümmern. Andere Milchbauern eilten zur Hilfe, brachten mobile Melkanlagen mit, um die Tiere wenigstens melken zu können.

Doch die Milch, und das sind immerhin etwa 2000 Liter am Tag, muss Fischer entsorgen. „Wir haben ja keinen Tank und auch keine Kühlung mehr. Außerdem muss alles hygienisch einwandfrei sein und auch das geht derzeit nicht. Wir haben kein heißes Wasser. Deswegen muss ich jeden Tag die Milch in die Gülle kippen“, erklärt der Milchbauer und Züchter.

Futter für die Tiere, melken und vieles mehr sind also dank der Hilfe, die die Familie Fischer erfährt, kein Problem. Aber als es um Wasser ging, zeigte sich die Hamburger Wasserbehörde von einer Seite, die Fischer nicht erwartet hatte. Er wollte eine Standleitung zum Hof haben, doch das sei überhaupt nicht möglich, hatte ihm die Behörde in einem Telefonat mitgeteilt. Man könne ihm einen Wasserwagen zur Verfügung stellen. Dann müsse er das Wasser vom Wagen mit Eimern verteilen, hatte man dem Landwirt geraten. Und die Behörde beeilte sich in dem Telefonat Fischer auch mitzuteilen, dass solch ein Wasserwagen 750 Euro Miete pro Tag koste. „Hier war das Gespräch für mich beendet“, sagte Fischer.

Inzwischen konnten Installateure eine provisorische Leitung an seinem Hausanschluss im Keller anschließen. Die Kühe haben jetzt wieder fließend Wasser. Für Fischer eine ungeheure Erleichterung. Strom bekommt der Landwirt von einem leistungsstarken Notstromaggregat, das er angemietet hat. Das Technische Hilfswerk (THW) hatte nach dem Brand dafür gesorgt, dass die Anschlüsse passten und dass wichtige Leitungen verlegt wurden.

Inzwischen geben sich Mitarbeiter der Versicherungen die Klinke in die Hand. Beraten und verhandelt wird in der Maschinenhalle, denn das Wohnhaus ist völlig unbewohnbar. In dem noch verbliebenen Teil des alten Gemäuers ist der Wasserschaden so immens, dass die Decken teilweise herunterkommen. „Ich glaube nicht, dass man das Haus noch retten kann", sagt Fischer schon ein wenig wehmütig. Aber ihm ist viel wichtiger, dass alle Menschen mehr oder weniger unverletzt geblieben sind und auch seine Kühe den Großbrand unbeschadet überstanden haben.

Fischer hofft, dass er bis zum Ende der Woche einen neuen Behälter für die Milch bekommt und dass auch möglichst schnell eine Kühlung, heißes Wasser und was sonst noch benötigt wird, zur Verfügung stehen. Wenn der Melkbetrieb wieder so läuft, dass er seine Milch lagern und an die Molkerei abgeben darf, wird auch seine Milchtankstelle auf dem Hof wieder in Betrieb gehen. Auch die musste vorläufig geschlossen werden.

Tolle Dorfgemeinschaft

„Eine Welle der Hilfsbereitschaft“ titelten die LN Anfang 2013. Damals hatte eine vierköpfige Familie im Brunsbeker Ortsteil Langelohe bei einem Großfeuer ihr Haus verloren. Und schon damals unterstützten viele Brunsbeker sofort die obdachlos gewordene Familie. Sie stellten ihr nicht nur eine Wohnung zur Verfügung, sondern starteten eine Sammlung. Nachbarn gingen von Haus zu Haus, und die Einwohner gaben gerne Geld und Sachspenden.

 Jens Burmester

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