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Stormarn Als Autos fast noch Kutschen waren
Lokales Stormarn Als Autos fast noch Kutschen waren
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10:51 27.06.2017
Ein schwarz-goldgelber Hingucker: Der Oakland Torpedo Roadster, Baujahr 1911, mit Thomas Degenhardt aus Bargteheide am Steuer. Quelle: Fotos: Hiltrop
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Bad Segeberg/Nütschau

Die Oldtimertour durch Segeberg sei ein Muss, sagt Bernd Matschke, klettet in seinen feuerroten TR6 und knattert davon. Knattern ist dabei vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck, Röhren und Blubbern trifft es bei dem britischen Flitzer aus den 1970er Jahren eher. Es ging um Punkte bei der 37. Oldtimerfahrt des Automobil- und Motorclub Bad Segeberg (AMSC) am Wochenende. Aber es ging auch darum, die schmucken Karossen durch die Gegend zu kutschieren. Die Fahrer genossen es jedenfalls sichtlich, dass sich in so mancher Gemeinde, etwa in Groß Niendorf und in Strukdorf, an der Strecke die Passanten am Fahrbahnrand postiert hatten.

99 Teilnehmer kutschierten am Sonntag ihre Oldtimer durchs Segebergische. Positives Fazit zur 37. Oldtimerfahrt des AMSC.

Applaus und Bewunderung für die alte Technik auf zwei oder vier Rädern gab es im Ziel auf dem Marktplatz von Bad Segeberg, aber auch schon ein paar Stunden zuvor beim großen Mittagsstopp auf dem Dorfplatz in Leezen. Das besonders Interesse der Gucker und Stauner galt dem alten Oakland Torpedo Roadster, Baujahr 1911, gesteuert von Thomas Degenhardt und dem Ford Tin Lizzy aus dem Jahr 1912.

Beiden ist ihre Abstammung von der Kutsche anzusehen: Messinglampen, Bügel-Federung, ledernes Faltdach. Aber auch Fans formschön geschwungener Flitzer aus den 1960er Jahren – mit rund 20 Startern die größte Teilnehmerklasse – bekamen feines Blech zum sattsehen.

So mancher Fahrer von weiter her hatte sein Schätzchen auf dem Anhänger zum Startpunkt, dem Autohaus Senger in Bad Segeberg, gefahren. Aber es gab auch diejenigen, die „auf eigener Achse“ angereist waren und demzufolge mehr als die 115 Oldtimerfahrt-Kilometer hinter sich gebracht hatten.

Fazit von Fahrleiter Arno Wichmann vom AMSC zur Veranstaltung: „Wir sind von A bis Z zu frieden mit dem Ablauf und den Ergebnissen.“ Zwar seien es letztendlich nicht 106, sondern nur 99 Starter gewesen, aber das habe weder mit dem Wetter noch mit der Veranstaltung zu tun gehabt. Das dennoch große Teilnehmerfeld sei in der Altersstruktur der Fahrzeuge gut gemischt gewesen, Motorräder und Automobile hätten sich die Waage gehalten. Und es habe keine größeren Störungen gegeben, betont er. „Nur ein Trabi mit Anhänger ist liegengeblieben“, fasst Wichmann zusammen und kommt noch einmal auf die beiden über 100-jährigen Autos zu sprechen: „Der Oakland und der Tin Lizzy haben keinerlei technische Probleme gehabt. Daran kann sich so manches heutiges Fahrzeug ’ne Scheibe abschneiden.“

Die Klassenbesten auf zwei und vier Rädern

Sekundengenaue Sollzeitprüfungen auf der Strecke flossen in die Wertung ein. Dafür splitten sich die Oldtimer in verschiedene Altersgruppen auf und sie teilen sich nach Automobile (A) oder Motorräder (M) ein. Die Klassenbesten der 37. Oldtimerfahrt des AMSC Bad Segeberg sind: Eckhard Stave, Beifahrer Marcus Kähler, aus Bornhöved in seinem Ford (Klasse A7/A8, bis Baujahr 1930), Dieter Krekeler, Beifahrerin Jenny Krekeler, aus Kaltenkirchen mit seinem Ford Popular (Klasse A10, Baujahr 1945 bis 1960). In der Klasse A11 stand Hans-Ulrich Blankenburg aus Bad Schwartau mit seiner Frau Barbara als Beifahrerin in seinem BMW 1600 Cabriolet ganz oben auf dem Siegertreppchen. Die Startnummer 87 brachte Uwe Huntemann aus Delmenhorst und seinem Beifahrer Karl-Ernst Meyer aus Ganderkesee Glück. Das Team im VW-Käfer Cabriolet gewann in der Klasse A12, der Automobile aus den Baujahren 1970 bis 1980. Bei den jüngsten Autos, bis Baujahr 1987 (A13), fuhr Dieter Schäfer aus Pattensen mit seiner Beifahrerin Marina Deike aus Sarstedt im Porsche 924 an die Spitze. In der ältesten Motorradklasse (M2, bis Baujahr 1930) gewann Robbin Lewe aus Sommerfeld (Brandenburg) auf seiner NSU 501 T, sein Vater Ronny führte auf einer EMW die Klasse M4, bis Baujahr 1960 an. Bernd Stinski aus Hechthausen auf seiner Zündapp KS 60 setzte sich an die Spitze der Bikes bis Baujahr 1945 (Klasse M3). Und Walter Gottbrecht aus Kiel wurde mit seiner BMW R69 S Bester in der Klasse M5 bis Baujahr 1970. Die jüngste Zweiradklasse (M6, bis Baujahr 1987) wurde angeführt von Marcus Molter aus Sandersneben auf seiner Suzuki GT 750. hil

Rollende Geschichte aus zwei Jahrhunderten

EMW ist kein Schreibfehler, die „Eisenacher Motorenwerke“ sind tatsächlich eng mit den Bayrischen, BMW, verbunden, wie man am Logo unschwer erkennt. Als Fahrzeugfabrik Eisenach wurden sie 1896 gegründet, rund 30 Jahre später von BMW übernommen, aber nach dem Zweiten Weltkrieg war für die Bayern Schluss in Eisenach. Das Werk wurde verstaatlicht und umbenannt.

Nikolaus Dürkopp, Nähmaschinen-Konstrukteur und -mechaniker, gründete seine Firma 1867, war der erste, der später Fahrräder in Serie produzierte. Autos, Kugellager und Anlagen folgten. Heute gehört die Dürkopp Adler AG mehrheitlich der chinesischen SGSB-Gruppe.

MZ, die „ Motorradwerke Zschopau“, begannen als Armaturenfabrik „Rasmussen & Ernst“ des dänischen Ingenieurs Jörgen Skafte Rasmussen. In Kriegszeiten wurde für die Rüstung produziert und es wurden (erfolglos) Dampfkraftwagen (DKW), später erfolgreich Motorräder und Kleinwagen hergestellt. 1952 wurde MZ das VEB Motorradwerk Zschopau. Im Dezember 1991 meldete das Unternehmen Konkurs an.

Simson, zuvor Stahlhammer, an dem die jüdischen Brüder Moses und Löb Simson Anteile hatten, wurde 1856 von ihnen übernommen. Sie bauten später unter anderem Fahrräder, Autos, Waffen und Kinderwagen. Die Nazis zwangen die Unternehmens-Nachfolger, zwei Söhne, auf das Werk zu verzichten. Die Familie Simson flüchtete 1936 in die USA. Zu DDR-Zeiten war Simson ein bedeutender Zweiradbauer.

NSU steht für Nekarsulm. Dorthin hatten Heinrich Stoll und Christian Schmidt ihre 1873 gegründete Strickmaschinenfabrik 1880 verlegt. Später wurden Autos, Fahr- und Motorräder gebaut. hil

 Heike Hiltrop

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