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Stormarn „Als Bürgermeister ist man Prellbock“
Lokales Stormarn „Als Bürgermeister ist man Prellbock“
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20:30 14.10.2017

Herr Lembke, Sie sind jetzt genau ein Jahr als Bürgermeister im Amt. Wie waren die letzten zwölf Monate denn so?

Jörg Lembke (49) ist seit Oktober 2016 Rathauschef in Bad Oldesloe. Der parteilose Polizist hatte sich in einer Stichwahl mit 69,6 Prozent gegen Jörg Feldmann von der CDU durchgesetzt. Quelle: Foto: Matzen

Teil 2

In der kommenden Woche lesen Sie den zweiten Teil des LN-Interviews. Lembke spricht unter anderem zu den Themen Sparpolitik, Leerstände in der Innenstadt und Wirtschaftsförderung.

Spannend, interessant und arbeitsreich.

Was war der beste Moment?

Es gibt viele gute Momente in meiner Tätigkeit. Das Schönste ist, wenn man mit hochmotivierten Mitarbeitern Dinge entwickelt, die am Ende auch zum Erfolg führen.

Und der Schlechteste?

Es macht mich manchmal traurig, wenn ich erleben muss, dass die Kultur im zwischenmenschlichen Umgang in letzter Zeit sehr gelitten hat. Das gilt für politische Auseinandersetzungen ebenso wie für den Umgang einiger Bürger mit ihrer Verwaltung. Glücklicherweise sind dies Ausnahmen.

Hat Sie auch etwas überrascht?

Die Schwierigkeit, heutzutage im öffentlichen Dienst Personal zu finden, finde ich nach wie vor überraschend. Natürlich bewegen wir uns in einem Markt der Vollbeschäftigung. Ich bin dennoch überzeugt davon, dass die Stadt Bad Oldesloe ein attraktiver Arbeitgeber ist.

Wenn Sie zurückblicken: Sind Sie mit den Ergebnissen Ihres ersten Amtsjahres zufrieden? Oder hätten Sie gedacht, dass Sie mehr anpacken können und schneller Resultate erzielen?

Natürlich nimmt man sich eine Menge vor und ist gelegentlich auch ungeduldig, wenn Dinge zu lange dauern. Gerade die Anzahl an unbesetzten Stellen hat einiges erschwert. Trotzdem sind bereits einige wichtige Dinge angeschoben, deren Resultate wir bald öffentlich machen können.

Konnten Sie in der Stadt schon etwas bewegen und neue Akzente setzen?

Wenn die Frage darauf abzielt, ob man schon etwas sehen kann, muss ich antworten: Ein wenig dauert es noch. Dennoch konnten wir bereits viele Dinge auf den Weg bringen, deren Erfolge sich aus meiner Sicht schon 2018 abzeichnen werden.

Ist man als Bürgermeister auch häufig fremdbestimmt?

Es liegt in der Natur der Sache und im Amt begründet, dass viele Themen von außen an einen herangetragen werden. Sowohl die verwaltungsinternen Abläufe als auch die Anforderungen, die Bürger und Politik an den Bürgermeister haben, sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Dennoch hat man als Bürgermeister durchaus Freiräume, um eigene Ideen zu entwickeln, Projekte anzustoßen und eine eigene Haltung zu dokumentieren.

Wie klappt es mit der interfraktionellen Zusammenarbeit?

Ich bemühe mich um Transparenz und frühzeitige Informationen. Nicht alles ist aber frühzeitig im Ausschuss verkündbar, deshalb ist es schade, dass die interfraktionelle Runde von einer Partei aufgekündigt wurde.

Wie empfinden Sie die Arbeit und das Miteinander in den Ausschüssen?

Ich habe den Eindruck, dass wir nach und nach Vertrauen in die wechselseitige Arbeit aufbauen können. So etwas benötigt Zeit, aber wir sind auf dem richtigen Weg.

Als Bürgermeister stehen Sie ja auch öfter mal in der Kritik und werden angegangen. Mussten Sie sich für den Job ein dickeres Fell anlegen?

Als Bürgermeister ist man auch Prellbock für jede Art von Unmut aus Politik und Bevölkerung. Das ist auch richtig, denn ich trage die Verantwortung für alles, was schief läuft. Wichtig ist dabei, dass nur ich und nicht die Mitarbeiter der Verwaltung in der Öffentlichkeit kritisiert werden.

Sie sind in den vergangenen Monaten durch die Ortsteile getourt und haben das Gespräch mit den Bürgern gesucht. Was haben Sie davon mitgenommen?

Die Resonanz der Bürger war durchweg positiv. Interessant war, dass die Zufriedenheit mit der Stadt in den Ortsteilen im Großen und Ganzen hoch ist. Natürlich gibt es immer Kleinigkeiten, die wir verbessern müssen, aber dort bemühen wir uns auch um möglichst schnelle Umsetzung. Heiß diskutiert wurde natürlich das Thema Ausbaubeiträge bei den Gemeindewegen im Außenbereich. Das ist aber auch verständlich, wenn man bedenkt, dass einzelne Bürger hier zum Teil tief in die Tasche greifen müssen. Dennoch ist diese Vorgehensweise die einzige Möglichkeit für die Stadt, Straßenausbau und die damit verbundenen Verbesserungen für die Bürger umzusetzen.

Wollen Sie diese Ortsteilbegehungen fortführen?

In 2018 sollen die Stadtteile in Bad Oldesloe folgen. Genauso wie die Ortsteile wollen wir uns auch in der Stadt genau ansehen, wo aus Sicht der Bürger Verbesserungsbedarf besteht. Ich hoffe auch hier auf rege Beteiligung. Wir werden die Termine rechtzeitig im neuen Jahr bekannt geben.

Ihr Job als Verwaltungschef ist sicherlich auch sehr anstrengend. Fliehen Sie manchmal aus dem Büro, um Ihre Ruhe zu haben?

Wo soll ich denn hin? Spaß beiseite – ja, ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, es sei nicht anstrengend, Bürgermeister zu sein. Aber das ist genau das, was ich erwartet hatte und wollte, als ich mich zur Wahl gestellt habe. Viel wichtiger ist es, motivierte und kompetente Mitarbeiter zu haben, auf die man sich verlassen kann, und das ist in Bad Oldesloe der Fall. Ruhe brauche ich nur selten, und wenn, dann im Urlaub oder in der Freizeit.

Bleibt Ihnen neben Ihrem Amt noch Zeit für die Familie und für Fußball?

Hier muss ich tatsächlich gestehen, ein schlechtes Gewissen zu haben. Mein Ehrenamt als Vorsitzender des Kreisfußballverbands Stormarn leidet sehr unter dem Mangel an Zeit, und ohne meine Mitstreiter, die mir den allergrößten Teil der Arbeit abnehmen, könnte ich dieses Amt schon lange nicht mehr ausüben. Noch dankbarer bin ich aber meiner Familie und vor allem meiner Frau für ihre Nachsicht mir gegenüber. Da meine Arbeitswoche im Durchschnitt 60 bis 70 Stunden hat und auch am Wochenende Termine auf mich warten, muss sie leider oft auf mich verzichten. Ich bin sehr froh, dass sie hierfür großes Verständnis aufbringt.

Und zum Schluss: Können Sie sich vorstellen, zu einer zweiten Amtszeit anzutreten?

Wenn Sie mich heute danach fragen, kann ich nur mit einem klaren Ja antworten. Ich bin überzeugt, dass man in Bad Oldesloe viel bewegen kann. Wir haben tolle Bürger, die sich an unendlich vielen Stellen ehrenamtlich engagieren. Wir haben eine Stadt mit viel Potential, das in ihr schlummert, und wenn wir alle gemeinsam für die Stadt arbeiten, dann wird man bald deutliche Veränderungen wahrnehmen. Leider dauern viele Dinge länger, als man es sich wünscht, deshalb wäre eine zweite Amtszeit schon aus dem Grund schön, weil man die Chance hätte, die Früchte, die man gesät hat, auch wachsen zu sehen. Die Entscheidung darüber, ob ich der Richtige bin, müssen in fünf Jahren aber die Bürger dieser Stadt fällen. Für sie bin ich angetreten und für sie gebe ich jeden Tag mein Bestes.

Interview: Britta Matzen

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