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Als Küchenhelfer auf dem Weg in den ersten Arbeitmarkt

Bad Oldesloe Als Küchenhelfer auf dem Weg in den ersten Arbeitmarkt

Andreas Rettig schließt eine Ausbildung in den Werkstätten für behinderte Menschen ab.

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Andreas Rettig (r.) bereitet in der Küche der Oldesloer Schlemmermeile eine Panade für ein Schnitzelgericht vor. Ausbilderin und Küchenchefin Gisela Beck assistiert und kann noch manchen wertvollen Tipp geben.

Quelle: Fotos: M. Thormählen

Bad Oldesloe. „Die Arbeit in der Küche macht großen Spaß, vor allem die Zubereitung von Speisen. Ich will jetzt noch einige Erfahrungen sammeln, kann mir aber vorstellen, später eine andere Beschäftigung zu finden“, sagt Andreas Rettig (46), der vor kurzem seine Ausbildung als Küchenhelfer in den Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) in Bad Oldesloe erfolgreich abgeschlossen hat.

 

LN-Bild

„Wir wollen die Voraussetzungen für die Anforderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt schaffen.“ Sandra Spiecker, soziale Dienste

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In den Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) werden zunehmend junge Leute beschäftigt, die teilweise auch den Hauptschulabschluss nachholen können. Betreutes Wohnen gibt es unter anderem für Menschen mit einer Suchtproblematik. Die WfbM gehört zu den Forsthaus-Einrichtungen, einem Familienunternehmen von Alfred und Stefanie Anders.

„Unser Kollege hat sich sehr verbessert. Vor allem die Vorbereitungen von Fleischgerichten — also Panieren, Marinieren oder Panieren — gehen ihm gut von der Hand“, zieht Ausbilderin Gisela Beck ein positives Fazit. Die Hauswirtschafterin leitet das sechsköpfige Küchenteam in der Schlemmermeile.

Dass Andreas Rettig den nicht einfachen Sprung in den ersten Arbeitsmarkt schafft, ist auch für Sandra Spiecker ein erklärtes Ziel. „Leicht ist das natürlich nicht, denn es herrscht ein ganz anderer Druck und es gibt auch viele Zwänge. Wir wollen aber die Voraussetzungen für die Anforderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt schaffen“, erklärt die Leiterin der sozialen Dienste bei den WfbM. Dies sei auch schon bei anderen ehemaligen Beschäftigten gelungen.

Für den Küchenhelfer war es die erste Ausbildung. Zuvor war der 46-Jährige im Paketdienst tätig, er lebt seit 2011 in einer betreuten Wohnung der Einrichtung. Seitdem ist die Küche auch sein Arbeitsplatz — und das für 40 Stunden pro Woche: „Auch das Aufräumen und der Abwasch stören mich nicht.“ Einblicke in das Berufsleben hat Andreas Rettig bei Praktika gewonnen, die er in den Küchen von Pflegeeinrichtungen absolviert hatte. Dass er weiterhin dazu lernen muss, ist dem Küchenhelfer sehr wohl bewusst. Und seine Chefin hat ebenfalls erkannt, wo es noch ein Defizit gibt. „Bei der Zubereitung von Desserts sollte sich Andreas noch verbessern“, sagt Gisela Beck. Abwechslung gibt es ohnehin ausreichend in der Küche der Schlemmermeile, die jetzt am Oldesloer Rögen ihre neuen Mottwochen gestartet hat — mit Bratkartoffelspezialitäten oder „Essen wie bei Muttern“.

Für den 46-Jährigen beginnt mit dem Abschluss der Ausbildung ein weiterer Lebensabschnitt. Er hat einen Arbeitsvertrag und bezieht ein Gehalt: „Vielleicht kann ich mir dann einen Wunsch erfüllen. Ein Fahrrad habe ich mir ja schon gekauft.“ Mehr Eigenständigkeit durch den Einstieg in das Berufsleben für die insgesamt 80 Beschäftigten sei das erklärte Ziel der anerkannten Werkstätte für Menschen mit Handicaps, erläutert Sandra Spiecker. Die Finanzierung werde auch durch öffentliche Zuschüsse sichergestellt.

Arbeitsplätze gibt es vorrangig im handwerklichen Bereich — in der Tischlerei, in einer Autowerkstatt, einer Fahrradwerkstatt, im Kaufhaus Mehrwert, im Bereich Montage und Verpackung, im Recycling, in der Gärtnerei und im Restaurant. Die Beschäftigten gehören allen Altersgruppen an und wegen ihrer Handicaps „sind unsere Gruppenleiter, die für die Ausbildung zuständig sind, auch im Besitz einer sonderpädagogischen Zusatzqualifikation“, betont Sandra Spiecker. Eine weitere psychologische Betreuung soll auch dank der angebotenen Wohnmöglichkeiten garantiert werden.

Nicht jeder schafft auf Anhieb die zweijährige Helferausbildung, für die der Besuch einer Berufsschule nicht notwendig ist. „Bei uns sind auch Zwölfjährige, die noch schulpflichtig sind, aber einen anderen Weg des Lernens einschlagen müssen“, erklärt die Leiterin der sozialen Dienste. In den WfbM in Bad Oldesloe könnten diese Jungen und Mädchen oft zum ersten Mal spüren, „wie es ist, in einer Familie zu leben“.

Von Michael Thormählen

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