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Stormarn Als das Schwein den Senator angriff
Lokales Stormarn Als das Schwein den Senator angriff
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22:43 13.07.2018
Gemütlich und mit Stil – so hat Familie Nölling ihre Räume auf dem Hof „Hohe Leuchte“ eingerichtet. Hier ein Blick ins große Wohnzimmer.
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Grönwohld

Als der Hamburger Senator Professor Wilhelm Nölling 1980 den Resthof „Hohe Leuchte“ etwas außerhalb von Grönwohld erwarb, war er vor allem auf der Suche nach Natur, Ruhe und Frieden. All das fand er hier – geriet auf seinem Grundstück aber auch schon in Lebensgefahr.

Professor Wilhelm Nölling suchte eine Idylle in der Natur – und fand sie im Kreis Stormarn.

Es passierte, als „Henry“ ein äußerst kräftiges Hängebauchschwein, seinen prinzipiell sehr tierlieben Besitzer angriff. Nölling erzählt: „Es wurde ein Zweikampf, der für mich sehr böse hätte enden können.“ Der Eber sei „mit weit aufgerissenem, schaumigem Maul, aus dem die beachtlichen Hauer breit ausladend herausragten“, auf ihn losgestürmt. Erst als er ihm mit einem Stock auf den Kopf schlug, sei das Schwein abgedreht, rannte vom Grundstück und wurde erst sechs Wochen später völlig entkräftet auf einem Feld in der Umgebung aufgefunden. „Henry“ starb bald darauf.

Zusammen mit elf Geschwistern wuchs der im Jahr 1933 geborene Nölling in einem Dorf im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen auf. Die Familie wohnte in einem Waldarbeiterhäuschen, und der enge Kontakt zur Natur prägte den späteren Politiker nachhaltig. Ab 1954 lebte er in Hamburg, sehnte sich aber nach einem Wohnsitz auf dem Land. Er habe zurück zu den Wurzeln gewollt, erzählt er.

1976 entdeckte Nölling ein verfallenes, aber wunderschönes Reetdachhaus bei Berkenthin im Kreis Herzogtum Lauenburg: „Es war so idyllisch und schön gelegen, dass ich rein verrückt danach wurde.“ Das Haus war leider nur für einige Jahre zu pachten, doch der Senator suchte eine dauerhafte Adresse.

1979 erfuhr Nölling dann, dass „ein Resthof mit riesigen Eichen in der Nähe von Trittau“ zum Verkauf stand. Er griff zu, ahnte aber noch nicht, dass es gut zwei Jahre dauern würde, die beiden baufälligen Wohngebäude und den Stall in einen brauchbaren Zustand zu versetzen.

Das ältere Haus ist etwa um 1700 errichtet worden, hier leben heute eine der Töchter der Familie Nölling, ihr Mann und deren Kinder. Wilhelm Nölling und seine Frau Maria bewohnen ein anno 1875 erbautes Haus nebenan. An dem gab es besonders viel zu sanieren: „Die hintere Giebelwand war noch im Originalzustand. Das heißt, die Steine von 1875 lagen mehr, als dass sie festgemauert waren, in den vielen Fachwerkfächern. Alles war wackelig und undicht.“

1982 war fast alles geschafft, die Familie zog nach Grönwohld in eine gemütlich-rustikale Atmosphäre und auf einen Hof, dessen Name wohl daher stammt, dass hier auf einer Anhöhe einst Leuchtfeuer zur Orientierung an der alten Landstraße von Hamburg nach Lübeck angezündet wurden – quasi als Leuchtturm mitten im Land.

Für die Nöllings war von Anfang an klar, dass sie Tiere halten wollten. Und so lebten auf ihrem Areal dann nicht nur die Hängebauchschweine wie „Henry“, sondern auch Schafe, Ziegen, Pferde, Hühner und Enten. Nach und nach sei auf dem 11 000 Quadratmeter großen Grundstück „ein Hauch von Bullerbü“ entstanden, sagt der Hausherr. Heute geht es ruhiger zu, der Tierbestand hat sich auf einige Kamerun-Schafe und Hühner reduziert – und unter dem Dach haust uneingeladen ein Marder.

In Sachen Gemüse sind die Nöllings weitgehend Selbstversorger. Im großen Garten gedeihen Kartoffeln und Bohnen, Zucchini und Möhren, Kohlrabi und Salat. Und so steht das Ehepaar dann öfter mal an der „Klönschnack-Tür“, bei der man auch nur die obere Hälfte öffnen kann, und schaut zufrieden auf das, was es hier geschafft hat. Sie hätten sich einen echten Wohn-Traum erfüllt, sagen beide.

Hamburger Volkswirtschaftler

Wilhelm Nölling studierte in Hamburg und Berkeley Volkswirtschaft und unterrichtete ab 1966 Studenten. 1969 begann seine politische Karriere als SPD-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Hamburg-Eimsbüttel. Fünf Jahre später wechselte er ins Hamburger Rathaus und wurde Gesundheits-, später Wirtschafts- und später Finanzsenator. Von 1982 bis 1992 war Nölling Präsident der Landeszentralbank in Hamburg und Mitglied des Zentralbankrates der Deutschen Bundesbank. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter einen persönlichen Erinnerungsband „Hohe Leuchten“.

Norbert Dreessen

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