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Stormarn Als die Bilder lügen lernten
Lokales Stormarn Als die Bilder lügen lernten
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20:40 27.12.2017
Man sieht, dass für diese Karte dasselbe Fotomotiv benutzt wurde, allerdings wurde die Umgebung verändert. QUELLE: KREISARCHIV NORDFRIESLAND
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Bargteheide

Als 1963 die Gründungsvertreter des Schulverbands Stapelfeld fotografiert wurden, waren drei von ihnen gar nicht dabei. Trotzdem erscheinen sie in dem offiziellen Foto, das im Gemeindearchiv von Siek aufbewahrt wird. „Dazu habe ich ein anderes Foto von 1959 im Bestand, auf dem einer der Herren genauso abgebildet ist, wie er später in dem manipulierten Foto erscheint“, erzählt Amtsarchivar Leif Erik Pöppel. „An feinen Rändern im Foto erkennt man, dass die drei Fehlenden offenbar aus anderen Fotos heraus geschnitten und in das neue Bild wie bei einer Collage eingeklebt worden sind.“

Bildmanipulation gab es schon lange vor Bildbearbeitungsprogrammen am Computer: In Stormarns Archiven liegen Beispiele, wie schon vor Jahrzehnten die Wirklichkeit dem Wunsch angepasst wurde. Retusche, Collage und künstlerische Freiheit bei den Farben waren bei Aufnahmen ebenso dabei wie die Kamera.

Mehr Schein als Sein

Das Gruppenfoto ist kein Einzelfall, denn Manipulationstechniken in der Fotografie sind schon älter als hundert Jahre. „Mittels Bleistift wurden auch Konturen auf Fotos nachgezeichnet, um sie besser erkennbar zu machen“, sagt Pöppel, der dafür als Beispiel das Foto eines Zuges zeigt, dessen scharfe Ränder unter der Lupe den Bleistiftstrich sichtbar machen. „Man weiß auch, dass Lenin auf einigen Fotos ohne Trotzki gezeigt wurde, nachdem der später in Ungnade gefallen war. Man hat ihn nachträglich aus dem Bild retuschiert.“

Auch in Bargteheide finden sich Beispiele für Bildmanipulation im Archiv. „Es gibt eine Ansichtskarte aus Bargteheide um 1930, die den Tremsbütteler Weg zeigt und auf der am Himmel eindeutig ein Propellerflugzeug hinzugefügt wurde“, sagt Bargteheides Stadt-Archivarin Hannelies Ettrich. „Wahrscheinlich sollte die Szene dadurch einen modernen, weltoffenen Anstrich bekommen.“

Sehr verbreitet war auch die Montage eines Luftschiffs, das laut Glindes Archivar Dr. Carsten Walczok auf Ansichtskarten über fast jedem Dorf auftauchte. „Das war groß in Mode bei den Kartenherstellern. Ein Beispiel dafür ist in meinem Archiv leider nicht erhalten.“ Bei einer anderen Karte aus derselben Zeit schwimmen auf dem Dorfteich am Bargteheider Pferdemarkt Entchen im Vordergrund, bei denen man eindeutig den geschnittenen Rand erkennt. „Ansichtskarten sind Zeitdokumente“, betont Hannelies Ettrich, „kulturhistorische Spiegelbilder der Gesellschaft in vielerlei Hinsicht.“ So sollten die Ansichtkarten in der Zeit des wachsenden Tourismus vor allem ein Image transportieren und nicht unbedingt die Realität.

Die so genannten Mondscheinkarten waren eine Modeerscheinung in der Ansichtskartenwelt um 1900, so Hannelies Ettrich weiter. „Als Farblithografien geben sie die Illusion einer Nachtaufnahme und romantisieren die Örtlichkeit.“ Dafür hat auch Ahrensburgs Stadtarchivarin Dr. Angela Behrens ein paar Beispiele im Bestand. Die Ansichtskarte zeigt den alten Marktplatz der Schlossstadt bei stimmungsvollem Vollmond und in völlig unrealistischer Farbgebung. „Der Mond ist hinzugefügt worden“, erklärt Dr. Behrens. Ähnliche Motive gab es damals zu jeder Stadt. Auch Schloss Ahrensburg zeigt sich auf einer Ansichtskarte auf eine Weise, wie es in der Realität nie ausgesehen hat. „Die Karten wurden nachkoloriert und alle dunklen Abschnitte nachgezeichnet“, so Ahrensburgs Archivarin.

Dramatik gefragt

„Vermittelt wurde der allerbeste Eindruck einer prosperierenden Landgemeinde“, hält Hannelies Ettrich fest. Das Abbild, das in die Welt geschickt wurde, war gleichzeitig auch Werbung für den Ort.

Bis heute interessieren sich Menschen am ehesten für dramatische Bilder. Wer an die See fährt, will nicht den Schlick bei Ebbe versenden, sondern hohen Wellengang. Nach diesem Prinzip sind die Aufnahmen eines Zuges auf dem Hindenburg-Damm nach Sylt verändert worden: Almut Ueck, Archivarin des Kreisarchivs Nordfriesland, zeigt das Original und die Manipulation: Hier lecken hohe Wellen am Gleisbett, wo es eigentlich trocken war. Das gleiche Prinzip wurde beim Foto einer Hallig angewendet. So galt schon früher, dass nicht alles, was man auf einem Bild sieht, auch da ist.

Eine Bildergalerie mit weiteren Fälschungen finden Sie unter www.LN-online.de/stormarn

Von Bettina Albrod

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