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Stormarn Als die Franzosen in Stormarn aufmarschierten
Lokales Stormarn Als die Franzosen in Stormarn aufmarschierten
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20:25 18.10.2013
Carsten Walczok mit seinem Buch über die Befreiungskriege. Quelle: ba
Barsbüttel

Ein Säbelhieb ließ am 6. Dezember 1813 den dänischen Oberst Bonniche Bonnichsen in Siek tot vom Pferd sinken. Er liegt seitdem auf dem Sieker Friedhof begraben. An ihn, die Zeit der französischen Besatzung zu Napoleons Zeiten und an die Schlacht bei Alt-Rahlstedt/Siek erinnern eine Gedenktafel an der Sieker Kirche, ein Schlachten-Gemälde in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen und jetzt auch ein Buch des Historikers und Archivars Carsten Walczok. Gemeinsam mit Lauenburgs Ex-Archivar William Boehart hat er die Jahre der französischen Besetzung unter Napoleon in Schleswig-Holstein untersucht. „Sturm über Schleswig-Holstein: Der Krieg von 1813/14 in Schleswig-Holstein“ ist im Wachholtz Verlag (Neumünster) erschienen.

Walczok möchte mit dem Buch, das Beiträge verschiedener Autoren zum Thema aufnimmt, ein neues Licht auf die Napoleonische Zeit in Norddeutschland werfen. „Der Mythos von der Befreiung ist nicht wahr“, so Walczoks These. „Der beruht auf einer falschen Geschichtsschreibung im 19. Jahrhundert, nach der die Deutschen Frankreich angeblich besiegt haben.“ Tatsächlich habe es die Deutschen im heutigen Sinne noch gar nicht gegeben.

„Im Norden des ehemaligen Deutschen Reiches war die Situation verwirrend“, erläutert der Historiker. „Bremen, Hamburg, Lübeck und das Land dazwischen gehörten zu Frankreich, und seine Bürger leisteten ihren Kriegsdienst in der französischen Armee. Zugleich aber kämpften viele Freiwillige in den Reihen der Alliierten als Hannoveraner oder in der Hanseatischen Legion gegen ihre Landsleute auf Seiten Frankreichs.“ In der Schlacht von Sehestedt hätten Schleswig-Holsteiner auf Schleswig-Holsteiner geschossen.

Damals hatten sich Frankreich und Dänemark verbündet. Nachdem Napoleon bei Leipzig geschlagen wurde, zogen sich die Dänen über die Bille nach Schleswig-Holstein zurück und hofften, dass die schwedischen Truppen Napoleon nachsetzen würden. Die wandten sich aber stattdessen gegen Dänemark und erpressten von ihm Norwegen, was im „Kieler Frieden“ 1814 besiegelt wurde. „In Bad Segeberg steht ein Haus aus dem Jahr 1789, der ,Höhlenkrug‘, in dem hat der Kronprinz von Schweden übernachtet.“

Walczok hat solchen Spuren nachgespürt, erwähnt den Lübecker Fleischermeister Prahl, der 1813 von den Franzosen hingerichtet wurde, nachdem er spöttische Bemerkungen bei einer Musterung gemacht hatte, schreibt über einen Lauenburger, der für ein kleines Vergehen getötet wurde, bei dem sich herausstellte, dass er es nicht begangen hatte, oder über die Belagerung des französischen Hamburgs, die fortgesetzt wurde, weil noch keiner wusste, dass Napoleon abgedankt hatte. „Ein Bote wurde nach Paris geschickt, und erst, als er das Gerücht bestätigte, zog man ab“, so Walczok. Erwähnt ist auch Anne Lühring, die sich in den Kleidern ihres Bruders ins Lützowsche Freikorps schlich und als Soldat kämpfte.

Walczok möchte mit seinem Buch Geschichte verstehbar machen. „Stormarn war eigentlich immer nur Durchgangs- und Aufmarschland“, sagt er. „Die Franzosen waren nie richtig in Schleswig-Holstein.“ An die Napoleon- Zeit erinnerten heute noch die Franzosen-Brücken in Reinbek oder Trittau. „Die Leute waren froh, die Besatzung weg zu haben“, resümiert der Autor. „Aber die Franzosen hatten eine viel liberalere Gesetzgebung, die sie mitgebracht hatten. Die machten die alten Herrscher sofort wieder rückgängig.“ Die Zeit sei sehr spannend und in der Geschichtsschreibung vernachlässigt worden, hat Walczok beobachtet. „Auch Stormarn könnte mehr aus seiner Historie machen“, sagt er. „Das könnte ein Touristenmagnet sein. Richtig verpackt, hat Geschichte ihren Wert.“

Vielseitiger Autor
Carsten Walczok (51) ist Historiker und leitet die Archive in Glinde, Reinbek und Barsbüttel. Mit der Franzosenzeit in Norddeutschland hat er sich schon als Student befasst. In Lauenburg stellt Walczok historische Schlachten in historischen Uniformen nach. Er berät das Therapie-Theater Reinfeld derzeit bei einem Film über die Nazizeit, in dem er auch selber mitspielt.


Für Januar 2014 bereitet er in Glinde eine Ausstellung über das alte Kurbelwellenwerk vor. Er ist Autor zahlreicher Kinderbücher und historischer Bücher. „Sturm über Schleswig-Holstein:

Der Krieg von 1813/14 in Schleswig-Holstein“ ist gerade erschienen und kostet 19,90 Euro.

Bettina Albrod

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