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Stormarn Viele Kirchsteige führen nach Eichede
Lokales Stormarn Viele Kirchsteige führen nach Eichede
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16:45 27.09.2018
Alfred Gatermann zeigt die Stelle, an der die Nutzer des historischen Kirchsteigs von Mollhagen nach Eichede zwischen Steinen aufs Feld wanderten. Quelle: Dorothea von Dahlen
Mollhagen

Viele Wege führen nach Rom und manchmal auch nach Eichede. Lange bevor Diesel und Benziner sich auf Asphaltpisten durch Stormarn schlängelten, brachen die Gläubigen aus den umliegenden Dörfern noch zu Fuß zur Kirche auf. Die über Jahrhunderte ausgetretenen Pfade waren lange Zeit die einzig verfügbaren Verkehrswege nach Eichede. Kirchsteige dieser Art gab es mutmaßlich schon im Mittelalter. Denn das Gotteshaus ist in historischen Dokumenten erstmals im Jahr 1280 verzeichnet. Einige Geschichtsinteressierte aus der Gemeinde Steinburg, zu denen auch Alfred Gatermann aus Mollhagen gehört, wollten das alles genauer wissen und erforschten den Verlauf des Wegenetzes. Die Erkenntnisse, die die Heimatforscher der Gruppe „Uns Dörp Eik“ dabei gewonnen haben, sollen beim Erntedankgottesdienst am kommenden Sonntag, 30. September, in der Kirche präsentiert werden.

So richtig Schwung kam in die Recherche, als in Sprenge und Eichede 2009 ein besonderes Jubiläum anstand. In beiden Ortsteilen von Steinburg sollte die Ersterwähnung der Dörfer vor 750 Jahren gefeiert werden. „Das Festkomitee hat damals den Umzug organisiert und in der Bevölkerung nachgefragt, wer etwas dazu beitragen will“, erinnert sich Alfred Gatermann. Als Mitglieder der Plattdeutschgruppe „Uns Dörp Eick“ seien er und Hans-Ulrich Michaelsen dann auf die Idee gekommen, die alten Kirchsteige um Eichede herum zu erforschen. Schließlich führte ja einer der historischen Wege tatsächlich von einem Jubiläumsdorf zum anderen. Und da auf der Route auch Mollhagen lag, stellte diese Aktion sogar eine Verbindung zwischen allen drei Steinburger Ortsteilen dar.

Die so genannte Napoleonbrücke in Mollhagen aus dem Jahr 1810, die heute auf der Umleitung vom eigentlichen Kirchsteig nach Eichede überschritten wird. Quelle: Dorothea von Dahlen

Doch bevor die Kirchbesucher damals von Sprenge zum Jubiläumsgottesdienst nach Eichede gelangen konnten, musste erst einmal Klarschiff gemacht werden auf den zum Teil völlig verwachsenen Wegen und natürlich improvisiert werden. „Wir sind alle Routen abgeschritten, haben das Kraut entfernt und Hindernisse weggeräumt“, erzählt der Heimatforscher. Eines aber war zu mächtig, als dass die Gruppe Hand anlegen konnte. Denn quer über dem historischen Weg stand nun die Biogasanlage, die vielen Steinburgern inzwischen Nahwärme spendet. „Wir haben deshalb einen Bogen darum machen müssen und die Wegeführung so geändert, dass sie auf der Pflasterstraße verläuft und man über die Napoleonbrücke wandert“, sagt Alfred Gatermann. Bei seinen Recherchen kam er mit vielen Alteingesessenen ins Gespräch, die auch einige Anekdoten zum Thema beisteuerten. So erzählt man sich, dass es auf dem Kirchsteig schon ähnliche Hindernisse zu überwinden galt. In früheren Zeiten soll ein Bauer auf dem Flurstück Haverkasten seine Scheune mitten auf dem Weg von Schiphorst nach Eichede errichtet haben. Nachdem sich einige Kirchgänger beschwert hatten, soll der gute Mann sonntags die Tore geöffnet haben, auf dass sie hindurchwandern konnten. Erkennbar sind die Steige heute noch an ganz markanten Stellen. So etwa an einem Knick bei Mollhagen. Damit die Kirchgänger es leichter hatten, wurde damals ein Durchbruch geschaffen. Die Steine, mit der der Bauer zu verhindern suchte, dass seine Tiere sich durch diese Furt davonmachen könnten, liegen immer noch dort.

Als Krönung des Projektes pilgerten zum Jubiläumsgottesdienst im Jahr 2009 tatsächlich 30 Gläubige zur Kirche nach Eichede, wobei viele in Herrgottsfrühe aufbrechen mussten, denn die Andacht begann schon um 9.30 Uhr. So früh erwartet Pastorin Susanne Schumacher die Besucher am kommenden Sonntag in der herbstlich geschmückten Kirche indes nicht. Der Erntedankgottesdienst beginnt um 11 Uhr und wird von der Gruppe „Uns Dörp Eik“ mitgestaltet. Der Vorsitzende Gerd Peemöller, Alfred Gatermann, Hans-Ulrich Michaelsen und Joachim Stapelfeldt präsentieren eine Karte der Kirchsteige und erzählen etwas über ihre Geschichte. Mitglieder des Kirchengemeinderates tragen herbstliche Texte vor, Kantor Andis Paegle und die Kantorei musizieren dazu. Wer mag, darf sich im Anschluss an einer kräftigen Suppe laben.

Dorothea von Dahlen

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