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Am Bad Oldesloer Bahnhof stehen viele Fahrrad-Boxen leer

Bad Oldesloe Am Bad Oldesloer Bahnhof stehen viele Fahrrad-Boxen leer

Braucht die Stadt eine voll automatische Parkgarage für Räder? FBO–Politiker kritisieren das 785 000 Euro teures Projekt – denn das Radhaus wird hoch gefördert.

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Ungenutzte Fahrrad-Boxen zwischen Gleis 4 und Gleis 5 am Oldesloer Bahnhof. Vor den Türen wuchert das Unkraut.

Quelle: Fotos: Matzen, Kuhlmann-Schulz

Bad Oldesloe. Mehr sichere Stellplätze für Fahrräder am Bad Oldesloer Bahnhof – dafür setzen sich Politiker der Stadt seit fast zwei Jahrzehnten ein. 2014 stimmten SPD und Grüne mit knapper Mehrheit für den Bau eines Zukunftsprojekts: eine voll automatische Parkgarage für 120 Fahrräder nach dem Vorbild eines Prototyps, der 2013 in in der Stadt Offenburg errichtet wurde. Zusätzlich einigte man sich darauf, dass 120 weitere Fahrradständer mit Bügel eingerichtet werden. Knapp 600000 Euro hatte die Verwaltung für das Projekt veranschlagt. Kürzlich teilte Bauamtsleiter Thilo Scheuber jedoch mit: „Das Fahrradparkhaus wird teurer – seitens des Herstellers.“ Auch die Baustelleneinrichtung der Bahn werde weitaus umfangreicher, als ursprünglich angenommen.

LN-Bild

Braucht die Stadt eine voll automatische Parkgarage für Räder? FBO–Politiker kritisieren 785000 Euro teures Projekt – Radhaus wird hoch gefördert.

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Jetzt beliefen sich die voraussichtlichen Kosten auf 785 000 Euro.

„Das ist viel Steuergeld für eine Stadt wie Bad Oldesloe, deren Schulden sich nach Einschätzung der Verwaltung in den nächsten Jahren vervielfachen sollen“, gab Friedrich-Karl Kümmel (FBO) beim Bauausschuss im September zu bedenken. Da müsse die Frage erlaubt sein, ob man nicht lieber sparsam wirtschafte und sich 120 Fahrradstellplätze zu erschwinglichen Kosten gönne statt eines vollautomatischen Prestige-Projekts. Während die Verwaltung beauftragt wurde, alle Fördermöglichkeiten noch einmal eingehend zu prüfen, machte sich Kümmel auf den Weg und checkte die Nutzung der 78 blauen Fahrrad-Boxen, die seit Jahren zwischen Gleis 4 und Gleis 5 zur Verfügung stehen.

 „Die Boxen sind zugewachsen und werden gar nicht mehr benutzt. Mehr als die Hälfte der Boxen steht sogar leer“, schlussfolgerte der FBO-Politiker anhand des Unkrauts, das vor den Türen der Kabinen wuchert. Als Beweis reichte Kümmel vergangene Woche bei der Sitzung des Bauausschusses Fotos von den zugewachsenen Abstell-Boxen herum. „Es kann ja wohl nicht sein, dass die Boxen leer stehen. Was wäre, wenn die Leute die Parkplätze im neuen teuren Radhaus auch nicht nutzen“, gab Kümmel zu bedenken.

Der Umstand mit den blauen Boxen sei bekannt und reichlich unzufriedenstellend, gab Bauamtsleiter Thilo Scheuber zu. „Doch das schließt die Bedeutung des Radhauses nicht aus.“ Das Problem bei der Nutzung der Kabinen sei eher die Praxis mit der Handhabung der Schlüssel. „Die Leute haben vor Jahren einmal Pfand dafür gezahlt. Vielfach ist der Schlüssel vermutlich gar nicht mehr in deren Besitz“, vermutet Scheuber. Die Verwaltung würde jetzt die Boxennutzung überprüfen. „Selbst wenn wieder Kabinen frei werden, wären die direkt wieder belegt, weil wir so lange Wartelisten haben“, sagte Wilfried Janson von den Grünen.

Maria Herrmann (SPD) erinnerte die Mitglieder des Bauausschusses bei der Sitzung daran, dass bereits vor langer Zeit eine Entscheidung für das Radhaus gefallen war. „Ich möchte nicht mit Ihnen über Sinn und Unsinn des Radhauses diskutieren“, stellte die Bauausschussvorsitzende klar. Eigentlich sollten bei der Zusammenkunft im Bürgerhaus Fördermöglichkeiten aufgezeigt und ein Sperrvermerk aufgehoben werden. „Die Fördermöglichkeiten sind ein hochkomplexes Thema“, erklärte Thilo Scheuber. Es gebe drei Fördermittelgeber: den Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (Nah.SH), den Förderfonds der Metropolregion Hamburg (Föfo) und den Projektträger Jülich (PTJ).

„Beim Nah.SH könnte die maximale Förderung 75 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten betragen. Dazu gehören aber nicht die Bauneben- oder Architektenkosten“, erläutert Scheuber. Der Föfo lehne sich an die Maßnahme an und fördere maximal bis zu 50 Prozent vom sogenannten Eigenanteil der Stadt. Dann gebe es noch Zuwendungen vom PTJ – maximal 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben für die Einrichtung. „Wir könnten bei einem Eigenanteil von etwa 100000 Euro landen. Aber das ist noch nicht bestätigt worden“, erklärte Scheuber. Zu viel „könnte“ und „wäre möglich“, sagte dazu Uwe Rädisch (CDU), der einen Antrag einbrachte, dass weitere Förderungsideen gesammelt und eine kostengünstigere Lösung geprüft werden solle.

„Das Radhaus wird so hoch gefördert – es wäre schade, wenn die Stadt das Geld nicht aufbringt“, meinte Reiner Hinsch, stellvertretende Landesvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs e.V.

(ADFC) und Vorsitzender des Kreisverbands Stormarn. Für den 900000 Euro teuren Autoparkplatz in der Mommsenstraße hätte die Stadt doch auch 157000 Euro dazu gezahlt. „Aber so ein Radhaus – das ist doch ein Aushängeschild für die Stadt. Das hat noch gar keiner so richtig herausgearbeitet. Stattdessen spricht man immer nur über Kosten“, gibt Hinsch zu bedenken. Zudem würden vom Radhaus alle profitieren. „Auch die Autofahrer. Denn die Leute, die dann mit dem Rad kommen, nehmen keine Parkplätze mehr in Anspruch.“

Grundsätzlich wundert sich Hinsch aber über die Verkehrsplanung in Bad Oldesloe. „Man holt sich Verkehr in die Stadt. Leute aus Lübeck fahren den Parkplatz am Bahnhof an, um mit der Bahn nach Hamburg zu fahren. Aber für die eigenen Bewohner macht man gar nichts. Das passt mit dem Klimaschutz-Konzept so nicht zusammen.“

 Britta Matzen

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