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Stormarn Amtsdirektor Sönke Hansen sagt „tschüs“
Lokales Stormarn Amtsdirektor Sönke Hansen sagt „tschüs“
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21:15 03.06.2016
Das war vor zwei Tagen vor dem Amt Nordstormarn. Sönke Hansen war das letzte Mal in seinem Amt. Jetzt zieht er nach Flensburg. Quelle: Uwe Krog

Seit 1. Juni ist sein Arbeitszimmer verwaist. Aber an der Wand, auf die er erst als leitender Verwaltungsbeamter und später als Amtsdirektor von seinem Schreibtisch aus blickte, hängen noch immer farbige Impressionen aus Nordfriesland. Von dort kommt Sönke Hansen. Zur Linken sind die Bilder des Amtes Nordstormarn in seiner baulichen Entwicklung zu sehen. In der Vitrine des Einbauschrankes aus Eiche stehen Wimpel, Krüge, Zinnteller. Es ist, als ob der Chef jeden Moment wieder kommt.

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Das war vor zwei Tagen vor dem Amt Nordstormarn. Sönke Hansen war das letzte Mal in seinem Amt. Jetzt zieht er nach Flensburg.

Aber Sönke Hansen kehrt nicht mehr zurück an seinen Arbeitsplatz. Er ist in den Ruhestand gegangen. Nur zur Bilanz von mehr als 30 Jahren am Schiefen Kamp 10 in Reinfeld hat er uns Journalisten noch einmal, zum letzten Mal eingeladen. Mit dem Wohnwagen ist er gekommen. In dem wird er die nächsten Monate leben, denn das Haus, das ihm eines seiner drei Kinder in Flensburg derzeit baut, ist noch nicht fertig. Gemeinsam mit Ehefrau Manuela wird er vorerst ein Vagabundenleben führen. Das komplette Gegenmodell zu den vergangenen Jahrzehnten in fest strukturierter Lebensweise.

Mit dem Solardach auf dem Gefährt, mit der wohnlichen Einrichtung auf vier Rädern werde das schon klappen, sagt der heute 62-Jährige selten entspannt. Er lächelt, er macht Späße. Er wirkt, als ob ein Dauerstress von ihm abgefallen ist. Als Sönke Hansen 30 oder 31 war, so genau weiß er das nicht mehr, ist er in diesem Zimmer leitender Verwaltungsbeamter geworden. Oben drüber hatte die Familie ihre Wohnung. Der Mann hatte den denkbar kürzesten Arbeitsweg. Nämlich die Treppe hinunter – und schon war er in seinem Büro. Und das war gut so, denn „ich habe gebrannt für meine Aufgabe“.

Nur, irgendwann konnte auch ein Sönke Hansen nicht mehr. „Selbst unter der Dusche, beim Radfahren gingen mir die Probleme nicht mehr aus dem Kopf.“

Kaffee, Kekse, Wasser stehen wie immer bei seinen Konferenzen bereit. Sönke Hansen, das ist eigentlich das personifizierte Nordstormarn. „Überall werde ich gegrüßt“, und manchmal gibt er zu, „weiß

ich nicht, wer da Guten Tag gesagt hat“. Selbst in Venedig sei er von anderen Touristen gegrüßt worden. „Ich konnte es nicht glauben. „Die Leute kamen aus Klein Wesenberg.“ Und sie kannten ihren Amtsdirektor.

Doch weil Hansen sich versucht sehen könnte, wieder einzugreifen in die Geschicke „seines“ Amtes, macht er mit seinem Weggang einen endgültigen Schnitt. Einer der stets geradeaus dachte und entschied. Irgendwann hatte sich er sich als junger Mann entschieden nach seiner Ausbildung in der Husumer Stadtverwaltung, die Hürde zum Höheren Dienst zu nehmen. Das bedeutete über ein Jahr lang an Wochenendseminaren teilzunehmen. Die Prüfung am Ende war ein dreistündiges Kolloquium, bei dem ihm Beamte des Innenministeriums Löcher in den Bauch fragten. Nach Europa-Recht, nach Verwaltungsrecht, nach Volks- und Betriebswirtschaft. „Mancher, der das gleiche wollte, hat damals aufgegeben“, blickt Hansen zurück. „Da brauchte man gute Nerven.“

Die hatte er und erreichte etwas, was er selber gemeinsam mit anderen von Verwaltung und Verwaltungsrecht Besessenen entwickelt hatte: den Titel eines Verwaltungsdirektors, was einem hauptamtlichen Bürgermeister gleichkommt. Staatslehre, Verwaltungsrecht, Geschichte, das interessiert ihn Zeit seines Lebens. Unter anderem mit einem inzwischen gut befreundeten Professor hat er auch darauf hingewirkt, dass die Durchsetzung des Geldwäschegesetzes den Ämtern abgenommen wurde. „Ein derart komplexes Verfahren braucht Fachleute. So etwas konnten wir gar nicht leisten“, sagt er.

Sönke Hansen war Landesvorsitzender aller Ämter. In Schleswig-Holsteins Gemeindetag saß er im Landesvorstand und hielt beste Verbindungen zu dessen Geschäftsführer Jörg Bülow. Er ist Ehrenvorsitzender im Verband der Hauptverwaltungsbeamten und Träger der Ehrennadel in Gold des Gemeindetages. Gerne liest er noch heute die „Sicherstellung der demokratischen Legitimation der Ämter“

oder so einladende Titel wie „der ehrenamtliche Bürgermeister im Spannungsfeld von Amt und Gemeinde“. Werke, auf die er in durch seinen Verband selbst Einfluss genommen hat.

Doch der Verwaltungsmensch Sönke Hansen will seinem Nachfolger keine Tipps mit auf den Weg geben. „Jeder muss seinen persönlichen Stil finden.“ Allerdings sieht er eine zunehmende Verästelung und Verdichtung der Verrechtlichung aller Lebensbereiche. „Das Recht wird immer komplizierter“, sagt er. Das erfordere von den Verwaltungen eine zunehmende Spezialisierung, die es immer schwerer mache.

Schon deshalb kritisiert er die Ablehnung der Stadt Reinfeld, beim Amt Nordstormarn einzutreten mit einem Bürgermeister und einem Amtsvorsteher auf Augenhöhe, um Synergieeffekte zu erzielen. Das sei in Schleswig-Holstein, in Nortorf und Bordesholm etwa, schon verwirklicht worden. Es funktioniere und es sei wichtig, „weil wir als Kragenämter mit zwei Verwaltungen vor Ort in den Augen des Landesrechnungshofes eine gefährdete Rasse sind.“

Sönke Hansens Stelle wird jetzt ausgeschrieben.

Hochgeschätzt und allseits beliebt

Das Amt Nordstormarn hat gestern Abend seinem langjährigen Leiter einen würdigen Abschied bereitet; mit vielen Reden, mit einem von seinen Mitarbeitern selbst geschriebenem Lied; mit politischen und Verwaltungsgrößen aus dem ganzen Land. Sein „großes Wissen seine Hartnäckigkeit“ haben Wesenbergs Bürgermeisterin Karin Dettke nachhaltig beeindruckt. Und erst recht Klein Wesenbergs Herbert David, der mit ihm „viele Stürme überstanden“ hat. „Sönke Hansen hat seine ganze Kraft für das Amt eingesetzt. Einen gleichwertigen Nachfolger müssen wir erst noch finden.“ Elf Redner gingen auf die Verdienste des Nordfriesen ein. Doch sie alle sagten im Grunde dasselbe, nur eben aus ihrer Perspektive: Sönke Hansen war in der Verwaltung und bei denen, die er verwaltete, ein hochgeschätzter Mann.

Uwe Krog

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