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Stormarn Angeklagter versteht nichts
Lokales Stormarn Angeklagter versteht nichts
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20:20 30.09.2016

Ein Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Ahrensburger Amtsgericht musste am Freitag abgebrochen werden, weil sich nach knapp drei Stunden nur durch Zufall herausstellte, dass einer der vier Angeklagten kein Deutsch spricht. Nachdem der Mann während der Zeugenvernehmung plötzlich den Saal verlassen hatte, um zur Toilette zu gehen, wies die Richterin ihn bei seiner Rückkehr darauf hin, dass das ohne Ankündigung nicht gestattet sei. Als ein zweiter Angeklagter die Hinweise für den Mann zu übersetzen begann, zeigte sich, dass der wegen mangelnder Sprachkenntnisse dem Prozess nicht hatte folgen können.

„Ich muss jetzt entscheiden, ob der Prozess für den vierten Angeklagten abgekoppelt und mit einem persischen Dolmetscher extra verhandelt wird oder ob der gesamte Prozess mit einem Dolmetscher von vorne beginnen muss“, so die Richterin. Angeklagt sind vier Männer aus Hamburg, die vor drei Jahren bei einer Diskothek in Bargteheide als Sicherheitsdienst eingesetzt waren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gemeinsame gefährliche Körperverletzung vor. Als ein junger Mann, der wegen eines Hausverbots nicht in die Disko durfte, dies trotzdem versucht hatte, sollen die Angeklagten ihn zu Boden geworfen, getreten und geschlagen und mit einem Schlagstock verletzt haben. Der Geschädigte hatte dabei einen Jochbeinbruch erlitten.

Der Prozess stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Der Geschädigte, der als Hauptbelastungszeuge geladen war, war nicht erschienen. Die Staatsanwältin beantragte deswegen eine Ordnungsstrafe von 150 Euro oder zwei Tage Haft für ihn. Ein weiterer Zeuge fiel aus, weil die Vorladung ihn nicht erreicht hatte, eine dritte Zeugin war krank und ein vierter nur unwillig zur Aussage bereit. Auf dem Zeugenstuhl saß schließlich ein junger Mann, der Augenzeuge des Geschehens war, sich aber nicht mehr gut erinnern konnte. „Es gab ein Gerangel“, sagte er aus, „von den Security-Leuten wurde unnötig doll vorgegangen.“ Einer der Angeklagten, den der Zeuge im Saal identifizieren konnte, habe einen Schlagstock gezückt.

Allerdings räumte der Zeuge ein, dass er damals angetrunken war und in der ersten Wut unkorrekte Angaben gemacht habe. Das nahm der Verteidiger des Hauptangeklagten zum Anlass, den gesamten Prozess in Frage zu stellen. Er hatte zuvor schon das Verfahren verzögert, weil er von der unkorrekten Zeugenreihenfolge über eine unkorrekte Aktennotiz bis zum unkorrekten Vernehmungsprotokoll alles auf der Anklagebank sehen wollte, nur nicht seinen Mandanten. „Keiner der Zeugen wird brauchbare Angaben machen können“, wagte er einen Blick in die Glaskugel. Das sieht die Staatsanwältin anders, die die Hauptzeugen anhören will. Auch die Richterin lehnte es ab, Zeugen im Vorweg zu bewerten. Allerdings steht die Möglichkeit im Raum, sich auf eine Einstellung des Verfahrens mit Auflage für den Hauptangeklagten zu einigen. Ansonsten wird der Prozess am 20. Oktober weitergeführt.

ba

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