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Anwohner beklagen Wasserschäden

Bad Oldesloe Anwohner beklagen Wasserschäden

Seit den Baumaßnahmen in der Oldesloer Bahnhofstraße gibt es Beschwerden über Risse und feuchte Keller - inklusive Schimmel. Jetzt wird nach den Ursachen und den Schuldigen gesucht.

Ein Loch wurde bei Familie Burow in den Kellerboden gebohrt – und plötzlich war da ein kleiner See.

Bad Oldesloe. Im Keller der Bahnhofstraße 50 in Bad Oldesloe läuft die Pumpe – nonstop. „Seitdem in der Straße gebaut wurde, steht bei uns das Wasser“, sagt Dr. Michael Burow. Bevor die Baufahrzeuge im April 2011 angerückt seien, hätte ihn ein Gutachter aufgesucht. Waren Risse in den Wänden, Decken schief, Schimmel in den Ecken? „Mit dem Millimetermaß war der Mann unterwegs, hat Fotos gemacht und ein 49-seitiges Gutachten zur Beweissicherung erstellt“, erinnert sich der Zahnarzt. „Ich möchte nicht wissen, was das gekostet hat.“

 

LN-Bild

Das sind die beiden betroffenen Häuser in der Bahnhofstraße.

Quelle:
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Im Haus von Zahnarzt Burow waren die Wände auf einmal feucht. Hier sieht man den Wasserschaden.

Quelle:

Die Untersuchung ergab, dass seine Außenwand zur Bahnhofstraße ausblühte. Daraufhin investierte Burow rund 7500 Euro. Schließlich wollte er, dass sein Haus im Tiptop-Zustand ist. Die Außenwand wurde freigelegt, verputzt, geteert und mit Schutzmatten versehen. „Außerdem habe ich eine Drainage legen lassen“, so Burow. Sicher sei sicher. Ein gutes Jahr liefen die Umbaumaßnahmen in der Bahnhofstraße auf Hochtouren. Nachdem im September 2012 die Sanierungsarbeiten abgeschlossen waren, machte Burow eine böse Entdeckung: „Plötzlich hatte ich in der Mitte des Hauses, wo es immer knochentrocken war, aufsteigende Feuchtigkeit. Rohrbruch schlussfolgerte der Gutachter. Doch das traf nicht zu.“

Ein Loch wurde unter der Kellertreppe ins Fundament gebohrt, und dann sprudelte das Wasser nur noch so. „Ich hatte einen artesischen Brunnen unter meinem Haus“, schildert der Zahnarzt. Artesische Brunnen entstehen, wenn sich unter der Erde eine wasserundurchlässige über eine wasserführende Schicht legt. Burows Vermutung: „Bei den Bauarbeiten muss was schief gelaufen sein.“

Sämtliche Anschlüsse und Leitungen seien bei der Umgestaltung neu verlegt worden. „Früher lagen die in einem wasserdurchlässigen Sandbett. Ich könnte mir vorstellen, dass die Baufirma den Leitungsgraben mit einem abbindenden Material befüllt hat“, sagt Burow. Zudem sollen bei den Bauarbeiten in der Bahnhofstraße alte Drainageleitungen gekappt worden sein. „Die konnten nicht nachverfolgen, wohin die Leitungen führten und haben sie deshalb einfach abgetrennt“, weiß Burow. Jetzt fragt sich der Oldesloer, ob diese gekappten Leitungen eventuell mit der großen Parkfläche hinter seinem Haus zusammenhängen könnten. „Denn da steht jetzt immer das Wasser, sobald es regnet. Kein Mensch weiß, wohin es abfließt. Die Siele auf der Fläche sind ja alle mit Sand verstopft.“

Um das Wasser aus seinem Keller zu bekommen, musste Burow wieder Geld in die Hand nehmen. „Ich habe eine Pumpe gekauft für 1500 Euro.“ Zusätzlich musste er an die feuchte Mauer ran. „Es wurden im Abstand von zehn Zentimetern Löcher schräg nach unten ins Mauerwerk gebohrt, und die wurden anschließend verkieselt.“ Putz- und Malerarbeiten kamen hinzu – das kostete Burow nochmal ein paar tausend Euro. „Mit allem drum und dran kam ich auf rund 7000 Euro“, schätzt der Zahnarzt.

Auch Familie Gilbert vom Fotostudio Ketelhohn hat seit den Baumaßnahmen in der Bahnhofstraße Schäden zu beklagen. „Unser Wohnhaus ist gerissen – vertikal und horizontal – über drei Stockwerke“, sagt Heidi Gilbert. Der Fußboden sei mittlerweile geknickt, Türen schlössen nicht mehr richtig, der Kachelofen sei beschädigt. Zunächst hätten sie den Schaden gar nicht bemerkt, weil der Riss in den Fugen war. „Erst als es im Badezimmer muffelig roch, haben wir alles auseinander genommen und entdeckten hinter der Dusche das Malheur.“ Die Feuchtigkeit war bereits durch das ganze Haus gezogen. Auch der Gewölbekeller sei seit den Baumaßnahmen immer feucht. „Das Haus ist mehr als 100 Jahre alt, der Keller war immer trocken“, so die Geschäftsfrau. Bei einer anderen Immobilie in der Bahnhofstraße, die der Familie gehöre, hätten sie während der Baumaßnahmen acht Rohrbrüche auf einmal gehabt. „Das Haus mussten wir komplett kernsanieren“, schildert Michael Gilbert.

Für Heidi Gilbert sind die Erschütterungen durch die Bauarbeiten ursächlich. „Ich weiß noch, als die mit Rüttelmaschinen im Einsatz waren. Ich stand oben im Dachgeschoss unterm Giebel. Es hat so gescheppert, dass ich auf die Straße geflüchtet bin, weil ich Angst hatte, das Haus fällt zusammen.“

Von der Stadt sind Gilberts enttäuscht. „Die schieben uns den Schwarzen Peter zu und wollen nicht für den Schaden aufkommen.“ Vertrauen hätten sie nicht mehr. Zu dem Gestaltungskonzept des Blockinnenbereichs, der hinter ihrem Haus liegt, welches die Stadt kürzlich vorstellte, sagt Heidi Gilbert: „Ohne uns. Wir wollen nicht wissen, was passiert, wenn die Stadt dort eine Tiefgarage baut.

Wir haben hier Mooruntergrund. Wenn die das trocken legen, zerbröselt unser Haus womöglich völlig.“

Zufrieden sind die Gilberts auch nicht mit dem Ergebnis der Sanierungsmaßnahme in der Bahnhofstraße. „Die Straße ist durch den neuen Belag viel lauter geworden. Wenn unten an der Brunnenstraße jemand hustet oder an der Videothek eine Frau vorbeistöckelt, höre ich das in meinem Wohnzimmer“, berichtet Michael Gilbert.

Auch Zahnarzt Burow ärgert sich. „Ich habe der Stadt einen Vergleich angeboten. Wenn die sich mit 2000 Euro an den Sanierungskosten beteiligt hätten, wäre alles gut gewesen.“ Stattdessen erhielt er im März ein Schreiben des damaligen Verwaltungschefs Tassilo von Bary: „Da ich keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen den Baumaßnahmen in der Bahnhofstraße und den dargestellten Feuchtigkeitsproblem erkennen kann, erfolgt keine Kostenübernahme.“ Dr. Michael Burow ist jetzt streitlustig. „Ich überlege, ob ich es auf einen Musterprozess ankommen lasse und die Stadt verklage.“

Bauamt: Schäden nicht durch Sanierung entstanden

Die Sanierung der Bahnhofstraße war eine gemeinschaftliche Baumaßnahme von der Stadt Bad Oldesloe, den Stadtwerken und denVereinigten Stadtwerken im Rahmen des Stadtumbau West.

„Die Stadt ist zuständig bis zu einer Tiefe von 60 Zentimetern“, teilt Bauamtsleiter Thilo Scheuber mit. Alles, was mit Feuchtigkeit zu tun habe, sei eigentlich Sache der Stadtwerke. Dennoch sei die Stadt über die Beschwerden informiert. „Wir haben bei einem Anwohner zwei Nachgutachten erstellt. Herausgekommen ist, dass die Schäden nicht durch die baulichen Maßnahmen entstanden sein können. Wenn ich solche Ergebnisse habe, kann ich auch keine Schäden regulieren“, sagt Scheuber. Die Akten dazu seien bei der Stadt einsehbar. Scheuber teilt zudem mit, dass bei den Baumaßnahmen ein Flüssigboden vergossen wurde, um eine Verdichtung und damit Erschütterungen zu vermeiden.

 Britta Matzen

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