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Stormarn Archivarin ist dem Künstler auf der Spur
Lokales Stormarn Archivarin ist dem Künstler auf der Spur
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11:56 16.06.2016
Hannelies Ettrich neben der Skulptur „Trost“ von Georg Kolbe. Quelle: Bettina Albrod

Das Kunstwerk weckte das Interesse von Bargteheides Archivarin Hannelies Ettrich, als die Oberpostdirektion Hamburg das Gebäude, in dem sie seit 1953 mit einer Lehrstätte ansässig war, 1995 aufgab. „Damals bin ich hingefahren, um zu fragen, ob es vielleicht Unterlagen und Fotos zum Haus gäbe, die für das Stadtarchiv relevant sein könnten“, erinnert sich Hannelies Ettrich. „Bei einem Rundgang habe ich die Figur entdeckt.“

Sie machte sich auf Spurensuche und wurde fündig. „In den Unterlagen befand sich ein Brief des damaligen Leiters der Modernen Abteilung des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg, Dr. Heinz Spielmann“, erzählt Hannelies Ettrich. „Er hatte die Figur schon 1970 als ein Werk des bekannten Bildhauers Georg Kolbe erkannt, die im Werkverzeichnis des Kolbe-Museums in Berlin unter dem Titel ,Trost’ geführt wird.“ Die ineinander verschlungenen Initialen des Bildhauers zu Füßen der Figur bestätigten die Identität des Künstlers.

„Georg Kolbe war ein bekannter Bildhauer und Maler“, erläutert die Archivarin. Er wurde 1877 in Sachsen geboren, hatte in Dresden, München, Paris und Rom Kunst studiert und lebte bis zu seinem Tod 1947 in Berlin. Er verkehrte mit Auguste Rodin, Max Klinger und Ludwig Mies van der Rohe, gehörte der Preußischen Akademie der Künste an, und seine Werke wurden von der Galerie Cassirer vertrieben.

„Ich habe mich natürlich gefragt, wie die Arbeit eines solchen Künstlers nach Bargteheide kommt“, sagt Hannelies Ettrich. Immer wieder fuhr sie in der Umbauphase in das Haus, um zu überprüfen, ob es der Skulptur gut geht. Denn inzwischen hatte die Telekom das Gebäude übernommen. „Die Maler stellten ihre Farbeimer gerne um die Figur herum, aber sonst war alles in Ordnung.“

In den Unterlagen fand sie Hinweise, dass der Park der Lehrstätte seit 1954 regelmäßig mit Kunstwerken aus dem Besitz der Deutschen Post ausgestattet worden war. Auch die Sandsteinfigur hatte draußen am Seerosenteich gestanden. Auf Anregung Spielmanns war die Skulptur 1970 nach der Aufarbeitung ins Innere des Gebäudes gebracht worden, um den empfindlichen Sandstein zu schonen. „Ihr ursprünglicher Standort aber war in Hamburg in der Villa des Kunstsammlers Henry Bernhard Simms“, hatte Hannelies Ettrich erfahren. Simms war ein wohlhabender Kaufmann, der durch die Bekanntschaft mit dem damaligen Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, zum Sammler geworden war. In Simms Besitz waren Werke von Picasso, Max Beckmann, Lovis Corinth, Arthur Ilies und eben Georg Kolbe, mit dem ihn eine persönliche Freundschaft verband.

Den endgültigen Beweis hat Hannelies Ettrich erst kürzlich im Staatsarchiv in Hamburg gefunden. Und zwar in dem Buch „Meine Bilder und einige Aufzeichnungen wie meine Sammlung entstand“, das Henry Bernhard Simms 1910 anlässlich eines Firmenjubiläums in kleiner Auflage herausgegeben hatte. Darin findet sich auf einer Bildtafel auch die Sandsteinfigur „Trost“. Simms starb 1922. 1936 hatte die Deutsche Reichspost seine Villa gekauft und war so wahrscheinlich in den Besitz der Skulptur gekommen, die dort im Garten stand und später zu den Kunstwerken im Park der Bargteheider Lehrstätte gehörte.

Weltausstellung 1929

Der Bildhauer Georg Kolbe war 1929 in Barcelona auf der Weltausstellung vertreten. Als deutschen Beitrag hatte Ludwig Mies van der Rohe einen Pavillon in Madrid gebaut, den er mit einer Skulptur von Georg Kolbe kombinierte. Im Außenbereich war ein Wasserbecken angelegt, in dessen Mitte sich die weibliche Bronzefigur „Der Morgen“ des Künstlers aus dem Wasser erhob. Die Skulptur steht heute in Berlin.

 Bettina Albrod

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