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Stormarn Arme der Trave sollen renaturiert werden
Lokales Stormarn Arme der Trave sollen renaturiert werden
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09:34 25.09.2016
Angelplatz an der Grünen Brücke. Der Oldesloer Angelverein, der hier die Rechte innehat, zählt stolze 560 Mitglieder. Quelle: von Dahlen

Sie mäandert durch Stormarn und gibt den Blick auf manch verträumten, üppig bewachsenen Winkel frei. Die Trave gehört zu den größten natürlichen Schätzen des Kreises und trägt zu Recht den Titel Flusslandschaft des Jahres. Damit sich Flora und Fauna noch besser entwickeln können, gibt es Pläne, dem Gewässer einen Teil seiner stillgelegten Nebenarme wieder zurückzugeben. Angler und Naturfreunde ziehen dabei an einem Strang.

Im Bereich der Wolkenweher Niederung macht sich Fritz Witten, Vorsitzender des Oldesloer Angelvereins für die Renaturierung des Flusses stark. „Die Trave wurde in den 40er Jahren begradigt. Damals dachte man, so müssen Flüsse sein“, erzählt der 80-Jährige. Völlig verkannt habe man aber, dass die Altarme und Randgewässer von entscheidender Bedeutung für den Fischbestand sind. Zum einen dienten die etwas ruhiger fließenden Seitenstränge als sichere Laichgebiete, zum anderen seien es stets wichtige Rückzugsgebiete gewesen im Falle von Havarien.

Fritz Witten ist mit 80 Jahren genauso alt wie der Verein selbst. Quelle: von Dahlen

Als Beispiel führt Witten einen folgenreichen Gülleunfall in den 1980er Jahren an, bei dem landwirtschaftliche Abwässer in großen Mengen in die Trave flossen. In Ermanglung eines natürlichen Refugiums hatten sich die Aale nach seinen Informationen in die Drainageleitungen, die zum Fluss führten, geflüchtet.

Erfahrungen dieser Art kann Dr. Klaus Klingner, Vorsitzender der Oldesloer Naturfreunde, nur bestätigen. „Wir haben in den 80er, 90er Jahren viele Umweltsauereien aufgedeckt. Von einer Meierei im Norden sind damals über einen Bach Rückstände der Käseherstellung in der Trave gelandet. Der Fluss war weiß“, erinnert er sich. Auch Abwässer, die über die so genannten Bürgermeisterkanäle illegal einströmten, habe er aufgespürt. Die Stadt Bad Oldesloe habe damals gut reagiert und dafür gesorgt, dass alte Leitungen repariert und weitere für den Fluss schadhafte Einleitungen unterbunden, erzählt der Naturschützer.

Das Ergebnis kann sich heute sehen lassen. Und auch Fritz Witten ist stolz darauf, dass die Meerforelle, die der Angelverein jedes Jahr mit einem hohen finanziellen Aufwand in der Trave aussetzt, langsam wieder heimisch wird. 10 000 Euro geben er und seine Leute jährlich für die Wiederansiedlung beziehungsweise Stärkung der Population bestimmter Arten wie den Salmoniden und Aalen aus. Da der Laich der Meerforellen etwa, die nach vier Jahren wieder instinktiv von der Ostsee an ihren Geburtsort in Stormarn zurückkehren, zu vielen Gefahren ausgesetzt sind, ordern Witten und seine Leute Tiere von der Fischbrutanstalt in Altmühlendorf bei Rendsburg. Das Einsetzen der schon größeren Exemplare erhöht die Chance, dass der Bestand überlebt und sich weiter vermehrt.

Nach Wittens Ansicht könnte die Renaturierung des Kleinen Altarms in der Wolkenweher Niederung, des Großen im Brenner Moor und eines weiteren bei Sühlen die Situation der Fische noch verbessern.

„Die Gewässer müssten womöglich ausgebaggert werden, damit sie nicht verlanden“, sagt er. Um diesen Plan weiter verfolgen zu können, hätte der Bundesverband der Naturfreunde einen Förderantrag bei der Bingo-Lotterie stellen wollen. Doch leider gebe es dazu keinerlei Informationen mehr.

Naturfreund Klaus Klingner hat viele Umweltsünden geahndet. Quelle: von Dahlen

Laut Klingner haben die Naturfreunde Deutschlands in der Tat versucht, finanzielle Unterstützung im Zusammenhang mit der Trave-Landschaft zu akquirieren. „Es geht darum, Wege oder ’Natura-Trails’ ausweisen zu können, die dem Wanderer Einblick in besonders geschützte Gebiete zu ermöglichen, ohne etwas dabei zu zerstören“, sagt der Oldesloer. Desweiteren sei ein Antrag gestellt worden, die Altarme der Trave zu erfassen und von einem Ingenieurbüro ermitteln zu lassen, an welchem Standort es möglich sei, sie zu renataurieren.

Direkten Kontakt zum Vergabe ausschuss der Lotterie hatte der Vize-Vorsitzende der Naturfreunde und Fachgruppenleiter Hans- Jörg Lüth. „Die Machbarkeitsstudie wurde in der ersten Runde zurückgestellt. Danach hatten wir einen Antrag zur Umweltbildung gestellt, der komplett abgelehnt wurde“, berichtet er. Eine Chance habe das Projekt noch. Denn im Dezember tage der Vergabeausschuss der Bingo-Lotterie ein letztes Mal in diesem Jahr. Wenn dann grünes Licht für das Projekt komme, fange die Arbeit aber erst richtig an. Schließlich gelte es, sich auch mit den zuständigen Behörden und Verbänden abzustimmen, welche Eingriffe im Bereich der Flusslandschaft vertretbar seien. „Wir als Naturfreunde möchten die Menschen, die Natur erleben wollen, nicht aussperren und sehen Nutzer und Naturschutz nicht im Gegensatz“, sagt Lüth.

 Dorothea von Dahlen

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