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Stormarn „Assistierte Ausbildung“ — Die Lehre mit Coach
Lokales Stormarn „Assistierte Ausbildung“ — Die Lehre mit Coach
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20:18 10.12.2015
Der 17-jährige Luis hat den Hauptschulabschluss nachgeholt und macht jetzt eine „Assistierte Ausbildung“ zum Maler.

Ausbildungsbetriebe in Stormarn suchen dringend Nachwuchs. Betriebe werden deshalb aufgerufen, auch vermeintlich schwächeren Jugendlichen eine Chance zu geben.

Unterstützung dafür gibt es jetzt von der Bundesagentur für Arbeit in Form der „Assistierten Ausbildung“ (AsA) — ein Programm, bei dem Lehrlinge mit schlechterem Schulabschluss aufgefangen werden sollen, um den Ausbildungserfolg zu sichern.

Luis nimmt die Schleifmaschine in die Hand. Die Küchenschrankfronten sollen eine neue Optik bekommen. Von Eiche rustikal auf weiß lackiert. „Dafür müssen erst mal die Oberflächen geschliffen werden“, sagt der 17-Jährige. Luis hat am 1. August eine Lehre im Malereibetrieb Mundt in Ahrensburg begonnen. „Das bringt mir Riesenspaß“, sagt der Jugendliche. Ganz im Gegensatz zum Schulbetrieb: Dort hatte Luis Schwierigkeiten. „Ich war in der Schule nicht so gut und habe den Hauptschulabschluss nachgeholt.“ Aber als Maler zu arbeiten, das hat ihm bereits in der achten Klasse gefallen. „Da habe ich bei Mundt schon ein Praktikum gemacht. Spachteln, lasieren, schleifen, Tapeten und Teppiche entfernen — das fand ich toll.“ Es gefiel ihm so gut, dass er im vergangenen Jan noch ein elfwöchiges Praktikum ranhängte. Am letzten Tag rief Luis seinen Chef Thorsten Bialke an und fragte, ob er noch einen Tag mehr arbeiten könnte. „Aufgrund seiner schulischen Leistung wäre er durchs Raster gefallen. Aber bei Luis habe ich gemerkt, der hat ja richtig Lust auf den Job. Durch sein Engagement hat er mich überzeugt“, sagt der Maler- und Lackierermeister.

Luis nimmt am Programm der „Assistierten Ausbildung“ teil, das das Jugendaufbauwerk der Kreishandwerkerschaft Stormarn als Träger im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit anbietet. Dabei steht ihm während seiner Lehre für alle wichtigen Fragen und für Nachhilfe eine Ausbildungsbegleiterin zur Seite — wie eine Art Coach. Sozialpädagogin Marlen Franzki und ihre zwei Kolleginnen setzen sich jede Woche mit Luis und elf anderen Lehrlingen aus den Bereichen Handel, Großhandel und Handwerk zusammen und wiederholen Lerninhalte aus der Berufsschule und büffeln mit ihnen für Arbeiten und Prüfungen.

„Mir hat das schon richtig was gebracht“, meint Luis über den Stützunterricht.

Auch mit Ausbildern und Lehrern stehen die Sozialpädagogen im engen Kontakt. „So dass jederzeit eine gezielte Unterstützung möglich ist“, sagt Franzki. Die Lehrlinge erfahren zudem Rat und Hilfe im sozialen Umfeld, sei es in Konfliktsituationen mit Familie oder Freunden, bei Schulden oder ähnlichen Problemen. „Bei Luis läuft alles super. Er ist noch minderjährig, wohnt zu Hause und seine Mutter unterstützt ihn sehr“, so Franzki.

Malermeister Bialke kennt ganz andere Fälle. „Meist fangen die Probleme an, wenn die Jugendlichen zu Hause ausziehen. Dann kommen sie gar nicht oder verschlafen alle Nase lang — so eine Arbeitshaltung ist schwierig.“ Auch in solchen Fällen soll das Instrument der „Assistierten Ausbildung“ greifen. Franzki und Kolleginnen sind Ansprechpartner für den Betrieb und den Auszubildenden, sie halten Kontakt und erkennen Probleme rechtzeitig. Und sie helfen dadurch, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden. Immerhin: Jeder vierte Azubi schmeißt seine Lehre hin. In einigen Berufen wie Frisör oder Koch sogar fast jeder zweite.

„AsA ist im Grunde ein sozialpädagogisches Rundum-Sorglos-Paket, mit dem wir die Teilnehmer durch die ganze Ausbildung begleiten“, sagt Jörn Mueller, Einrichtungsleiter des Jugendaufbauwerkes der Kreishandwerkerschaft. Insbesondere kleinere Betriebe würden von der „Assistierten Ausbildung“ profitieren, erklärt Heike Grote-Seifert, Chefin der Arbeitsagentur in Bad Oldesloe. „Sie haben häufig gar nicht die Zeit, sich neben der Ausbildung um andere Probleme kümmern zu können. Hier können sie individuelle Unterstützung erhalten.“

Ziel der „Assistierten Ausbildung“ ist, dass junge Menschen mit Lernschwierigkeiten, Sprachproblemen, Problemen im Betrieb oder im sozialen Umfeld ihre Berufsausbildung erfolgreich abschließen. Denn so viel steht fest: Männer und Frauen ohne Berufsabschluss haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt. In dieser Gruppe war 2014 mit 19,9 Prozent fast jeder Fünfte ohne Arbeit, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung herausgefunden hat.

Luis hat sich jedenfalls vorgenommen, seine Lehre als Maler durchzuziehen. „Ich mag den Beruf. Er ist abwechslungsreich, man ist in Bewegung und hat mit Menschen zu tun.“ Der Job biete all das, was den 17-jährigen Azubi glücklich macht.

Gut zu wissen
Wer kann AsA in Anspruch nehmen?

Förderungsbedürftig sind lernbeeinträchtigte und sozial benachteiligte Auszubildende.
Wie wird AsA umgesetzt?

— in kleinen Lerngruppen oder Einzelunterricht
— in der Regel außerhalb der betrieblichen Ausbildungszeiten und
— durch Begleitung im Betrieb Was kostet AsA?

Für den Teilnehmer und den Ausbildungsbetrieb entstehen keine Kosten.

Britta Matzen

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