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Stormarn Asylpolitik: Petra Pau lernt den Alltag in Bad Oldesloe kennen
Lokales Stormarn Asylpolitik: Petra Pau lernt den Alltag in Bad Oldesloe kennen
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21:48 11.04.2017
Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Petra Pau (l.), und Hendrik Holtz, Direktkandidat für die Landtagswahl, sprachen mit der Leiterin der Migrationssozialberatungsstelle Kirstin Schwarz-Klatt über die aktuelle Asylpolitik. Quelle: Foto: Dvd
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Bad Oldesloe

Und das nicht von ungefähr. Als Mitglied der Partei der Linken im Innenausschuss gehört auch die Asylpolitik zu ihren Kernthemen.

Schnell ist sie mit Leiterin Kirstin Schwarz-Klatt und ihrer Kollegin, Sozialberaterin Heidemarie Kinzler im Gespräch, erkundigt sich zur medizinischen Versorgung der Flüchtlinge. Für die körperlichen Gebrechen scheint gut gesorgt, doch gerade die seelischen Qualen, die Flüchtlinge auf ihrem gefahrvollen Weg nach Deutschland, erlitten haben, bleiben meist unbehandelt. „Es gibt viel zu wenig Angebote für eine psychologische Betreuung“, berichtet Kirstin Schwarz-Klatt. Insbesondere die Traumatherapie sei sehr gefragt. Mitunter gebe es auch Wartezeiten von mehr als einem Jahr.

Petra Pau berichtet, dass sie schon vor der Ankunft der vielen Flüchtlinge aus Syrien mit diesem Problem konfrontiert war. „Das war im Zusammenhang mit den Terroranschlägen der NSU. Die Opfer litten sehr unter den Folgen“, erzählt sie und bezieht sich dabei auf ein Nagelbombenattentat im Juni 2004, das die rechtsextremistische Gruppe um Beate Zschäpe in einem türkischen Geschäftsviertel in Köln verübt hatte. Sie weist darauf hin, wie schwierig die Kommunikation in solchen Fällen ist. „Vor einem Dolmetscher das Innerste nach außen zu kehren ist nicht jedermanns Sache.“

Im Kreis Stormarn sei schon sehr viel angeschoben worden, um zusammenzutragen, welche Formen der Versorgung es gibt, sagt Kirstin Schwarz-Klatt. „Aber es kommt natürlich niemand in die Beratung und sagt: ,Ich bin traumatisiert’.“ Meist seien es äußere Anzeichen wie starker Gewichtsverlust oder Schlafstörung, unter denen die Besucher litten oder Konzentrationsschwächen in der Schule, die auf eine solche seelische Störung hindeuteten. Im weiteren gelte es dann behutsam vorzugehen. „Wenn ich sofort mit dem Psychologen komme, wehren die meisten ab und sagen ,Nein, nein, ich bin doch nicht verrückt’“, erzählt die Leiterin der Oldesloer Beratungsstelle.

Wie wichtig eine personelle Verstärkung der DaZ-Klassen wäre, merkt Hendrick Holtz, Direktkandidat der Linken bei der Landtagswahl aus Bad Oldesloe, an. Die Stadt habe jetzt eine zusätzliche Stundenzahl für die Zentren bewilligt. Aber eigentlich sei dies die Aufgabe des Landes Schleswig-Holstein. Dem pflichtet Kirstin Schwarz-Klatt bei, räumt aber ein, dass es schon gut sei, dass die Stadt überhaupt Mittel, wenn auch nicht in erforderlicher Höhe, zur Verfügung gestellt habe für eine pädagogische Fachkraft. Ein Großteil der Menschen, die nach Stormarn gekommen seien, wollten hier bleiben. In so einer Situation sei es wichtig, Integration nicht nur im Munde zu führen, sondern sie auch zu praktizieren.

Laut Petra Pau soll in der kommenden Woche das Gesetz zur beschleunigten Rückführung von abgelehnten Asylbewerbern in Kraft treten. Kirstin Schwarz-Klatt berichtet von einer Familie aus dem Kosovo mit einem schwer autistischen Kind, das in Stormarn wirksam betreut und behandelt werden konnte. „Doch das hat alles keinen Einfluss gehabt. Da blutet einem das Herz“, sagt sie.

 Was die Rückführung nach Afghanistan anbelangt, so gelte immer noch der vom Land Schleswig-Holstein beschlossene Abschiebestopp. Doch er könne nur insgesamt 90 Tage aufrecht erhalten bleiben. „Wir haben noch keine Erfahrung was passiert, wenn Bundesamt für Migration und Gericht eine Ausreisepflicht von Asylbewerbern beschließt“, sagt Kirstin Schwarz-Klatt.

Sie spricht auch von einer „Politik der verpassten Chancen“. Denn unter den Geflüchteten befänden sich viele sehr gebildete, talentierte und wissbegierige Menschen, mit deren Hilfe der Fachkräftemangel in Deutschland perspektivisch ausgeglichen werden könne. Dem pflichtet Pau bei. „Aber der letzte Versuch, eine Zuwanderungsquote einzuführen, endete 2005 mit der Einführung des Doppelpasses. Und das war’s.“

Teure Sanierung kontra sozialer Wohnungsbau

Bezahlbarer Wohnraum für alle, so lautet eine Veranstaltung der Linken am Donnerstag, 20. April, im Oldesloer Bürgerhaus. Beginn ist um 19 Uhr.

Der Diskussion stellen sich die wohnungspolitische Sprecherin der Linken in der Hamburger Bürgerschaft, Heike Sudmann, und Hendrik Holtz, Direktkandidat für den Landtag. Als Einzugsgebiet Hamburgs sei auch Bad Oldesloe vom Druck auf den Wohnungsmarkt und steigenden Mieten betroffen. Rings um Hamburg seien die Wohnungsmieten innerhalb weniger Jahre um bis zu 20 Prozent gestiegen. Dies treffe insbesondere Bevölkerungsgruppen hart, die auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind. Die seit einigen Jahren um sich greifende und oft staatlich geförderte Modernisierung älterer Wohnungen verteuere das Wohnen erheblich, während sozialer Wohnungsbau in öffentlicher Regie in Schleswig-Holstein kaum mehr stattfinde.

 Dorothea von Dahlen

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