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Stormarn Auch Schmachthagen hat eine Werft
Lokales Stormarn Auch Schmachthagen hat eine Werft
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18:28 26.10.2013
Modellbauer Werner Schöttler aus Schmachthagen mit seinem schicksten Stück: der „La Couronne“. Das große Original wurde 1636 erbaut.
Schmachthagen

Vor seiner Haustür wird gerade eine DSL-Leitung verbuddelt. Doch das kümmert Werner Schöttler nicht. Der 81-jährige Schmachthagener bleibt der analogen Technik treu, insbesondere wenn es um sein liebstes Hobby geht, den Modellbau. Puristen wie er kämen gar nicht auf die Idee, Anleitungen aus dem Internet herunterzuladen, geschweige denn, komplette Bausätze zu kaufen. Denn dann wäre der schönste Teil der Arbeit ja schon erledigt.

Eine Treppe führt in sein kleines Heiligtum. Hier dreht, feilt, bohrt und sägt der Rentner alle Einzelteile, die er für seine Miniaturwerke benötigt selbst. Vor ein paar Wochen ist wieder ein kleines Schmuckstück fertig geworden: ein Dreimaster aus dem Jahre 1636, den Kardinal Richelieu in Auftrag gegeben hatte, um die Engländer auf See zu schlagen. Mit ihrem hohen Heck und allerlei Verzierungen gilt „La Couronne“ (Die Krone) als schönstes Schiff ihrer Zeit.

„Hier sah es aus wie auf einer Werft“, erzählt Schöttler, der in seinen aktiven Zeiten als Zimmermann arbeitete. Den Schiffsrumpf, der aus etlichen Querverstrebungen besteht, bockte er auf wie in einem Trockendock, um ihn vorsichtig beplanken zu können. Dazu sägte er Mahagoni-Bretter in hauchdünne Streifen, um den Schiffskörper damit Schicht für Schicht zu verkleiden. Auch die Aufbauten an Deck hat der Modellbauer maßstabsgetreu Stück für Stück an seiner Werkbank gefertigt: die winzigen Säulen der Reling, die Treppchen, die in den Mannschaftsraum hinabführen und andere Details. Selbst die 64 Kanonen, mit der die „Couronne“ ausgestattet war, entstammen Schöttlers Drehbank. Die nur wenige Millimeter großen Hülsen musste er zum Teil noch mit der Feile nachbearbeiten. „Eine ruhige Hand muss man dabei schon haben“, sagt der Schmachthagener, der dies schon oft bei der Jagd unter Beweis gestellt hat.

Besonders stattlich erscheint das französische Schiff wegen seines aufwändig dekorierten hohen Hecks. Die dem Kapitän und seinen Offizieren vorbehaltenen Luxusquartiere hatten einst bleiverglaste, gotische Fenster. Um diesen Zierrat nachzubilden klebte Schöttler ein rautenförmiges Gitterwerk auf die kleinen Scheiben.

Eine Geduldsprobe schlechthin dürfte aber die gesamte Takelage gewesen sein. An die tausend winziger Schlingen hat der Rentner zu Knoten zusammengezogen, um die netzartig zum Mast hinaufführenden Wanten herzustellen. Selbst die zierlichen Umlenkrollen zum Trimmen der Segel hat der selbst an der Drehbank fabriziert.

In sein eigenes Werk vertieft, musste Schöttler unwillkürlich an das gewaltige Pensum denken, dass die Schiffsbauer an der Original-Couronne zu bewältigen hatten. „Man versteht es einfach nicht: Da haben sie so schöne Schiffe gebaut, sind damit rausgefahren und haben sie im Kampf wieder zerstört. Viele liegen jetzt auf dem Meeresgrund“, sagt er kopfschüttelnd.

Noch ganz von dieser Welt ist ein weiteres Schiff Marke Eigenbau, das für Schöttler eine ganz besondere Bedeutung hat: Es ist die „Greif“, ein Schiff der Küstenwache, mit der sein Schwiegersohn Frank Teller in der Lübecker Bucht Streife fährt. „Ich habe Baupläne von der Werft besorgt und auch viele Fotos gemacht“, erzählt Teller. Nach diesem Muster hat sein Schwiegervater das Schiff mit allen Schikanen bis zu Scheinwerfern, Lautsprechern und Satellitenkuppen selbst gebaut.

Als Teller seinen Kollegen davon erzählte, waren sie ganz hingerissen. Denn von der „Greif“ existiert nur ein einziges Modell, nämlich das, das die Bremer Werft ihrem Auftraggeber bei der Auslieferung 2007 überreichte. Das gute Stück lagert seitdem im Landespolizeiamt in Kiel. Teller musste versprechen, dass das Modell als Leihgabe aufgestellt wird, wenn erst die Küstenwache in Travemünde umgebaut worden ist.

Schöttler legt bei seinen Projekten übrigens ein ungeahntes Tempo vor. Die „La Couronne“ beispielsweise schaffte er in einem statt der geschätzten zwei Jahre. „Ich habe schon immer gesagt, lass Dir Zeit, sonst weißt Du nicht, was Du im Winter tun sollst“, hatte ihm seine Frau Renate oft ins Gewissen geredet. Doch nun muss sich der 81-Jährige in ein neues Bastelabenteuer werfen. Die Auswahl an schicken Schiffen ist groß . . .

Sie segelte für die Krone
Die „La Couronne“ wurde im Jahre 1636 auf einer Werft im französischen Dieppe gebaut. Kardinal Richelieu wollte der Seemacht England eine schlagkräftige Flotte entgegensetzen. Tatsächlich sollte „La Couronne“ jedoch bei keiner größeren Schlacht zum Einsatz kommen. Im Jahre 1641 wurde sie bereits abgewrackt. Das 70 Meter lange und 14 Meter breite Galeonsschiff hatte eine Besatzung von 593 Mann, war mit 2300 Kanonenkugeln ausgestattet und verfügte über sieben Anker. An der höchsten Stelle des Hecks prangten drei vergoldete Laternen (Fanali). An Bord gab es drei Kombüsen und zwei Backöfen,

Dorothea von Dahlen

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