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Stormarn Auf dem Bau brummt‘s gewaltig
Lokales Stormarn Auf dem Bau brummt‘s gewaltig
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20:48 12.04.2016
Stein auf Stein: Andrew Middleton (l.) und Christian Kruse arbeiten als Maurer für die Reinfelder Firma Hoffmann. Quelle: Fotos: Michael Thormählen

„Und wer mit uns noch in diesem Jahr bauen will, hat kaum Chancen“, betont Friedrich Hoffmann, Chef des gleichnamigen Maurer- und Betonbauerbetriebes in Reinfeld.

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Auch in Stormarn sind viele Betriebe bis Ende des Jahres ausgelastet — Wartezeiten bei Handwerkern liegen mittlerweile bei drei bis vier Monaten — Obermeister sieht kein Ende der großen Nachfrage.

„Wer ein Projekt umsetzen will, muss schon mit einer längeren Wartezeit rechnen“, bestätigt auch der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Marcus Krause. Ob Fliesenleger oder Heizungsmonteure — es gebe „einige Vorlaufzeiten“. Kunden müssen da schon mit drei bis vier Monaten rechnen“. Die aktuell hohe Nachfrage werde auch durch die Niedrigzinsphase begünstig. „Viele Eigentümer wollen in die Sanierung und Modernisierung ihres Eigenheimes investieren“, sagt Marcus Krause.

Außerdem gebe es zahlreiche Aufträge aus dem öffentlichen Bereich, weil Städte und Gemeinden wegen der Unterbringung von Flüchtlingen neuen Wohnraum schaffen müssten: „Auch dafür liegt das Geld bereit. Zusammen mit der Nachfrage aus dem privaten Sektor summiert sich das. Bauherren sind gut beraten, auch mal eine Firma mehr anzurufen.“ Probleme gebe es auch, weil nicht immer genügend Handwerker auf die Baustellen kommen könnten.

„Der Markt ist leergefegt. Wir sind auf der Suche nach Maurern und Betonbauern“, sagt Friedrich Hoffmann. Der Reinfelder Betrieb habe in Spitzenzeiten 70 Handwerker beschäftigt, jetzt seien es noch 45. Es sei allerdings nicht sinnvoll, Gesellen aus anderen Firmen abzuwerben: „Wenn wir den Neuen dann mehr bezahlen, stehen natürlich auch die anderen schnell auf der Matte.“ Wer mit Friedrich Hoffmann ein Vorhaben hochziehen will, muss sich in Geduld üben. „Für dieses Jahr sind wir so gut wie ausgelastet und nicht mehr weit davon entfernt, frühestens ab 2017 wieder einige Aufträge annehmen zu können.“

Der Reinfelder Firmenchef hat sich zur Maxime gemacht, noch einige Kapazitäten für langjährige und gute Kunden frei zu halten: „Wer in schlechten Zeiten mit uns gebaut hat, für den sind wir auch in guten Zeiten da.“ Ob der Neubau auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Treuholz oder ein Projekt in Groß Grönau im Kreis Herzogtum Lauenburg — die Handwerker der Firma Hoffmann hauen einen Schlag rein. Andrew Middleton und Christian Kruse ziehen die Wand mit den Verblendern hoch, während Bernd Wolters, Herbert Schmidt und Wolfgang Köttgen mit Hilfe eines Baggers die vorgefertigten Fensterstürze auf die Baustelle des neuen Gemeindezentrums in Groß Grönau transportieren.

Friedrich Hoffmann hatte auch Angebote aus Lübeck bekommen, um zwei große Hallen zu errichten: „Da musste ich dann nein sagen.“ Die große Nachfrage führt in einigen Fällen auch zu steigenden Preisen.

Es habe sicherlich „Erhöhungen im moderaten Bereich“ gegeben, stellt Marcus Krause fest. Die Situation führe dazu, dass Handwerksbetriebe „nicht mehr so knapp kalkulieren müssen.“ Darüber hinaus müsse das Material teurer eingekauft werden.

„Wir haben in der Vergangenheit oft zu einem sehr niedrigen Preisniveau angeboten. Das war wichtig, um überhaupt noch einen Auftrag zu bekommen“, erläutert der Obermeister der Bauinnung, Kai Boysen.

Dies sei jetzt nicht mehr unbedingt notwendig. Denn auch der Inhaber des in Reinbek ansässigen Zimmerer- und Dachdeckerbetriebes bezeichnet die aktuelle Auftragslage in der Baubranche als gut: „Es gibt zwar einige Unterschiede — aber die meisten Kollegen sind ausgelastet.“ Um alle Aufträge abzuarbeiten, könne mit einem guten Betriebsklima dem Facharbeitermangel wirkungsvoll begegnet werden:

„Wir suchen zurzeit nicht nach neuen Leuten.“

Nach Feststellungen des Innungs-Obermeisters gibt es seit etwa drei Jahren eine steigende Nachfrage auf dem Bau. „Und ich bin mir sicher — daran wird sich vorerst auch nichts ändern“, zeigt sich Kai Boysen optimistisch.

Azubis ausbilden

Betriebe in Stormarn haben nach den Worten des Geschäftsführers der Kreishandwerkerschaft, Marcus Krause, zunehmend Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden: „Kein Wunder angesichts einer Arbeitslosenquote von nur 3,8 Prozent.“ Umso wichtiger sei, die Zahl der Lehrstellen zu erhöhen: „Da liegt die Kreishandwerkerschaft bei einem Plus von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.“ Auch der Obermeister der Bauinnung, Kai Boysen, setzt in seiner Firma auf den Nachwuchs: „Wir haben acht Azubis.“

Von Michael Thormählen

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