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Reinfeld Auf dem Weg zum Selbstversorger

Die Stadtwerke Reinfeld produzieren immer mehr Energie. Auch die neue Verwaltung wird mit Strom beliefert.

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Produziert Strom für die neue Verwaltung und sieht dabei noch idyllisch aus: das Wasserrad am Claudiushof unter Beobachtung des bisherigen Leiters der Stadtwerke, Klaus-Dieter Herrmann. Fotos (2): Isabel Melahn/hfr

Reinfeld. Klaus-Dieter Herrmann hat sich gerade als langjähriger Leiter der Stadtwerke Reinfeld verabschiedet, aber er hinterlässt seinen Nachfolgern ein stolzes Erbe, einen neuen Bereich innerhalb des kommunalen Unternehmens: Zur Wasserver- und -entsorgung kommt die Energiesparte, deren Ziel es ist, Strom aus alternativen Energien zu gewinnen und damit unabhängiger von den Energieunternehmen zu werden. Während die Reinfelder Stadtwerke jetzt schon rund zehn Prozent selbst produzieren, soll der Anteil in den nächsten zehn Jahren auf fast 50 Prozent steigen.

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Sonnenenergie wird von der Photovoltaikanlage auf dem Dach der Kant-Schule produziert.

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Während neben dem Claudiushof am Herrenteich schon Anfang des 20. Jahrhunderts Wasserräder liefen, gab es lange Zeit an dieser Stelle nichts zu sehen. „Mit dem Umbau des alten Mühlengeländes bot es sich an, wieder ein Wasserrad zu installieren“, erklärt der bisherige Leiter der Reinfelder Stadtwerke. „Energie ist teuer und man sollte sich am besten selbst versorgen — das haben wir konsequent weiter gedacht und vor gut eineinhalb Jahren eine Energiesparte eingeführt, die sich nur darum kümmern soll.“ Daher rauscht nun also das Wasser des Herrenteichs über das eineinhalb Meter breite Rad, fällt 4,2 Meter tief in die Mühlenau hinab und bringt dabei acht Kilowatt in der Stunde (kWh) zustande. „Wir rechnen mit rund 6500 Betriebsstunden im Jahr“, erklärt Herrmann. Abgerechnet seien die Wochen, in denen der Herrenteich abgefischt werde oder zugefroren sei. „Bei einem Mittelwert von fünf kWh errechnet sich eine Gesamtleistung von 35 000 kWh im Jahr.“

Während die Energie zurzeit noch ins Netz eingespeist wird, soll sie demnächst von den Stadtwerken selbst genutzt werden: „Ende 2014 soll die neue Verwaltung der Stadtwerke gegenüber dem Rathaus fertig sein. Mit der durch das Wasserrad produzierten Energie wollen wir die Büros mit Strom versorgen.“

Ein weiteres Projekt ist das Blockheizkraftwerk auf der Kläranlage, das seit April elektrische Energie und Wärme produziert. Beides wird direkt vor Ort genutzt, denn die Wärme heizt den Faulbehälter, in dem alle auf der Kläranlage anfallenden Schlämme erwärmt werden. Nur so könnten mithilfe biologischer Prozesse Treibhausgase wie Methan aufgefangen werden, erklärt der Abwasserspezialist. „Übers Jahr sparen wir mit dem kleinen Kraftwerk eine stolze Summe ein“, sagt Herrmann und rechnet vor: „Wir gehen von einem Mittelwert von 15 kWh aus, multiplizieren diesen Wert mit 24 Stunden und 300 Tagen und erhalten so eine jährliche Gesamtleistung von 110 000 kWh Strom und 320 000 kWh Wärme.“ Dadurch verringerten sich die Energiekosten allein durch das neue Blockheizkraftwerk um rund 25 000 Euro im Jahr.

Ein Finanzobjekt für die Stadtwerke ist dagegen die Photovoltaikanlage, die es seit einem Jahr auf dem Dach der Immanuel-Kant- Schule und der Turnhalle gibt. Beide Flächen zusammen produzieren rund 75 Kilowattpeaks. Ab Herbst soll eine weitere Anlage auf dem neuen Gebäude der Kindertagesstätte neben der Gemeinschaftsschule installiert werden. Die so produzierte Energie wird ins Netz eingespeist. „Damit erzielen wir je nach Wetterlage und Sonnenscheinstunden zurzeit eine Einspeisevergütung von 10 000 bis 12 000 Euro im Jahr“, erklärt Klaus-Dieter Herrmann. Rund 4000 Euro kommen dazu, wenn die neue Anlage auf der Kita ebenfalls angeschlossen ist. Beide Beträge müssten jedoch um die Kapitaldienste relativiert werden.

Das Windrad der Wasserwerke am Wasserwerk in Barnitz arbeitet bereits seit mehr als 20 Jahren und versorgt den dortigen Betrieb mit Strom. „Diese Anlage war eine der ersten in Stormarn“, erinnert sich der langjährige Leiter der Stadtwerke. Daher sei Repowering das Stichwort, erklärt Herrmann. Das alte Windrad sollte durch eine neue Anlage mit höherem Wirkungsgrad ersetzt werden. Doch das sei nicht so einfach, denn das Gebiet rund um das Wasserwerk stehe unter Naturschutz, und ein weiteres Windrad oder größere Flügel seien nicht umsetzbar. Nun muss der scheidende Chef Klaus-Dieter Herrmann es seinen Mitarbeitern überlassen, die Energiegewinnung für das Wasserwerk auf moderne Füße zu stellen. „Für die Zukunft sind die Stadtwerke Reinfeld gut aufgestellt“, lautet sein Fazit.

Isabel Melahn

„Energie ist teuer, man sollte sich am besten selbst versorgen.“
Klaus-Dieter Herrmann, Stadtwerke

LN

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