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Stormarn Aufatmen! Ihr größter Feind war der Raps
Lokales Stormarn Aufatmen! Ihr größter Feind war der Raps
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10:30 24.05.2016
Noch vor wenigen Jahren hat sich Cornelia Zacharias am liebsten im Haus verkrochen, um den fliegenden Pollen zu entgehen. Heute fühlt sie sich sogar in einem Rapsfeld wohl. Quelle: Fotos: Petra Dreu/archiv

Wenn Cornelia Zacharias heute für eine Radtour aufs Fahrrad steigt, kann sie selbst kaum glauben, welcher Leidensweg hinter ihr liegt.

Fast 40 Jahre lang reagierte sie allergisch auf Katzenhaare, Hausstaub, Frühblüher, Gräser und vieles mehr. Dank einer Verhaltenstherapie ist die Sozialversicherungsangestellte heute nahezu beschwerdefrei.

„Es fing an, als ich Anfang 20 war. Ich reagierte allergisch auf Katzenhaare, Hausstaub und einige Pollen. Mein Arzt verschrieb mir Tabletten. Zuerst halfen sie, dann jedoch wurde es immer schlimmer“, berichtet die 61-Jährige. „Irgendwann fing es bereits im Januar an und dauerte bis in den Herbst hinein. Ich hatte nur ein kleines Zeitfenster, in dem ich beschwerdefrei war“, erzählt Cornelia Zacharias, die in den 1980er Jahren versucht hatte, mit einer Hypersensibilisierung und vielen Spritzen ihre Beschwerden in den Griff zu bekommen. Gebracht hatte es nichts. Im Gegenteil: „Es wurde immer schlimmer", erzählt sie.

Im Frühjahr 2010/2011 setzt ein „Etagenwechsel“ ein, wie es Cornelia Zacharias nennt. „Ich hatte Atemprobleme, die immer stärker wurden. Von da an waren weitere Tabletten, Notfallsprays und die Angst, keine Luft mehr zu bekommen, meine ständigen Begleiter“, berichtet sie. Als wären ihre Beschwerden noch nicht genug, kam zur gleichen Zeit ein Tinnitus hinzu. „Ich hatte ständig zwei verschiedene Töne im Ohr, permanent, Tag und Nacht. Das hat mich fast wahnsinnig gemacht. Mein Hausarzt hat mir eine Verhaltenstherapie empfohlen. Ich sollte lernen, mit den Tönen zu leben“, beschreibt sie die schwerste Zeit ihres Lebens.

Mehr als ein halbes Jahr musste sie warten, bis ihre Verhaltenstherapie bei dem Bargteheider Psychologen und Psychotherapeuten Dr. Klaus Witt beginnen konnte. Was Cornelia Zacharias damals nicht wusste: Witt ist Fachmann auf dem Gebiet der Psycho-Allergologie. „Erst in der dritten Therapiestunde habe ich von meinen Allergien erzählt“, berichtet sie. Dass es psychologische Allergiebehandlungen gibt, davon hatte sie gehört. Dass sie selbst eine machen würde, hätte sie zuvor nicht gedacht. „Als Angestellte einer Krankenversicherung setzt man doch eher auf die Schulmedizin“, sagt sie.

Witt gab ihr einen Zettel mit Fragen und machte Übungen mit ihr. „Ich sollte mir vorstellen, was mir besonders unangenehm an den Allergieauslösern ist“, beschreibt Cornelia Zacharias die Stunde, die ihr Leben verändern sollte. „Es war Raps. Ich mag den Geruch der Blüten nicht. Ich habe ihn mir bildlich vorgestellt und bekam keine Luft mehr“, denkt sie zurück. „Dann sollte ich nach einer positiven Verbindung zum Raps suchen. Ich bin auf Sylt geboren und liebe das Wasser und den Wind. Deshalb habe ich mir die Rapsfelder am Brodtener Ufer vorgestellt. Wenn ich jetzt an Raps denke, denke ich automatisch an den Wind und das Meer und sage mir, dass ich keine Beschwerden mehr habe.“

Cornelia Zacharias weiß, dass sich nicht alle Menschen auf eine solche Therapie einlassen können: „Das eigene Ich spielt eine große Rolle. Man muss bereit sein, etwas zu ändern und Sachen anzunehmen.

Dennoch, die vielem Kosten für die Medikamente hätte man sich sparen können“, ist sie überzeugt. Ganz beschwerdefrei ist sie noch nicht, aber sie kann inzwischen wieder das Unkraut von den Blumenbeeten zupfen und mit ihrem Mann in der Natur spazieren gehen. „Mein Leben hat so viel Lebensqualität zurückbekommen“, ist Cornelia Zacharias dankbar. Manchmal, wenn es in der Nase juckt, nimmt sie das Buch „Allergien mental behandeln“ zur Hand, das ihr Therapeut zusammen mit Professor Dr. Gerhard Unterberger und dem Lungenfacharzt Dr. Ingo Wilcke geschrieben hat. Cornelia Zacharias: „Die dort beschriebenen Übungen mache ich ab und zu. Sie helfen mir, am Leben wieder teilnehmen zu können.“

Stormarns Bauern sehen die aktuelle Ernte in Gefahr

Sorgen bereitet Stormarns Landwirten die aktuellen Situation beim Raps. „Die Ernte ist schon gefährdet. Ich rechne allerdings nicht mit einem Totalausfall“, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Hans-Joachim Wendt aus Grabau. Weil keine Pestizide mehr auf den Feldern versprüht werden dürfen, könnten Schädlinge nicht mehr wirkungsvoll bekämpft werden.

Hans-Joachim Wendt, der selbst Raps anbaut, nennt die Kohlfliege als Beispiel: „Die legt ihre Larven ab, die anschließend an die Wurzeln gehen. Später stirbt die Pflanze ab.“

Der Verbandsvorsitzende wird vermutlich den Rapsanbau reduzieren und stattdessen mehr Gerste oder Weizen auf seinen Böden pflanzen. Um Prognosen für den Verlauf der kommenden Ernte abzugeben, sei es noch zu früh.  mt

 Petra Dreu

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