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Stormarn Aus der Traum für Chapeau Klack
Lokales Stormarn Aus der Traum für Chapeau Klack
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20:48 04.10.2016
„Und wenn es euch gefallen hat, dann erzählt es allen weiter . . .“ Hier stehen sie zum letzten Mal gemeinsam auf der Bühne im Forsthaus.
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Bad Oldesloe

Zum letzten Mal standen sie gemeinsam auf der Bühne. Zum letzten Mal zeigten sie, was sie können. Wehmütig präsentierten sie Requisiten und Kostümteile, die die letzten fünf Jahre symbolisieren. Zum letzten Mal zogen sie ihre Hüte und sagten: „Und wenn es euch gefallen hat, dann erzählt es allen weiter, und wenn nicht, dann pscht.“ Denn pünktlich zum fünfjährigen Bestehen, zum Chapiläum, verkündete die Oldesloer Kinder- und Jugendtheatergruppe Chapeau Klack ihre Auflösung. Das war es dann.

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Kein Lagerraum: Die Oldesloer Theatergruppe hat sich nach genau fünf Jahren aufgelöst.

„Wir haben uns jeden Montag gesehen. Das war eine Art Tradition. Und wir hatten immer sehr viel Spaß.“„Anna Baß, Schauspielerin

Chapeau Klack wurde im September 2011 gegründet. Damals wollte Britta Finger (52) den Kindern und Jugendlichen eine Plattform zum Theaterspielen bieten. Angefangen hatten sie mit kleinen Auftritten auf Festen in Bad Oldesloe. „Die Geschichten von der Leiter waren unsere ersten Projekte. Wir haben kleine Stücke szenisch erzählt“, berichtet die Gründerin.

Die Gruppe wuchs schnell. Im Jahr 2013 inszenierten sie ihr erstes großes Stück. Das Mitmach-Taschenlampen-Musical „Geschöpf der Nacht“ begeisterte besonders die Kinder.

Doch die Projekte von Chapeau Klack gingen weit über das reine Theaterspielen hinaus. Die Jugendlichen erarbeiteten die Stücke ganz allein nach ihrem Geschmack. „Ich legte großen Wert darauf, dass so viel wie möglich von den Jugendlichen selbst entworfen und umgesetzt wurde. Sie schrieben ihre Stücke selber um, entwarfen und nähten Kostüme und halfen beim Bühnen- und Requisitenbau mit. Chapeau Klack machte sich für die regionale Kultur stark. Ein Markenzeichen war die plattdeutsche Rolle, die in jedem unserer Stücke dabei war“, erklärt Finger.

2014 führten sie ihr zweites und größtes Stück auf. Der Klassiker „Das Gespenst von Canterville“ von Oscar Wilde überzeugte mit viel alt-britischem Witz und Charme. Zuletzt wanderte Chapeau Klack mit dem Kinderstück „Pinguine können keinen Käsekuchen backen“ durch die Kindergärten. „Unsere Stücke hatten immer sehr viel Fantasie. Besonders unser letztes. Das war mit Abstand am schrillsten. Als pinkes Huhn, das allen seinen Staubsauger verkaufen wollte und sich als gute Fee ausgegeben hat, war ich der Renner", so Lea Jantz (18).

Doch nicht nur auf der Bühne wurde die Gruppe bekannt. „Neben dem Theaterspielen haben wir auch gelernt, wie man Kostüme und Masken fertigt. Mit dem Kinderschminken bei öffentlichen Veranstaltungen haben wir uns unser Geld verdient“, so Finger. „Viele aktive Oldesloer haben uns geholfen, so erfolgreich zu werden, wie wir im Endeffekt waren“, erzählt Britta Finger. „Wir haben Popcorn von Heinz Wittern bekommen, als er noch das Kino in Oldesloe besaß; Plattdeutschunterricht von Frau Achterberg; Gesangsunterricht vom Operettenpärchen Walter und Sonja aus Hamburg; technische Unterstützung vom Kreis-Jugend-Ring und vieles mehr.“ Einer der größten Unterstützer sei Alfred Anders vom Alten- und Pflegeheim Forsthaus gewesen. „Er hat uns seine Bühne im Forsthaus zur Verfügung gestellt und das ohne Gegenleistung. Vielen Dank an ihn.“

Doch die Theatergruppe hatte nicht nur rosige Zeiten. Im Jahr 2013 wurde der Jugendarbeitsschutz aufmerksam. „Wir haben sehr viel Zeit mit Bürokratie verbracht, statt Theater zu spielen. Wir waren verunsichert. Eigentlich haben wir auf die Unterstützung des Amateurtheaterverbandes gehofft, leider vergeblich“, so Finger. Daraufhin habe die Stadtjugendhilfe Chapeau Klack unter die Arme gegriffen und sie als Jugendhilfeprojekt der Stadt Bad Oldesloe anerkannt.

Doch damit war die graue Wolke nicht verschwunden. „Ein halbes Jahr später bekamen wir arge Lagerprobleme“, so Britta Finger. Der Lagerraum wurde für andere Zwecke benötigt. „Wir wussten nicht, wohin mit den Requisiten und Bühnenelementen.“ Zwar bestand weiterhin die Möglichkeit, auf der Bühne im Forsthaus aufzuführen und zu proben, doch für das weitere Bestehen war ein Lagerraum unumgänglich.

Auch ein Jahr später war keine wirkliche Lösung vorhanden. Die Situation belastete die Gruppe. „Wir konnten geplante Projekte nicht verwirklichen und auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen nicht eingehen.“ Letztendlich sei das ausschlaggebend dafür gewesen, dass die Gruppe sich auflöste, berichtet Finger. „Wir sind besonders traurig über die Auflösung. Wir haben uns seit mehr als vier Jahren jeden Montag gesehen. Das war schon eine Art Tradition. Und wir hatten immer sehr viel Spaß“, erzählt Anna Baß (18) wehmütig. „Wir haben viel Zeit investiert und viel gelernt", so Martha Finger (13). „In den fünf Jahren sind viele Erinnerungen zusammengekommen. Aber alles hat seine Zeit. Unsere Zeit mit Chapeau Klack ist vorbei", sagt Britta Finger.

Die Gruppe Chapeau Klack war nie groß. Es war eine kleine Gruppe, in der jeder Raum fand, sich zu entwickeln. Sie hat ihre Schauspieler geprägt. „Theaterspielen wird immer ein Teil meines Lebens bleiben“, Lea Jantz. Auch Sophia Kamp (13) und Anna-Lena Otto (13) gehen jetzt auf die Suche nach einer neuen Gruppe.

Am 28. September 2016 wurde Chapeau Klack aufgelöst. Alles hat eben seine Zeit. lifi

LN

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