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Stormarn Auschwitz-Überlebende erinnert an den Holocaust
Lokales Stormarn Auschwitz-Überlebende erinnert an den Holocaust
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20:38 14.06.2017
Fast 75 Jahre später: Tim Reichle, Nathalie Mohs und Josephine Stresius (v. l.) setzen sich mit der Nazi-Vergangenheit auseinander.
Reinfeld

Sie war in dem Alter wie einige Schüler der Immanuel-Kant-Schule, als Esther Bejarano vor rund 75 Jahren am eigenen Leib die Schrecken der Nazi-Diktatur spürte.

Kam als 18-Jährige nach Auschwitz: Esther Bejarano.

Gestern schilderte die 92-Jährige, die das Vernichtungslager in Auschwitz überlebte, den Jugendlichen in Reinfeld mit eindringlichen Worten ihre Erlebnisse.

Ihr Vater wirkte als Kantor in zahlreichen jüdischen Gemeinden und fand immer wieder einen neue Anstellung. „Wir waren aber nicht reich und konnten deshalb nicht auswandern“, erinnerte sich Esther Bejarano. Ihre Eltern seien von den Nazis erschossen worden: „Das habe ich später erfahren.“ Und die damals 16-Jährige kam zur Zwangsarbeit in ein Lager.

1943 wurde die junge Frau mit dem Zug nach Auschwitz deportiert: „Es ging in Viehwaggons.“ Beim Eintreffen in Polen wurde der damals 18-Jährigen die Nummer 41 948 auf den Arm tätowiert. Zuvor hatte sie die sogenannte Selektion an der Rampe miterlebt. Für ältere und kranke Juden ging es direkt in die Gaskammern. „Die wurden mit Lastwagen abtransportiert.“

Esther Bejarano überlebte nur, weil sie einen Platz in dem von der SS gegründeten Orchester fand: „Ich hatte Glück.“ Sie spielte fortan Akkordeon – mit Musik wurden die Arbeitskolonnen morgens am Lagertor verabschiedet und abends wieder begrüßt. „Weil ich eine christliche Großmutter hatte, durfte ich Auschwitz verlassen“, so Esther Bejarano. Sie kam in das Frauenlager Ravensbrück in Brandenburg musste fortan für die deutsche Rüstungsindustrie arbeiten und Schalter für U-Boote bauen. Mit Musik feierte sie die Befreiung, nachdem alliierte Truppen das Lager erreichten.

Musik von der Gruppe Microphone Mafia gab es auch gestern in der Aula der Kant-Schule. Die 92-Jährige sang zum Abschluss der Feierstunde ihr Lieblingslied. Erinnert wurde auch an das Schicksal von Carl Harz, für den ein neuer Stolperstein verlegt wurde. Tim Reichle, Nathalie Mohs (beide 17) und Josephine Stresius (16) hatten sich im Unterricht mit seinem Schicksal auseinandergesetzt und lobten sein besonderes Engagement. Er habe während der Nazi-Zeit für seine Meinung eingestanden, so die Schüler.

Schulleiter Swen Trinkler betonte, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit könnten aus allen Richtungen der Gesellschaft kommen: „Und wir müssen uns als Schulgemeinschaft dagegen positionieren.“ Wichtig sei, dass eine Zeitzeugin wie Esther Bejarano auch heute noch ein „klares Bild“ der damaligen Ereignisse schildern könne.

mt

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