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Stormarn Auszeichnung für Dagmar Greiß
Lokales Stormarn Auszeichnung für Dagmar Greiß
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11:04 06.11.2018
Mit der goldenen Ehrennadel des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Schleswig-Holstein wurde Dagmar Greiß von Frauen helfen Frauen ausgezeichnet. Quelle: SUSANNA FOFANA
, Bad Oldesloe

 Die Themen von Dagmar Greiß (68) aus Tralau sind Gleichberechtigung und Emanzipation. Für die Rechte der Frauen setzt sie sich seit Jahrzehnten in der Region ein. Jetzt wurde sie vom Paritätischen (Wohlfahrtsverband) Schleswig-Holstein für ihr Engagement auf Kreis- und Landesebene mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

Die Ehrung erfolgte in der Kunsthalle Kiel am zehnten Geburtstag des Landesverbandes Frauenberatung Schleswig-Holstein (LFSH). Greiß: „Ich war völlig überrascht. Es hat mich wirklich sehr gefreut.“ Vor allem sei auch der Rahmen inmitten ihrer Wegbegleiterinnen von Notrufen und Beratungsstellen in Schleswig-Holstein, die sie alle kennen, gut gewählt. Sie betont: „Das war besonders schön für mich.“

Laudatio von Ursula Schele

Die Laudatio in Kiel hielt Ursula Schele. Sie ist nicht nur Vorstandskollegin von Greiß im Landesverband der Beratung, sondern auch Verbandsratsvorsitzende im Paritätischen (Wohlfahrtsverband) Schleswig-Holstein. Schele: „Dagmar Greiß war Gründungsfrau von Frauen helfen Frauen in Bad Oldesloe im August 1988 und ab 1989 sogleich als aktive Vereinsfrau federführend beim Aufbau der Frauenberatungsstelle in Bad Oldesloe.“

Frauen helfen Frauen Stormarn gibt es seit 30 Jahren. Doch die Anfänge der Frauenbewegung in Bad Oldesloe und Umgebung reichen noch weiter zurück. Schon 1980 hatte sich die damals Autonome Frauengruppe Frauenpolitik auf ihre Fahnen geschrieben. „Das sind die Ursprünge von Frauen helfen Frauen. Wir haben ganz klein begonnen“, erklärt Greiß und freut sich, dass daraus so etwas Faszinierendes und Spannendes entstanden ist.

Schele erinnerte daran, dass die ersten beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, zu denen auch Greiß 1989 gehörte, als ABM-Stellen durch das Arbeitsamt finanziert wurden. Mit den Vereinsfrauen habe sie gegen anfängliche Widerstände in den politischen Gremien eine Finanzierung der Frauenberatungsstelle durch öffentliche Mittel erreicht. Schele: „Dagmar Greiß hat die breite Ausrichtung der Frauenberatungsstelle als Notruf bei Gewalt gegen Frauen, mit dem Angebot der Schwangeren- und Familienhilfeberatung, der Schwangerschaftskonfliktberatung, Angeboten für Frauen mit psychischen Erkrankungen und einem Fachbereich Essstörungen ganz maßgeblich mitgeprägt.“

Gründungsfrau des Bella Donna Hauses

Zudem habe sie als Gründungsfrau eine weitere Vision in die Tat umgesetzt. Mit dem 2003 eröffneten und ehrenamtlich geführten Bella Donna Haus wurde ein Ort von Frauen für alle Menschen geschaffen, an dem Arbeit, Soziales und Kultur Platz haben. Schele: „Ich bin da echt neidisch. Denn in Kiel ist uns so ein großer Wurf leider nicht gelungen.“

„Das Bella Donna Haus war für mich das Gegenstück zu meinem nicht ganz einfachen Beruf. Gewalt an Frauen und Mädchen ist kein leichtes Thema“, sagt Greiß. Nach einer Ausbildung zur Drogistin hatte sie ihr Diplom zur Sozialwirtin gemacht, 1995 eine Gestalttherapieausbildung, 1998 eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie absolviert, wurde zudem Traumatherapeutin.

In der Frauenberatungsstelle war Dagmar Greiß von 1989 bis zur Rente 2015 als Beraterin und Therapeutin tätig. Auch als Rentnerin engagiert sie sich weiterhin ehrenamtlich bei Frauen helfen Frauen und im Vorstand von Bella Donna. Sie arbeitet zudem als Therapeutin in eigener Praxis. Auf Landesebene ist sie im Vorstand des LFSH sowie gewähltes Mitglied im Kuratorium Landesstiftung Opferschutz.

Hintergrund

Der Verein Frauen helfen Frauen Stormarn ist Mieter im Bella Donna Haus in der Bahnhofstraße. Er ist Träger der Frauenfachberatungsstelle in Bad Oldesloe und des Frauenhauses Stormarn.

Die Istanbul-Konvention ist ein 2011 ausgearbeiteter völkerrechtlicher Vertrag. Er schafft verbindliche Rechtsnormen gegen Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt. 45 europäische Staaten haben sie unterzeichnet, 27 haben sie bisher ratifiziert.

Greiß macht jungen Frauen Mut, sich einzubringen. Sie sollten sich „immer weiter engagieren. Dann können gute Dinge entstehen.“ Sie sollten sich kontinuierlich für die eigenen Belange einsetzen. Denn weder Demokratie noch die Rechte der Frauen gebe es geschenkt. Greiß zu ihrem eigenen Engagement: „Ich selbst habe dadurch ein erfülltes Leben erfahren. Es ist nicht nur ein Geben, sondern ich bekomme ganz viel zurück.“

Was die 68-Jährige ganz besonders freut: „Deutschland hat jetzt die Istanbul-Konvention unterschrieben, den Maßnahmenkatalog gegen Gewalt an Frauen und Mädchen sowie häusliche Gewalt.“ Die beteiligten Länder verpflichten sich dazu, sich aktiv für das Thema einzusetzen und Hilfeangebote finanziell adäquat auszustatten. Greiß: „Das, wofür wir uns 30 Jahre lang eingesetzt haben, wird jetzt auf gesetzliche Füße gestellt.“

Trotz allem Engagements: „Das Wichtigste in meinem Leben ist nach wie vor meine Familie.“ Dazu gehören drei Töchter und fünf Enkelkinder. Ihre private Lebenssituation mache sie glücklich. Und nächstes Jahr feiere sie mit ihrem Mann goldene Hochzeit.

Susanna Fofana

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