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Stormarn Raub-Prozess: Das Opfer schweigt
Lokales Stormarn Raub-Prozess: Das Opfer schweigt
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16:01 13.02.2019
Ein Ehemann kann vor Gericht die Aussage verweigern, sollte er damit seine Frau belasten. So tat es der 42-Jährige aus Bad Oldesloe. Quelle: Archiv
Bad Oldesloe/Lübeck

Ohne Urteil endete am Mittwoch vor dem Lübeck Landgericht ein Prozess gegen eine 48-jährige Frau aus Bad Oldesloe und zwei weitere Angeklagte. Ihnen wird vorgeworfen, im April 2018 den ehemaligen Lebenspartner der Frau überfallen und ausgeraubt zu haben.

Da nicht nur die Angeklagten zum Tatvorwurf schwiegen, sondern auch das Opfer, gab es für die Richter keine belastbaren Aussagen. Der Ehemann der Frau berief sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht und wollte seine Partnerin nicht belasten. Auch die geladenen Zeugen wurden daraufhin nicht gehört. Die Staatsanwaltschaft hatte vorgeschlagen, zwei Polizeibeamte trotzdem zu hören. Außerdem läge ja die Whatsapp-Korrespondenz der drei mutmaßlichen Täter vor. Doch das Gericht lehnte das Ansinnen aus juristischen Gründen ab.

Was war geschehen am 22. April vergangenen Jahres in der Hagenstraße in Bad Oldesloe? Laut Anklageschrift hatten die Frau, deren neuer Partner ebenfalls aus Bad Oldesloe und ein weiterer Mann aus Elmshorn den 42-Jährigen am Nachmittag in dessen Wohnung überfallen, mit einem Messer bedroht, geschlagen und Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Anschließend flüchteten die drei Personen mit einem Auto, das sie vor dem Haus abgestellt hatten.

Ihr Beute laut Staatsanwaltschaft: rund 600 Euro in bar, Bankkarten, eine Uhr, ein Smartphone sowie diverse elektronische und Haushaltsgeräte. Damit soll auch der Tatbestand des schweren Raubes erfüllt sein, wie es in der Anklage heißt. Denn die mitgenommenen Dinge gehörten offensichtlich nicht nur der Frau aus der gemeinsamen Zeit mit dem 42-Jährigen. Die 48-Jährige soll die beiden Männer an dem Tag in die Wohnung gelassen haben.

Einen Monat in U-Haft

Binnen eines Monats waren die drei Tatverdächtigen jedoch gestellt, die Frau saß zudem anschließend einen Monat in Untersuchungshaft. Auch für die beiden Männer existieren Haftbefehle, sie sind jedoch auf freiem Fuß. Täter wie Opfer stammen allesamt gebürtig aus dem Irak oder Syrien. Der neue Lebenspartner der 48-Jährigen lebt jedoch schon länger in Bad Oldesloe, ist deutscher Staatsangehöriger und spricht auch gut Deutsch. Für die beiden anderen Angeklagten hatte das Gericht Dolmetscher Hajar Sorani bestellt.

Nach diversen Beratungen und dem Nachschlagen in juristischen Aufsätzen entschied sich die III. Große Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Kai Schröder schließlich dafür, das Verfahren gegen die Ehefrau abzutrennen und die Hauptverhandlung auszusetzen. Das heißt, die 48-Jährige muss sich nun in drei Wochen allein erneut vor Gericht verantworten. Gegen ihre mutmaßlichen Mittäter wird es ein gesondertes Verfahren geben.

Während einer Pause scherzten die Angeklagte und ihr Ehemann sogar miteinander. Offenbar ist sie auch schon wieder bei ihm eingezogen. „Möglicherweise haben die vier Beteiligten eine außergerichtliche Lösung für ihren Konflikt gefunden“, meinte eine Besucherin vielsagend.

Markus Carstens

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